Titel: Parker's Wasserrad.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1850, Band 116, Nr. XXXII. (S. 176–178)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj116/ar116032

XXXII. Parker's Wasserrad.

Aus dem Civil Engineer and Architect's Journal, Febr. 1850, S. 68.

Mit Abbildungen auf Tab. III.

Diese wichtige Erfindung ist nun vielfältig in den Vereinigten Staaten Nordamerika's im Gebrauch. Durch die sorgfältigsten wissenschaftlichen Untersuchungen und Beobachtungen ergab sich, daß das neue Wasserrad in den vielen Fällen wo es statt ober-, rücken-, oder mittelschlägiger Räder angewandt wurde, wirksamer sey, und das vorhandene Wasser besser verwende, als dieß bei Rädern der Fall ist, in welchen die Schwere des Wassers wirkt, während die Einfachheit des neuen Rades, seine Eigenschaft durch Eis oder Hinterwasser nicht gehemmt zu seyn, die leichte Zugänglichkeit desselben, der kleine Raum den es einnimmt, seine Dauerhaftigkeit und Wohlfeilheit, besonders bei großen Kräften wichtige Vorzüge sind, welche kein anderer Motor in demselben Grade besitzt.

Die Abbildungen stellen eines dieser Wasserräder dar, welches neuerlich in der Agawam Canal Company's Baumwollspinnerei ausgeführt wurde. Fig. 31 ist ein verticaler Durchschnitt durch die Achse des Rades; Fig. 32 ein verticaler Durchschnitt in der Richtung der Achse durch den Wasserbehälter, die Zugröhren und den helicoïdischen Einlauf. Die Größe der einzelnen Theile ist an dem beigegebenen Maaßstabe abzunehmen. Das Gefäll des das Rad treibenden Wassers beträgt 31 Fuß. Die vorhandene Totalkraft ist bei einem Wasserquantum von 6396 Kubikfuß in der Stunde16) auf 250 Pferde geschätzt. Der neue Motor besteht aus einem Paar Reactionsrädern w von abgeänderter und verbesserter Form, welche auf einer horizontalen Achse |177| befestigt sind, und einen doppelten helicoïdischen Einlauf o haben, der das Wasser in die Räder führt, und zwar mit einer leichten Kreisbewegung in der Richtung, in welcher sich das Rad dreht. Das Rad mit seinem Einlauf ist in den Wasserbehälter gelegt und ganz von Wasser umgeben. Nur die Radachse tritt auf beiden Seiten aus dem Wasserbehälter hervor. Dieselbe liegt zwanzig Fuß über dem Unterwasserspiegel. Das Wasser gelangt von den Rädern aus in zwei luftdichte Kammern C, welche Zugbüchsen (draft boxes) genannt werden, und von diesen aus fließt es ab durch zwei luftdichte eiserne Röhren D, welche Zugröhren (draft tubes) genannt werden, und bis unter den Unterwasserspiegel hinabreichen. Da die Luft vollständig von den Zugkammern und Röhren abgehalten ist, und der Querschnitt der letzteren vielmal größer ist als die Gesammtöffnungen des Rades, ferner der Luftdruck auf den Unterwasserspiegel seine Wirkung auf das in den Röhren enthaltene Wasser ausübt, so fließt dasselbe langsam ab. Die unter dem Rade hängende Wassersäule ertheilt dem Wasser bei seinem Durchgange durch den Einlauf und das Rad die nämliche Geschwindigkeit, welche es erhalten würde, wenn die Gesammtwassersäule über dem Rade stände. (Dieß ist auch das Princip der doppeltwirkenden Journal'schen Turbine.) Das Rad hat vierzig Zoll Durchmesser, und macht während es arbeitet 220 Umdrehungen in der Minute. Die Kraft wird der Hauptwelle der Spinnerei durch Riemen mitgetheilt, welche über die Trommeln oder Scheiben p gehen, die auf den Enden der Radachse befestigt sind. Diese Trommeln haben 6 Fuß Durchmesser und die Scheiben auf der Hauptwelle 10 Fuß. Die Riemen bewegen sich also mit einer Geschwindigkeit von 4148 Fuß in der Minute, oder etwas mehr als 47 engl. Meilen in der Stunde, und ertheilen der Hauptwelle 132 Umdrehungen in einer Minute. Ist die Schütze, durch welche das Wasser abgesperrt werden kann, etwas mehr als halb gehoben, so treibt das Rad 7000 Drosselspindeln mit voller Geschwindigkeit, und ungefähr die eine Hälfte der Transmission, welche durch Bewegung von 16,000 Spindeln bestimmt ist; die andere Hälfte der Transmission hat den Zweck, eine Anzahl von Drehbänken, Kreissägen etc. zu treiben.

Das Wasserquantum welches erforderlich ist, um die erwähnte Wirkung hervorzubringen, beläuft sich auf 4500 Kubikf. in der Stunde. Vergleicht man dieses Resultat mit dem, was früher mit gewöhnlichen Rädern bei Spinnereien erreicht wurde, so kann man mit Sicherheit voraussagen, daß man mit der ganzen vorhandenen Kraft wohl 13,000 |178| Spindeln (es sind wohl Drosselspindeln gemeint) wird treiben können. In wenigen Monaten hofft die Agawam Canal Company so viele Maschinen anhängen zu können, daß die ganze Wasserkraft absorbirt wird. Die Kosten des Rades mit allem Zubehör beliefen sich auf ungefähr 5000 Dollars. Dasselbe wurde statt eines rückenschlägigen Rades, welches 32 Fuß Durchmesser und 17 Fuß Breite hatte, und durch das nämliche Wasser getrieben wurde, erbaut. Dieses frühere Rad war ganz von Eisen, und nur das Schaufelwerk von Holz; es erforderte 4800 Kubikfuß Wasser per Stunde; die größte Kraft welche es lieferte, war nur zum Treiben von 5000 Spindeln hinreichend, und als 6000 Spindeln angehängt wurden, konnte die gehörige Geschwindigkeit nicht mehr erreicht werden.

Ein großer Vorzug des Parker'schen Rades ist noch der, daß man ohne viel Räderwerk sogleich die nöthige Geschwindigkeit erhält, wodurch nicht bloß viel Oel erspart wird, sondern sich auch die Reparaturen bedeutend verringern.

In unserer Quelle sind noch die Namen von neun Fabrikanten aufgeführt, welche Räder nach Parker's System von 15–250 Pferdekraft seit 2 bis 5 Jahren im Gange haben; so viel bekannt ist, haben dieselben in dieser Zeit weder Reparaturkosten verursacht, noch waren sie jemals in Unordnung.

|176|

Im Original steht hinsichtlich des Wasserquantums hier und im Folgenden in der Minute.“

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