Titel: Godefroy's Maschine zum Appretiren und zum Beizen der Wollentuche.
Autor: Godefroy, Peter
Fundstelle: 1850, Band 116, Nr. XXXVII. (S. 188–193)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj116/ar116037

XXXVII. Maschine zum Appretiren und zum Beizen der Wollentuche, welche sich Peter Godefroy zu London, am 16. Jan. 1849 patentiren ließ.

Aus dem Repertory of Patent-Inventions, Februar 1850, S. 75.

Mit Abbildungen auf Tab. III.

Meine Erfindung betrifft ein Verfahren, den Tüchern Preßglanz zu ertheilen, ferner eine Methode, den Farbstoff, womit der Zeug imprägnirt wurde, mittelst eines dampfförmigen Beizmittels zu fixiren.

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Bei der gewöhnlichen Appretirmethode wird die Appretur in einer Presse mit gleichzeitiger Anwendung von Wärme hervorgebracht. Diese Behandlung macht das Tuch nicht nur hart und ungeschmeidig, sondern bei der nothwendigen Zwischenlage von Preßspänen etc. veranlassen die in dem Fabricat enthaltenen Substanzen Entfärbungen und Flecken auf dem Tuch.

Fig. 33 stellt den Appretirapparat in der Seitenansicht, Fig. 34 im Grundrisse dar. A, A ist das Hauptgestell, welches die Einrichtung hat, daß das zu bearbeitende Fabricat von einer Walze an dem einen Ende in die Maschine geleitet, und am andern Ende der Maschine wieder von einer Walze aufgenommen wird. B, B ist die Zuführwalze, C, C die Aufnehmwalze. An dem oberen Theil des Gestells A, A ist eine Reihe von Metallröhren D, D in Lagern a, a, a angeordnet. Diese Röhren müssen an der Oberfläche glatt seyn, und wenn die Beize sauer ist, oder aus einer Säure besteht, so müssen sie aus einem Metall angefertigt oder mit einem Metall überzogen seyn, welches von der Säure nicht angegriffen wird. Sämmtliche Röhren D, D sind durch E, E verbunden, so daß, wenn man Dampf oder heißes Wasser durch die Röhre F einströmen läßt, dasselbe durch die ganze Anordnung circulirt und die Röhre D, D bis zur geeigneten Temperatur erwärmt.

Die Einströmung des Dampfs oder heißen Wassers wird durch den an der Röhre F befindlichen Hahn regulirt, um die Temperatur auf dem gehörigen Grad zu erhalten. Die letzte Röhre D des Systems ist mit einer kleinen Röhre c versehen, durch welche bei Anwendung des Dampfs das Condensationswasser abfließen kann, und der Dampfhahn an dieser Röhre ist so eingerichtet, daß er eben nur die Entweichung des Wassers gestattet. Die Speisewalzen B, B, deren eine gewisse Anzahl vorhanden ist, sind so in die Lager d, d eingepaßt, daß sie leicht entfernt werden können. Das zu bearbeitende Fabricat wird zuerst aufgewickelt, indem es an das Ende eines die Walze umhüllenden Umschlages H, H befestigt wird.

Die Enden der hohlen metallenen Aufnehmwalze C, C werden zwischen den Scheiben I, K centrirt; diese befinden sich an Achsen L, L, deren äußere Enden in besondern Trägern M, M gelagert sind, wodurch die gerade Richtung beider Achsen L, L gesichert ist. Die Scheiben I, K sind mit einer Anzahl Löchern e, e zur Aufnahme einer entsprechenden Anzahl an den Cylinderenden C, C befestigter Stifte f, f versehen. Diese Stifte und Löcher werden so in einander gefügt, daß sie den Cylinder in einer zu den Achsen L, L centralen Lage erhalten. Die Achsen L, L lassen sich in ihren Lagern der Länge nach verschieben. Durch diese |190| Bewegung kann die Scheibe zum Behuf der Abnahme oder Einfügung der Cylinder zur Seite geschoben werden.

Wenn ein Cylinder C, C in die Maschine eingesetzt werden soll, so bringt man die Scheiben in die geeignete Lage, worin sie durch adjustirbare mittelst Bindeschrauben an ihre Achse befestigte Hälse gehalten werden. Der Cylinder wird durch die Scheibe K in Bewegung gesetzt. Diese ist mit Zähnen versehen, welche in das an der Treibwelle O sitzende Getriebe N greifen. Die Treibwelle, welche ihre Bewegung von einer Dampfmaschine oder andern Triebkraft herleitet, ist mit den nöthigen Ein- und Ausrückvorrichtungen versehen. P, P ist eine kupferne Dampfvertheilungsröhre, deren obere Fläche siebartig durchlöchert ist. Diese Röhre liegt horizontal unter dem Tuch G, G in Trägern i, i, die sich in Schlitzen im Seitengestell A, A bewegen und mittelst Stellschrauben k, k in der gehörigen Höhe adjustirt und befestigt werden. In den Canal oder den Vertheiler P, P strömt Hochdruckdampf durch die Röhre Q, welche der nöthigen Adjustirung wegen mit einem verschiebbaren Theil i versehen ist; eine Stopfbüchse m erhält die Verbindung dampfdicht. Die Einmündung der Röhre Q in den Canal P sollte so angeordnet seyn, daß sie den Dampf so gleichmäßig wie möglich vertheilt, und daß dieser überall in gleichem Maaße entweicht. Deßhalb kann man die Anzahl oder Größe der Löcher an denjenigen Stellen, wo das Bestreben des Dampfs zu entweichen am geringsten ist, vermehren. Die Dampfröhre Q ist mit einer kleinen Verlängerung versehen, durchweiche das durch Condensation erzeugte oder das vom Dampfkessel übergeführte Wasser entfernt werden kann. R, R ist ein anderer Dampfvertheiler, dessen Höhe mit Hülfe der Träger n, n und der Stellschraube o, o regulirt werden kann. Die Löcher dieses Vertheilers sind minder zahlreich und kleiner als diejenigen des obigen Vertheilers; sie haben den Zweck, die Beize dem Zeug mitzutheilen. Die Röhre S verbindet den Vertheiler R mit einem starken metallenen Behälter T, in welchem die Beize in Dampfform verwandelt wird. Dieser Behälter ist in Fig. 35 abgesondert im Verticaldurchschnitt, Fig. 36 im Grundriß mit Hinweglassung des Deckels, und Fig. 37 in der unteren Ansicht mit Hinweglassung des Bodens dargestellt. Der Behälter T ist zur Aufnahme von Hochdruckdampf eingerichtet, welcher durch die Röhre U einströmt. Er ist mit einem Material, das von Säuren nicht angegriffen wird, überzogen; letzteres gilt auch von den Röhren, durch welche die dampfförmige Beize strömt.

Wenn ich z.B. ein Wollentuch für Scharlachroth beizen will, so bereite ich die Beize mit 2 1/2 Loth granulirtem Zinn, |191| welches ich in einer mit 15 Pfund Wasser verdünnten Mischung von 3/4 Pfund Salzsäure und 1/4 Pfund Schwefelsäure auflöse. Diese Mischung kommt in ein Gefäß T, so daß sie dasselbe nicht weiter als bis zu ungefähr 1/4 oder 1/5 ihres Rauminhaltes ausfüllt, wobei dafür zu sorgen ist, daß sich stets eine hinreichende Menge Flüssigkeit in T befindet, um die Oeffnungen zu bedecken, durch die der Dampf in dieses Gefäß tritt.

Diese Oeffnungen befinden sich an der unteren Seite der Röhren q, q und sind so angeordnet, daß sie den Dampf gleichmäßig über den Querschnitt des Behälters T verbreiten. Durch die Kraft, womit der Dampf aus den Röhren q, q eintritt und durch seine abwärts gehende Richtung, wird ein fortwährendes Aufwallen in der Flüssigkeit erzeugt, so daß die entweichenden Dämpfe mit dem Beizmittel geschwängert bleiben. Die Dämpfe sammeln sich in einem sogenannten Separator, welcher bloß in einer Röhre besteht, die an ihrer oberen Seite siebartig durchlöchert ist, um den Dampf an der Oberfläche zu vertheilen und die Ueberführung der Flüssigkeit mit dem Dampf durch die Röhre S nach dem Vertheiler R zu verhüten.

Dem Dampf gebe ich eine Temperatur von 88 bis 97° Reaumur, und um dieselbe in dem Behälter T zu erhalten, erwärme ich ihn von außen mittelst Gasflammen oder auf sonstige Weise. V, V ist eine Walze um die Annäherung des Fabricates G, G an die Dampfvertheiler P und R zu reguliren. Diese Walze wird mit Hülfe der auf die Träger s, s wirkenden Stellschrauben r, r adjustirt. W, W ist eine Fläche aus Plüsch, welche dazu dient, die Oberfläche des Tuchs zu glätten. Diese glättende Fläche kann in gewissen Fällen durch eine Bürste ersetzt werden, um die der Oberfläche des Fabricates anhängenden fremdartigen Theilchen zu entfernen; auch kann man glättende Oberflächen in verschiedenen Abstufungen gleichzeitig anwenden, wovon die Bürste als die rauheste die erste bildet.

Die Wirkungsweise ist nun folgende. Das zu behandelnde Tuch wird auf die Speisungswalze gewickelt und in die Lager d, d gebracht; ein mit dem einen Ende an den Cylinder C, C befestigter Umschlag X wird in der Richtung, welche das Fabricat zu nehmen hat, rückwärts durch die Maschine geführt. Der mit diesem Umschlag verbundene und auf die Walze B gewickelte Zeug nimmt nun, wenn die Maschine in Gang kommt, seinen Weg mit abwärts gekehrter Vorderseite durch die Maschine. Um das Tuch in gehöriger Spannung zu erhalten, ertheile ich mittelst der Hebel Y der Zuführwalze B, B Friction. Diese Walze |192| ist von Holz und nur an ihren Enden mit metallenen Hälsen versehen, auf welche die Frictionshebel wirken. Soll der Zeug seine Vollendung ohne Anwendung des Beizmittels zum Färben erhalten, so wird der Dampf nur durch den Vertheiler P, P geleitet, und das darüber weggehende Tuch bis zu einem gewissen Grad gleichförmig den Dämpfen ausgesetzt. Das Tuch bewegt sich sodann unter der Walze V über die glättende Fläche W hinweg und nimmt von da seinen Weg abwechselnd über und unter die geheizten Röhren D, D, welche die Tuchfläche noch weiter glätten und zurecht legen, und wickelt sich endlich auf die Walze C. Da das Tuch während dieser Operation an den Sahlleisten ein größeres Streben sich zu spannen äußert als in der Mitte, so lasse ich es unter einer Walze Z von ungleicher Dicke wegziehen. Diese Walze bringt das Tuch auf seinem Weg nach der Walze C aus seiner geraden Richtung und ertheilt ihm in Folge ihres zunehmenden Durchmessers eine gleichmäßige Spannung.

Während sich das Tuch auf der Walze C aufwickelt, setze ich es noch dem Druck einer Walze C', C' aus. Diese Walze ist in einem Rahmen D', D' gelagert, welcher um eine der Spannschienen bei E' oscillirt, die das Gestell verbinden, während der lange Arm des Hebels F hinreichend belastet ist, um den erforderlichen Druck zu gewähren. Auf diese Weise wird jede einzelne Tuchlage in feuchtem Zustande dem Druck ausgesetzt, wobei sie die während des Processes ihr mitgetheilte Appretur beibehält. Um das Ende des auf die Walze C, C gewickelten Tuchs vollständig einzuhüllen, lasse ich den Umschlag H, H auf diese Walze sich aufwickeln.

Auf diese Weise können Wollentücher, Seidenzeuge und andere Stoffe behandelt werden. Die Preßwalze C', C' besteht aus Holz und ist mit Wolle überzogen, wodurch der Zweck erreicht wird, ohne dem Tuch den Grad der Härte zu ertheilen, welcher durch die Pressung zwischen harten und unnachgiebigen Flächen hervorgebracht wird.

Wenn die Walze C, C mit Tuch gefüllt ist, so wird sie abgenommen und in eine auf 97° Reaumur erwärmte Kammer gebracht. Außerdem verbinde ich die Walzen, wovon in Fig. 39 zwei dargestellt sind, mit den Heizröhren der Kammer, und lasse Dampf in sie einströmen. Die Walzen ruhen in verticaler Lage auf Trägern a', a' und sind durch Seitenröhren b', b' mit den Heizröhren d', d' der Kammer verbunden; jede Walze ist so eingerichtet, daß diese Verbindung leicht ins Werk gesetzt werden kann. In dem oberen Ende der Walze befindet sich ferner eine mit einem kleinen Hahn c' versehene Oeffnung, durch welche die |193| in der Walze enthaltene kalte Luft entweichen und dem von unten einströmenden Dampf Platz machen kann. In dieser Kammer bleiben die Walzen mit dem Tuch, bis dieses vollkommen trocken ist, worauf es von den Walzen abgenommen und auf die gewöhnliche Weise verpackt wird.

Für die zweite Abtheilung meiner Erfindung, nämlich das Imprägniren des Zeugs mit dampfförmigem Beizmittel, ist die Thätigkeit der Maschine genau dieselbe wie die beschriebene. Während der Operation läßt man gleichfalls Dampf durch den Behälter T strömen, und leitet die in letzterem entwickelten Dämpfe durch den Vertheiler R. Diese Dämpfe ziehen durch das Tuch, welches in Folge seiner Bewegung über den Dampfvertheiler P bereits durch und durch angefeuchtet ist; war der Zeug zuvor mit einem Farbstoff imprägnirt, so wird derselbe durch das dampfförmige Beizmittel fixirt.

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