Titel: Alban's Mittheilungen aus seinem Leben und Wirken als Maschinenbauer.
Autor: Alban, Ernst
Fundstelle: 1850, Band 116, Nr. XVII. (S. 81–86)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj116/ar116017

XVII. Mittheilungen aus meinem Leben und Wirken als Maschinenbauer; von Dr. Ernst Alban in Plau (Mecklenburg-Schwerin).

(Fortsetzung von Bd. CXV S. 411.)

B. Ueber meine neuen Walzenwalken.

Die Walzenwalken haben in neuerer Zeit die Aufmerksamkeit aller Tuchfabrikanten in hohem Grade in Anspruch genommen, da sie eine viel kernigere Waare, die doch zugleich einen weichen und sanften Angriff zeigt, liefern und schneller arbeiten als die gewöhnlichen Walkstöcke. Unter den bisher empfohlenen Walzenwalken sind die Benoit'schen5) und Lacroix'schen allen andern vorgezogen, jedoch werden dieselben theuer bei der Anschaffung, und brauchen, vorzüglich die Lacroix'sche, einen bedeutenden Kraftaufwand zu ihrem Betriebe.

Schon vor fünf Jahren fing dieser Gegenstand an mich zu beschäftigen, und ich machte einige Versuche, wobei ich als Hauptprincip, den Walkproceß durch Walzen auszuführen, den Plan verfolgte, zwei Walzen auf ihrer Peripherie mit Zähnen oder Kämmen, ähnlich denen der Hämmer der gewöhnlichen Walkstöcke versehen, in einer 5 Zoll breiten, an beiden Enden offenen Lade, die über denselben lag und durch Federkraft an die Walzen angedrückt erhalten wurde, sich mit verschiedener |82| Geschwindigkeit drehen zu lassen, wobei das an seinen beiden Enden zusammengenähte Tuch zuerst von den Kämmen oder Zähnen der ersten Walze ergriffen, und durch die Lade hindurch der andern Walze zugeschoben wurde, von welcher es, da diese mit weniger peripherischer Geschwindigkeit als die erste umlief, sich in Falten legte, und von dieser in solcher Gestalt ergriffen, gedrückt oder so zu sagen geknetet und durchgezogen wurde. Der Widerstand, den das Tuch in der Lade der Wirkung der Walzenkämme entgegensetzte, bewirkte zugleich ein Zusammenschieben des Gewebes des Tuchs in seiner Länge, und das Zusammendrängen, welches es beim Durchgange durch die schmale Lade von beiden Seiten erfuhr, ein Zusammengehen desselben in die Breite.

Eine auf diese Weise construirte Maschine arbeitete gut, aber der durch sie hervorgebrachte Filz des Tuches wurde nicht fest und derbe genug, auch bot das Tuch in der Lade bei seinem Zusammendrängen so viel Widerstand dar, daß die Wirkung der ersten Walze oft nicht hinreichte, es in diese hinein zu ziehen und fortzuschieben, zumal das aus dem untern Gefäße in die Vorrichtung emporsteigende nasse Tuch durch seine Schwere auch dem Aufsteigen mit einem nicht unbedeutenden Gewichte widerstrebte. Ich legte darauf vor das erste Walzenpaar noch ein glattes Paar, welches ich einen starken Druck auf das Tuch ausüben ließ, und vor welchem schon das Tuch in einer Lade nach der in den andern Walzenwalken üblichen Weise stark zusammengezogen und gefaltet wurde. Durch diese Maaßregel wurde der Apparat sehr vervollkommnet. Die glatten Walzen packten zugleich das Tuch fester und schoben es sicherer dem erstem Apparate zu, durch welchen es nun ohne Schwierigkeit lief; auch wurde der Filz des Tuches durch den Druck derselben fester und kerniger, während die zwei andern gezahnten Walzen durch ihr Drücken, Zusammenschieben in die Länge, ihr Kneten und die dadurch bewirkte Erschütterung im Tuche das Zusammenfilzen der Falten des Tuches verhüteten, welches in der Lacroix'schen Walke ein öfteres Ausziehen des Tuches in die Breite, und zwar mit der Hand, nöthig macht, und dadurch den Walkproceß sehr verzögert.

Ich habe auf diese Erfindung von der preußischen Regierung ein Patent für 5 Jahre erhalten.6) Bis jetzt sind erst drei solche Walken |83| von mir angefertigt, zwei für die hiesige Tuchfabrik und zwei für den Walkermeister Hrn. Malcke in Berlin (neue Jakobsstraße Nr. 14) und zwei noch in Arbeit, die wahrscheinlich in die Malchower Spinn-, Walk- und Tuchappretiranstalt wandern werden. Später werde ich eine umständliche und genaue Beschreibung derselben in diesem Journale liefern. Das von Hrn. Malcke mir ausgefertigte Zeugniß über die vortheilhafte Wirkung meiner Walzenwalke folgt hiebei, ein anderes von dem hiesigen praktischen Dirigenten unserer Tuchfabrik in Plau später.

Attest.

Die patentirte Dr. E. Alban'sche Walzen-Walk-Maschine, auf welcher ich bereits seit einem Jahre alle nur vorkommende Walkwaare, die schwersten und feinsten Tücher sowohl, wie auch die leichtesten Flanelle, sogar Hemdflanelle, in kürzerer Zeit als auf den Lacroix'schen Maschinen zur größten Zufriedenheit der Herren |84| Fabrikanten gewalkt habe, empfehle ich hiermit ihrer sehr einfachen und vortheilhaften Construction wegen den Herren Fabrikanten und Walkmüllern.7)

Berlin, den 12. März 1850.

Th. Malcke,
Walkmüller (neue Jakobsstraße Nr. 14).

C. Ueber meine neuen vereinfachten Dampfmahlmühlen.

Im polytechn. Journal Bd. CVIII S. 81 habe ich eine Dampfmahlmühle näher beschrieben und abgebildet, wie ich sie schon in meinem Hauptwerke über Hochdruckdampfmaschinen Seite 525 zuerst angedeutet und späterhin hier in Mecklenburg wirklich ausgeführt habe. Dieselbe scheint Beifall gefunden zu haben; denn sowohl das polytechnische Centralblatt, Jahrg. 1848, S. 876, als Hr. Dr. Carl Hartmann in seinen Beiträgen zur neuesten Mühlenbaukunst, Lief. 4, S. 22 haben die an der bezeichneten Stelle dieses Journals stehende Abhandlung im Auszug oder im Ganzen aufgenommen, auch hat Hr. Hartmann S. 22 sich wirklich lobend darüber ausgesprochen.

In demselben Bande dieses Journals wurde S. 251 ein vom 29. Juli 1847 datirtes Patent von Hastie in Greenocck (Schottland) aus dem London Journal of arts, März 1848, mitgetheilt, welches auch die unmittelbare Anwendung einer Dampfmaschine auf die Mühlsteine empfiehlt, und, auf mehrere Gänge angewandt, durchaus mit meinem Principe identisch ist. Da mein Werk über Hochdruckmaschinen schon im Jahre 1843 herauskam, und 1841 und 1842 von mir geschrieben wurde, und ich die Idee zu solchen Mühlen, wie ich noch durch Zeichnungen frühester Zeit beweisen kann, schon viele Jahre, selbst schon in den Jahren 1825 und 1826, wo ich persönlich in England war, mit mir herumgetragen habe, so ist wohl keine Frage, wem die Priorität der Erfindung zugeschrieben werden muß, mir oder Hrn. Hastie. Das nun veröffentlichte Patent desselben hat vielleicht die Folge, daß meine Erfindung jetzt viel eher in Deutschland Eingang findet, als es sonst bei der leider so allgemein herrschenden Anglomanie geschehen wäre.

|85|

Als ich im letzten Augustmonate eine Fußreise durch den Harz machte, besuchte ich den Hrn. Maschinenmeister Dr. Lüders, den praktischen Dirigenten der Maschinenbauanstalt auf dem Mägdesprung, den ich als einen Mann verehre, der im bessern und höhern Sinne den Fortschritt liebt, und einen selbstständigen Schritt weiter geht, nicht bloß andere, vorzüglich englische Waare abschreibt, vielmehr alles Deutsche mit warmem Interesse auffaßt und würdigt und weiter zu verbreiten sucht. Er führte mich in den Raum, wo er seine Maschinen aufstellt, und mit einem gewissen freudigen Triumphe, den ich sogleich gewahr wurde, bemerkte er, wie er eine Mühle mit zwei Gängen nach meinem Princip dort aufstelle. Er erzählte mir nun, wie diese schon die zweite Mühle sey, die er nach meinem Plane baue, und wie die erstere bereits längere Zeit im Gange sey und ganz herrliche Resultate liefere. Sie sey in Betrieb, wie er weiter berichtete, in Egelln, einer kleinen Stadt nahe an der von Magdeburg nach Halberstadt führenden Eisenbahn, und arbeite mit vier Gängen, habe einen 12zölligen Dampfcylinder, wirke jedoch nur mit einem Dampfdrucke von 4 bis 5 Atmosphären und ungefähr mit 5/8 Füllung des Cylinders mit Dampf.

Im Sommer oder Herbste dieses Jahres werbe ich vielleicht eine Reise nach Egelln machen, um diese Dampfmühle in Thätigkeit zu sehen, und dann dankbar dessen gedenken, der mit so regem Interesse meine Pläne auffaßte und ausführte. Möge der öffentliche Dank, den ich ihm hier darbringe, ihm nicht unangenehm seyn, sondern ihm vielmehr den Beweis liefern, wie sehr ich das anerkenne, was er im Interesse der Wissenschaft für meine Sache that, um meine Bemühungen, zum Nutzen für mein deutsches Vaterland zu wirken und zu schaffen, durch seine Auctorität in ein immer günstigeres Licht zu stellen, und als praktisch und brauchbar näher zu würdigen.

Hr. Dr. Lüders hatte die Dampfmaschine für die in seiner Werkstätte aufgestellte Mühle auf das eine Ende eines sehr starken eichenen Balken niedergeschroben, an dessen niederm Ende das Lager der stehenden Welle für das die Steingetriebe der beiden Gänge in Umtrieb setzende Sternrad angebracht. Das Ganze war auf diese Weise äußerst einfach und durchaus stabil eingerichtet. Die Führung des mit der Bläuelstange verbundenen Endes der Kolbenstange des Dampfcylinders geschah an zwei Führstangen, die auf die den Cylinder tragende gußeiserne Grundplatte auf eine zweckmäßige Weise und adjustirbar niedergeschroben waren. Die Bläuelstange erschien verhältnißmäßig lang. Der Schieber mit Ueberlappung wurde durch eine Gegenkurbel, die fest mit der in einen Arm des großen Sternrades geschrobenen Warze verbunden war, befestigt, und |86| war so eingerichtet, daß ihre Warze beim Umlaufen des Rades die für die Steuerung nöthige Excentricität annahm. Von ihr führte dann eine einfache Verbindungsstange zur Steuerung. Die durch diese Mühle in Gang zu setzenden Steine sollten kaum 4 Fuß Durchmesser haben, daher verhält sich der Durchmesser der Steingetriebe zum Durchmesser des Sternrades anders als in der von mir in diesem Journale Bd. CVIII S. 81 beschriebenen Mühle. Zur Verstärkung des Schwunges des Stirnrades war ein Schwungring an dasselbe angeschroben. Er war aber nur von verhältnißmäßig geringem Gewichte. Hr. Lüders wendet größtentheils cylindrische Kessel von geringerem Durchmesser an, unter denen zwei Röhren von noch kleinerm Durchmesser liegen, die mit seinem Wasserraume in Verbindung stehen; die Flamme streicht zuerst unter dem obern cylindrischen Kessel und zieht dann an den untern Röhren entlang in den Schornstein. Das Speisewasser tritt zuerst in diese Röhren und wird vorher durch den aus der Maschine blasenden Dampf, der durch ein in der Speisepumpencisterne stehendes Rohr strömt, etwas vorgewärmt. Die Egelln'sche Maschine und der ihr beigegebene Kessel sollen die nämliche Construction haben.

Vielleicht daß Hr. Dr. Lüder's auch bald eine Maschine und einen Kessel, nach meinem neuesten Principe eingerichtet, versucht. Unter so kunstfertiger Hand erstehend, und von einem so einsichtsvollen Manne als Hrn. Dr. Lüders aufgerichtet, würden beide gewiß besonders günstige Resultate geben.

(Die Fortsetzung folgt.)

|81|

Eine Beschreibung der Benoit'schen Walzenwalke wurde aus Armengaud's Publ. industr. im polytechn. Journal, Jahrgang 1847, Bd. CV S. 252 mitgetheilt; die Walzenwalke von Lacroix wurde unlängst von Hrn. Wedding in den Verhandlungen des Vereins zur Beförd. des Gewerbfl. in Preußen, 1849, 5te Lief., beschrieben.

A. d. R.

|82|

Eine solche Zeit für die Dauer eines Patentes ist auf jeden Fall zu kurz. Wie häufig vergehen diese Jahre, ohne daß der Erfinder irgend einen Nutzen aus einer Erfindung zieht, die nach Verlauf der Patentzeit wirklich ausgezeichnete Aufnahme findet. Und wie mancher Fabrikant wartet eine so kurze Patentzeit ruhig ab, |83| bevor er die Erfindung benutzt, und zwar aus dem Grunde, dann dieselbe vielleicht bedeutend billiger zu erstehen. Wer so wie ich Gelegenheit gehabt hat, den eigentlichen engherzigen Speculationsgeist so mancher Fabrikanten aus Erfahrung kennen zu lernen und die Schwierigkeit, wichtige Erfindungen ins praktische Leben einzuführen – Schwierigkeiten, die oft gerade mit der Wichtigkeit der Erfindung wachsen – wer die Scheelsucht und die Gemeinheit mancher Kunstverwandter, die Macht des alten Schlendrians und die Scheu vieler Fabrikanten vorzüglich der reichen, ohne großes Fortstreben dennoch genug verdienenden, vor Neuerungen, wie ich, aus der Erfahrung kennt, der wird mir hierin gewiß beipflichten. Man ist immer ängstlich, daß ein Erfinder zu viel gewinne, selbst wenn er dem Staate Millionen durch seinen Erfindungsgeist zuwendete. Der Lohn des Künstlers muß, wenn man gerecht seyn will, doch immer der Wichtigkeit und des Erfolges seiner Leistungen werth seyn. So mancher gewinnt durch vortheilhaften Verkauf, oft durch einen Federstrich, ungeheure Summen, allein für sein eigenes Interesse, nicht für das Interesse des Staates, und hier knickert man, hier sieht man scheel, wenn ein Künstler einen kleinen Gewinn aus seinem sauren Schweiße von den gebrachten Opfern zieht. Einflußreiche Erfindungen werden noch immer bei uns zu wenig belohnt, sowohl durch Geld als Ehre. Wenn ein Soldat zuerst in eine gestürmte Schanze springt, so bekommt er einen Orden; ein Erfinder kann aber alles, Gesundheit, Ruhe und Zufriedenheit sein ganzes Vermögen in die Schanze schlagen, ihn läßt man unbeachtet, läßt ihn zum Theil darben, während man in den Erfolgen seiner Bemühungen schwelgt. Einem Tänzer, einem Virtuosen, einem Sänger opfert man für wenige Stunden des Amüsements große Summen, für einen Erfinder ist jede Ausgabe zu groß. Wie sehr vergißt man, daß man dabei gegen sein eigen Fleisch wüthe! – Wo sott der Erfinder bei seinen fernern Forschungen für das Gemeinwohl fröhlichen Muth und Geld hernehmen, seine geistigen und materiellen Kräfte dem allgemeinen Besten zu weihen. Wird Mancher seine Erfindung nicht ganz für sich behalten, wenn er keine Aussicht auf namhaften Vortheil hat. Die Ausbreitung einer Erfindung wird durch länger dauernde Patente nicht verzögert, vielleicht eher befördert. Das Publicum wird durch Patente aufmerksam auf die Erfindung, und durch Licenzenverkauf an Fabrikanten von Seiten des Erfinders kann ihre Anfertigung vielleicht eher befördert als gehemmt werden, auch wird dadurch bald eine wohlthätige Concurrenz entstehen.

|84|

Ich muß hier noch bemerken, daß Hr. Malcke auch mehrere Lacroix'sche Maschinen in seiner Walkanstalt in Betrieb hat, daher sein vergleichendes Urtheil von Gewicht seyn dürfte, zumal er ein sehr intelligenter und sein Fach von Grund aus verstehender Mann ist.

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