Titel: Combes, über Bleiweißfabrication hinsichtlich der Gesundheit der Arbeiter.
Autor: Pelouze, Théophile Jules
Rayer,
Combes,
Fundstelle: 1850, Band 116, Nr. XXVII. (S. 138–147)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj116/ar116027

XXVII. Bericht über die in Frankreich üblichen Methoden der Bleiweißfabrication hinsichtlich ihres Einflusses auf die Gesundheit der Arbeiter; von den HHrn. Pelouze, Rayer und Combes.

Aus den Comptes rendus, Novbr. 1849, Nr. 21.

Die Krankheiten, welchen die Arbeiter in den Bleiweißfabriken ausgesetzt sind, deßgleichen die Maler, welche die Anstreichfarben mit Bleiweißgrundlage bereiten und anwenden, haben schon längst die Aufmerksamkeit der Gesundheitsbeamten erregt. Bekanntlich machte Guyton-Morveau im Jahr 1783 den Vorschlag, statt des Bleiweißes Zinkweiß zur Bereitung der Anstreichfarben anzuwenden; die zu jener Zeit angestellten und seitdem öfters wiederholten Versuche scheiterten aber, entweder in Folge des zu hohen Preises des Zinkweißes, oder anderer, hier nicht zu erörternder Ursachen; Hr. Leclaire unternahm neuerdings die Fabrication des Zinkoxyds im Großen, sowie die Anwendung desselben zu jenem Zweck. Bei dieser Gelegenheit kamen die von dem Gesundheitsrath des Seine-Departements seit langer Zeit in den Pariser Spitälern gesammelten statistischen Documente über die von Bleikrankheiten befallenen Arbeiter ins große Publicum.

Aus denselben geht hervor, daß in zehn Jahren vom Jahr 1838 an bis zum Jahr 1847 einschließlich, von 3142 Kranken welche in die Pariser-Hospitäler aufgenommen wurden, nicht weniger als 1898 aus zwei Bleiweiß- und Mennige-Fabriken des Seine-Departements herstammten. Zwei Bleiweißfabrikanten aus der Umgegend von Lille, die HHrn. Theodor Lefebvre und Comp. und Gebrüder Poëlmann, welche mit einander jährlich 2,400,000 Kilogr. Bleiweiß erzeugen, und befürchteten, daß dieses Resultat ihren Industriezweig in Mißcredit bringen möchte, schickten der Akademie der Wissenschaften ärztliche Zeugnisse und einen Bericht des Sanitäts-Comité's des Nord-Departements ein, welche bezeugten, daß in ihren Fabriken in Folge der eingeführten verbesserten Methoden und der Sorgfalt für die Gesundheit der Arbeiter seit einem Jahre keiner derselben mehr von Bleikolik befallen wurde. Die HHrn. Lefebvre und Poëlmann haben die Akademie gebeten sich hievon durch eine Commission zu überzeugen.

Um den uns gewordenen Auftrag zu erfüllen, besuchten wir nicht nur die Fabriken der HHrn. Lefebvre und Poëlmann, sondern auch |139| die zwei Bleiweißfabriken im Seine-Departement und, mit Ausnahme einer einzigen, alle sieben in der Umgebung von Lille. Wir werden die in mehreren derselben schon eingeführten Verbesserungen mittheilen, aber auch angeben, was noch zu wünschen bleibt.

Das Bleiweiß wird in Frankreich allgemein nach der sogenannten holländischen Methode bereitet.

Nur theilweise, besonders in der Fabrik zu Clichy, ist das sogenannte französische Verfahren (Zersetzung des aufgelösten basischessigsauren Bleies durch einen Strom Kohlensäure) üblich. Dieses Verfahren erheischt eine Operation, welche schwer ganz unschädlich zu machen ist, nämlich die Darstellung des Bleioxyds oder Massikot's aus metallischem Blei im Flammofen. Ein guter Zug des Kamins reicht nicht hin, um die Arbeiter, welche mit einer Krücke beständig das sich bildende Bleioxyd von dem Metall abstreifen, um letzteres bloß zu legen, vor der Einwirkung der Bleidämpfe zu schützen. Die übrigen Operationen, bis zum Einbringen des Bleiweißes in die Trockentöpfe, sind unschädlich, weil sie auf nassem Wege geschehen. Das Trocknen und Pulvern der Bleiweißbrode ist bei allen Fabricationsmethoden dasselbe.

Die holländische Methode umfaßt folgende Operationen:

1) Schmelzen des Bleies und Gießen desselben zu mehr oder weniger dicken Platten oder zu Gittern von länglich viereckiger Form.

2) Behandlung des gegossenen Bleies in den Kästen welche man mit Pferdemist oder Lohe umgibt. Man stellt die zusammengerollten Bleiplatten in bekannter Art in Topfe, in welche Essig gegossen wurde; wenn man dieselben in den Kästen (Loogen) mit Mist umgibt, bleibt das Blei darin 35 bis 40 Tage, wenn man Lohe benutzt, 70 bis 90 Tage.

3) Absonderung des Bleiweißes von dem unangegriffenen Blei; erstes Pulvern und Absieben des Bleiweißes von den beigemengten Bleistückchen.

4) Zettheilen des Bleiweißes durch Mahlen mit Wasser.

5) Formen und Trocknen des Bleiweißteiges.

6) Pulvern und trocknes Mahlen der Bleiweißbrode; Durchbeuteln und Einpacken des Bleiweißes in Fässer.

7) Anreiben des Bleiweißes mit Oel, wenn man es als fertige Farbe in den Handel bringen will. Man nimmt 7 bis 10 Theile Bleiweiß auf 100 Th. Oel.

1. Das Schmelzen des Bleies geschieht in einem gußeisernen Kessel; dabei entwickeln sich keine Dämpfe, welche der Gesundheit besonders nachtheilig seyn könnten, außer wenn Bleireste vom früheren Einsetzen dazu verwendet werden, auf welchen sich meistens noch ein |140| Ueberzug von kohlensaurem Blei befindet. In gut eingerichteten Fabriken ist der Kessel unter einen Dampffang angebracht, welcher mit dem Kamin des Ofens oder einem andern gut ziehenden Kamin der Fabrik in Verbindung steht. Der Raum zwischen Kessel und Dampffang ist mit einem Blechmantel umgeben, welcher mit Thüren versehen ist, die man öffnet um Blei einzutragen oder herauszunehmen. Diese Vorkehrungen scheinen uns hinreichend, um die Arbeiter gegen schädliche Dämpfe zu schützen. Uebrigens wird das Schmelzen des Bleis nur nach ziemlich langen Zwischenzeiten vorgenommen.

2. Das Einsetzen der Bleiplatten oder Bleigitter in den Töpfen und dieser in die Loogen mit Mist etc. ist für die Arbeiter mit gar keiner Gefahr verbunden. In allen französischen Fabriken, mit Ausnahme einer einzigen, wird das Blei in Platten gegossen; man bringt in jeden Topf, in welchen man Essig goß, eine zusammengerollte dünne Bleiplatte, welche auf zwei einander gegenüber befindlichen Vorsprüngen über dem Boden des Gefäßes aufsteht.

In einer Fabrik des Seine-Departements wird das Blei in Form von Gittern gegossen, welche man in Töpfe schichtet, die weniger hoch sind und ebenfalls Essig enthalten.

3. Die Trennung des Bleiweißes von dem metallischen Blei, das Pulvern und Sieben sind die ungesundesten Operationen. In allen Anstalten welche wir besuchten, eine einzige ausgenommen, macht der Arbeiter zuvörderst die dem Blei schwach anhängenden dicken Bleiweißkrusten los; er nimmt die mit Bleiweiß überzogenen Platten in die Hände, macht sie durch Aufbiegen wieder gerade und biegt sie dann hin und her, wobei sich das Bleiweiß ablöst. Dieses Ablösen wird im Nord-Departement épluchage genannt. Obgleich dabei die Arbeiter beständig das Bleiweiß mit den Händen berühren, ist diese Arbeit doch nicht der ungesundeste Theil dieser Operation, weil sich das Bleiweiß in dicken Rinden ablöst, welche wenig Staub erzeugen. Weit gefährlicher ist die Absonderung des Bleiweißes welches dem Blei stellenweise noch anhängt; um dieses los zu machen, schichtete man ehedem die Bleiplatten auf einem glatten Steinboden zu einer Säule auf und bearbeitete diesen Stoß mit einem hölzernen Schlägel; das dem Blei anhaftende Bleiweiß fiel in dünnen Schuppen ab oder verbreitete sich als feiner Staub, welchen der Arbeiter einathmete. Diese Operation, welche in mehreren Anstalten heutzutage noch gebräuchlich ist, wird im Nord-Departement décapage genannt und ist höchst ungesund.

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Man bewerkstelligt sie gegenwärtig in mehreren Fabriken durch Maschinen, wobei die Gesundheit der Arbeiter weit weniger gefährdet ist. Die mit anhängendem Bleiweiß überzogenen Platten werden in einem Zuber an die Maschine gefahren. Der Arbeiter nimmt eine nach der andern und legt sie sachte auf ein endloses Tuch, welches sie auf den höchsten Punkt einer geneigten Ebene schafft, auf welcher sie dann hinabgleiten, um zwischen zwei Paar horizontal geriffelte Walzen zu gelangen; beim Austritt aus den Walzen fallen sie in ein geneigt liegendes cylindrisches Sieb, welches das noch mitgeführte Bleiweiß durch sich hindurchfallen läßt, und von da in einen in einer besondern Abtheilung der Kammer aufgestellten Wagen, in welchem sie nachher herausgefahren werden. Das von den Walzen und dem Sieb herabfallende Bleiweiß fällt durch einen Rumpf oder Trichter in einen Wagen, welcher ebenfalls in einer besonders gut verschlossenen Abtheilung der Kammer aufgestellt ist, und erst nachdem der Staub sich vollständig gesetzt hat, herausgefahren wird, worauf man seinen Inhalt mit den beim Biegen der Platten erhaltenen rindenförmigen Stücken vereinigt um ihn trocken zu zerreiben.

Dieses Zerreiben geschieht in den meisten Fabriken noch unter verticalen Mühlsteinen, und zum Sieben des Pulvers benutzt man cylindrische feine Metallsiebe, welche in geneigter Stellung in einem Kasten eingeschlossen und oben mit einem Rumpfe versehen sind, in welchen das Bleiweiß eingefüllt wird. Das vom Sieb durchgelassene Bleiweiß fällt auf den Boden des Kastens, während die Bleistücke (welche dem von den Platten abgetrennten Schieferweiß beigemengt waren) durch die Behandlung in der Mühle platt gedrückt, am unteren Ende des Siebes heraus und in eine andere Abtheilung des Kastens fallen.

In einigen Fabriken in der Umgegend von Lille geschieht das Zerreiben durch mehrere übereinander liegende Paare von horizontalen Walzen, die mit kreisförmig herunterlaufenden Furchen versehen sind. Das zerkleinerte Bleiweiß fällt von den Walzen in ein Sieb, und, durch dasselbe von den Bleistücken befreit, in einen Raum, in welchen zugleich Wasser eingespritzt wird, um dadurch den Staub sogleich niederzuschlagen. Der ganze Apparat nimmt die Höhe einer Etage ein und ist in einer Kammer eingeschlossen, welche oben vertical über den Walzen, mit einem Rumpf zum Einfüllen des Bleiweißes versehen ist. Dieser Rumpf wird immer mit Bleiweiß gefüllt erhalten, damit der Staub durch denselben nicht herausdringen kann. Die Commission |142| hält diese Einrichtung in Betreff der Gesundheitsrücksichten für eine der wichtigsten Verbesserungen.

In der erwähnten Fabrik des Seine-Departements, welche das Blei in Gitterform anwendet, wird das Ablösen des Schieferweißes durch Handarbeit (épluchage) nicht vorgenommen; sondern man läßt die mit Bleiweiß überzogenen Gitter sogleich zwischen drei Paaren geriffelter Walzen hindurchgehen, durch deren Wirkung die beiden ersten Arbeiten (épluchage und décapage) ersetzt werden. Nach dem Austritt aus den Walzen fallen die Gitter auf ein geneigt liegendes Blech, welches mit Löchern versehen ist, und durch einen Mechanismus in schüttelnde Bewegung versetzt wird, damit das darauf angesammelte Bleiweiß hindurchfällt. Am untern Ende des Blechs fallen die Gitter durch eine Oeffnung aus der Kammer, welche diesen Apparat einschließt, heraus, um von den Arbeitern aufgenommen und entweder durch Schlagen mit einem hölzernen Hammer wieder gerade gerichtet, oder, wenn sie zu sehr zerfressen sind, eingeschmolzen zu werden – eine Arbeit, welche auch durch den sich dabei verbreitenden Staub sehr ungesund ist. Das Bleiweiß, welches von den Walzen und durch das Sieb herabfällt, wird von einem endlosen Tuch aufgenommen, und durch dasselbe drei anderen in derselben Kammer befindlichen Walzenpaaren zugeführt, zwischen denen es zerrieben wird. Von den Zerreibungswalzen fällt es in einen Behälter, aus welchem es in Kübel oder platt gedrückte Eimer, die an einem innerhalb eines geneigt ansteigenden hölzernen Canals sich bewegenden endlosen Riemen befestigt sind (so daß die Vorrichtung nach Art eines Schöpfrades wirkt), aufgenommen und durch dieselben in den oberen Theil einer zweiten Kammer geführt wird. Hier fällt es in ein cylindrisches Sieb, welches die Bleistücke zurückhält und seitwärts in einen Kasten fallen läßt, während das Bleiweiß sich auf der ebenen und glatten Sohle der Kammer ansammelt, von wo es erst nach einiger Zeit, wenn der Staub sich vollkommen gesenkt hat, weggenommen wird.

Im Allgemeinen sind die Operationen, welche die Absonderung des Bleiweißes von dem metallischen Blei bezwecken, in der neueren Zeit wesentlich verbessert worden, namentlich durch die allgemeinere Einführung mechanischer in geschlossenen Räumen aufgestellter Vorrichtungen; dessenungeachtet kann man sie aber keineswegs als unschädlich bezeichnen, weil immer noch Arbeiten vorkommen, bei denen die Arbeiter dem Bleiweißstaub ausgesetzt sind, und derselbe überdieß durch die Oeffnungen für dem Ein- und Austritt des Materials, sowie durch diejenigen, welche die zur Uebertragung der Bewegung dienenden |143| Wellen etc. in die Kammer treten lassen, auch mehr oder weniger aus der Kammer heraustritt. Die schädlichen Wirkungen würden hingegen ganz verschwinden, wenn die sämmtlichen Operationen unter Wasser ausgeführt würden, oder wenn man wenigstens, wie es nach der Angabe von Le Play in den englischen Fabriken geschieht, das Bleiweiß nach dem Austritt aus den Zerkleinerungscylindern auf dem Siebe mit einem durch eine Brause zertheilten Wasserstrahl zusammentreten ließe, da gerade beim Sieben des trockenen Bleiweißes eine starke Staubbildung eintritt. Dieß wäre um so leichter ausführbar, weil das Bleiweiß für die nachfolgenden Operationen ohnehin mit Wasser angerührt wird und bei diesem Verfahren zugleich gewaschen, also von den in ihm enthaltenen löslichen Salzen (essigsaurem Blei) wenigstens zum Theil befreit würde.

4. Das Bleiweiß wird mit Wasser in Kufen zu einem weichen Teig angerührt, und dieser dann in horizontalen Mühlen gemahlen, indem man ihn nacheinander in verschiedene Gänge bringt. Diese Operation ist ganz unschädlich; der Teig wird von den Arbeitern mit großen Löffeln in den Mühlrumpf geschöpft und ihre Hände kommen mit ihm nicht in Berührung.

5. Einfüllen des Bleiweißteiges in Formen und Trocknen desselben. – In allen Fabriken, mit Ausnahme einer einzigen, wird der weiche Bleiweißteig in kegelförmige irdene Töpfe gefüllt, welche man zunächst ohne Erwärmung an der Luft trocknen läßt, wobei der größte Theil des Wassers verdunstet; die Brode werden dabei fest und schrumpfen ein, wodurch sie sich von den Wänden so ablösen, daß sie leicht aus den Töpfen genommen werden können. Man beendigt ihr Austrocknen in einer Trockenkammer, in welcher ein heißer Luftstrom circulirt.

An die Wände dieser Töpfe legt sich eine Bleiweißkruste an, welche gewöhnlich mit einem eisernen Instrument trocken abgekratzt wird; diese Arbeit, welche von Kindern oder Weibern verrichtet wird, ist entschieden nachtheilig; in einigen Fabriken versuchte man daher die Töpfe mit Wasser zu vereinigen, was aber zu kostspielig und umständlich ist. Ein Theil des Bleiweißes wird nach dem Austrocknen in der geheizten Trockenkammer in Form von Broden in den Handel geliefert; solche werden in Papier gewickelt und vorsichtig in Fässer gepackt, damit sie wenigstmöglich zerbröckeln. Das Manipuliren mit den Bleiweißbroden kann nicht als vollkommen unschädlich betrachtet werden, obwohl bei gehöriger Vorsicht keine Gefahr dabei ist.

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In einer Fabrik des Seine-Departements wird das Bleiweiß nicht in Töpfe gefüllt, sondern man gießt den weichen Teig, wie man ihn aus den Kufen schöpft, in ein Leinentuch, in welches man ihn so einschlägt, daß er ein flaches, viereckiges Packet bildet; mehrere solche Packete, durch hölzerne Platten getrennt, werden in die hydraulische Presse gebracht, und das Wasser zum größten Theil ausgepreßt. Hierauf werden die Packete wieder auseinandergeschlagen und der Bleiweißkuchen mittelst eines Messers in Prismen oder ziegelförmige Stücke geschnitten, die man dann in die Trockenstube bringt. Ein kleiner Theil der Producte dieser Fabrik wird in solchen Stücken verkauft; man wendet aber beim Einpacken derselben in Fässer keine Sorgfallt darauf, ihre Form zu erhalten (wie bei den kegelförmigen Broden), weil die Consumenten derselben so einsichtsvoll sind, zu wissen, daß die äußere Form kein Zeichen der guten oder schlechten Qualität des Bleiweißes ist. Die in das Faß geworfenen Stücke werden gewöhnlich mittelst eines durch eine hydraulische Presse hineingetriebenen Stempels zusammengepreßt.

6. Der größte Theil der Bleiweißbrode muß zum Verkauf noch einmal zerrieben und gebeutelt werden. Dieses zweite Mahlen geschieht jetzt in den meisten Fabriken unter verticalen Mühlsteinen auf einem Bodenstein derselben Art. Das gemahlene Bleiweiß wird mit einer Schaufel in den Trichter eines cylindrischen seidenen Beutelsacks geschüttet, welcher in einem Kasten eingeschlossen ist, auf dessen Boden sich das Bleiweiß als sehr feines Pulver absetzt. Das nicht durch das Sieb gebeutelte fällt in einen Behälter, aus welchem man es herausnimmt um es wieder auf die Mühle zu bringen. Das Bleiweißpulver, welches, nachdem der Staub sich gelegt hatte, aus dem Kasten genommen wurde, kömmt in Fässer, worin man es entweder mittelst eines Stampfers oder durch Rütteln der Fässer verdichtet.

Das trockene Mahlen, Beuteln und Verpacken des gepulverten Bleiweißes nach diesem Verfahren sind offenbar, wegen des in den Werkstätten sich verbreitenden Staubes, sehr ungesunde Operationen. Man kann die Nachtheile jedoch um vieles dadurch verringern, daß man die Mühlen in demselben Verschlag einschließt wie den Beutelsack, der dann das Bleiweiß unmittelbar aus der Mühle aufnimmt. Es geschah dieß in einer Fabrik in der Umgebung von Lille, deren Eigenthümer die verticalen Mahlsteine durch horizontale Steine von weißem Marmor ersetzte. Jedes Paar der Mahlsteine ist mit einem Mantel umgeben, dessen obere Fläche einen Rumpf trägt, in welchen die Bleiweißbrode gestellt und zunächst mittelst eines gerieften, innerhalb des |145| Rumpfes angebrachten und sich um seine Achse drehenden Kegels vorher grob zerkleinert werden. Die Stücke fallen von da in einen zweiten Rumpf, welcher mit dem Läufer verbunden ist. Das zwischen den Steinen zerriebene Bleiweiß wird wie bei den gewöhnlichen Mahlmühlen zwei Beutelzeugen zugeführt, welche einander gegenüberliegend mit jedem Mahlgang in Verbindung stehen. Um das Stauben beim Einpacken in die Fässer zu vermeiden, wird das vorsichtig hineingefüllte Bleiweißpulver mittelst einer Schraubenpresse zusammengedrückt, die eine kreisförmige Platte von etwas kleinerem Durchmesser als das Fäßchen hineinpreßt.

7. Die Fabriken in der Umgegend von Lille versenden von ihrem Product etwa 2/3 in Pulver und 1/3 in Broden. Ein Fabrikant im Seine-Departement hat dagegen eine vollständige Werkstätte zum Anreiben des Bleiweißes mit Oel eingerichtet und verkauft beinahe 7/8 seines Products in Form eines Teiges, welcher 7 bis 9 Procent Oel enthält. Bei ihm werden die prismatischen Bleiweißstücke nach dem Trocknen zunächst in einer Mühle von der Einrichtung der Kaffeemühlen gemahlen, welche über einer verschlossenen Kammer aufgestellt ist, in die das Bleiweiß noch ziemlich grob hinabfällt. Wenn sich der Staub gelegt hat, wird das Pulver sachte in einen horizontal liegenden eisernen Cylinder geschüttet und ihm eine kleine Menge Oel zugefügt. Der Cylinder wird hierauf geschlossen und die Vermischung durch eiserne Schaufeln bewerkstelligt, welche an einer in der Richtung der Achse des Cylinders sich drehenden Welle befestigt sind. Von da gelangt die Mischung nöthigenfalls mit einem neuen Zusatz von Oel, nach einander zwischen zwei auf einander folgende Systeme von gußeisernen Reibewalzen, welche sie in einen ganz feinen, gleichförmigen Teig verwandeln; dieser Teig wird in einem Behälter gesammelt und für die Versendung in Fässer gefüllt.

Man kann also, wenn das Bleiweiß mittelst zweckmäßiger Vorrichtungen, wie wir sie hier sahen, mit Oel angerieben werden soll, sich seines trocknen Mahlens zu einem äußerst feinen und gebeutelten Pulver entschlagen, so daß eine der ungesundesten Operationen beinahe ganz wegbleibt, und eine andere vollkommen gefahrlose an ihre Stelle tritt. Es wäre daher sehr zu wünschen, daß alles Bleiweiß, welches zum Anreiben mit Oel bestimmt ist (und dieß ist wohl bei dem größten Theil des in den Handel kommenden der Fall), gleich in den Fabriken mit Oel verrieben und nur in diesem Zustande verkauft würde, wodurch die Möglichkeit schädlicher Wirkungen des Bleiweißes durch Verstäuben beim Verkauf oder der Verarbeitung beseitigt würde.

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Nach dem, was einer von uns in einer Bleiweißfabrik in Birmingham sah, und nach den Aufschlüssen, die wir von Hrn. Le Play erhielten, scheinen die englischen Fabriken den größten Theil ihrer Producte in Form eines solchen Teiges zu verkaufen, welcher 8–9 Procent Oel enthält.13) Dasselbe sollte auch in Frankreich geschehen.

In den meisten Bleiweißfabriken sind hinsichtlich der Gesundheit der Arbeiter besondere Maßregeln getroffen. So müssen sie, wenn sie von der Arbeit gehen, sich Hände, Arme und Gesicht waschen; am Ausgange der Fabriken angebrachte Hähne liefern ihnen das dazu erforderliche Wasser; in der Nähe dieser Hähne befinden sich Seife, Thon, manchmal auch Zuber welche eine verdünnte Auflösung von Schwefelkalium (Schwefelleber) enthalten. In einer Fabrik zu Paris ist in einem besondern Local eine Badewanne zu Schwefelbädern für die Arbeiter angebracht. Zu den ungesunden Arbeiten werden die Arbeiter nur abwechselnd, nach der Reihe und selten mehrere Tage nach einander verwendet. In einigen Fabriken hat man ein besonderes Local, wo die Arbeiter, wenn sie die Fabrik verlassen, ihr Arbeitshemd (die Blouse) ablegen. Beinahe überall haben sie die erste ärztliche Behandlung der Bleikrankheit frei.

Die Arbeitslocale sind in der Regel geräumig und gut gelüftet, namentlich diejenigen wo das Bleiweiß trocken zerrieben und gesiebt wird; dennoch sind die Wände dieser Räume und die Wellbäume, selbst in jenen Fabriken, wo sich die Mahlapparate in geschlossenen Kammern befinden, mit Bleiweißstaub bedeckt, ein Beweis, daß das Pulverisiren nicht ganz unschädlich gemacht ist.

Unsere Beobachtungen und gesammelten Aufschlüsse berechtigen uns zu der Behauptung, daß der allgemeine Zustand der Bleiweißfabriken nicht so gefahrbringend ist, als man nach den seit 10 Jahren in den Hospitälern zu Paris zusammengestellten Notizen glauben möchte. Uebrigens bestehen in dieser Hinsicht sehr große Unterschiede zwischen den verschiedenen Fabriken welche wir besuchten. Es ist darunter keine, in welcher die alten Verfahrungsweisen nicht auf irgend eine Weise verbessert worden wären; in einigen, namentlich bei den HHrn. Lefebvre und Comp. zu Moulins-lez-Lille, und Hrn. Besançon zu |147| Ivry bei Paris, sind diese Verbesserungen sehr erheblich; doch bleibt auch in diesen noch einiges zu wünschen übrig. So sind die Operationen welche die Trennung des Schieferweißes von den Bleiplatten bezwecken, sowie das trockne Zerreiben des Bleiweißes behufs seiner Absonderung von den Bleistücken, noch nicht vollkommen gefahrlos gemacht; sie könnten durch das erwähnte in England übliche Verfahren ersetzt werden.

Das Einfüllen des Bleiweißteiges in Töpfe, welche Operation, ohne gerade ungesund zu seyn, doch nicht ohne Uebelstände ist und unnütze Kosten verursacht, wird wegfallen, wenn einmal die Käufer der Kegelform nicht mehr einen Werth beilegen, den sie nicht hat. Wenn der Handel darauf eingeht, alles Bleiweiß, welches zum Anreiben mit Oel bestimmt ist, in Teigform zu kaufen, kann das Feinmahlen und Beuteln des Bleiweißes nach dem Trocknen ganz wegfallen.

Die Räume, in denen das Bleiweiß im trocknen Zustande zerrieben, gesiebt oder gebeutelt wird, müßten von den übrigen Fabriklocalen ganz abgesondert sey. Um den Austritt des Staubes aus diesen Räumen zu verhindern, könnte durch die Oeffnungen für den Aus- und Eintritt der Materialien ein Luftstrom in die Kammer geleitet werden, und die Oeffnungen für die Transmissionswellen könnte man zu demselben Zweck auf geeignete Weise dicht verschließen.

Um diese Maßregeln zu vervollständigen, sollte überdieß eine lebhafte Ventilation der Arbeitsräume hergestellt werden.

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Man verkauft in England, wenigstens in einigen Fabriken, drei Sorten Bleiweißteig, die sich durch Zeichen unterscheiden; die 1ste Sorte ist reines Bleiweiß mit 8–9 Procent Oel; in den beiden andern enthält der Teig außer dem Bleiweiß noch Schwerspath zu 15–25 Procent.

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