Titel: Morin, über das Zusammendrücken des Heues mittelst der hydraulischen Presse.
Autor: Morin,
Fundstelle: 1850, Band 116, Nr. LXIII. (S. 316–322)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj116/ar116063

LXIII. Ueber das Zusammendrücken des Heues mittelst der hydraulischen Presse; von Morin, Obrist der Artillerie und Mitglied der französischen Akademie der Wissenschaften.

Aus dem Moniteur industriel, 1850, Nr. 1424 und 1426.

In einer frühern Abhandlung43) machte ich auf die Vortheile aufmerksam, welche das Zusammendrücken des Futters mittelst der hydraulischen Presse behufs seiner Versendung, sowie zur Verproviantirung der Armeen gewährt. Die Aufschlüsse, welche ich damals erholt hatte, bezogen sich nur auf die Pressen welche man zu jener Zeit anwandte; die Vergleichung der erhaltenen Resultate mit den Leistungen der neuen Pressen, welche die Kriegsverwaltung in Algerien eben eingeführt hatte, konnte sich damals nur auf die ersten Versuche erstrecken.

Jetzt bin ich im Stande die Resultate des laufenden Dienstes der beiden großen Preßanstalten zu Bona und Algier, und die seit einem Jahr im Futtermagazin der Kriegsverwaltung in la Rapée (für die Verproviantirung der Pariser Garnison) erzielten mitzutheilten.

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Sowohl bei den früher zum Zusammendrücken des Heues angewandten Schraubenpressen als den hydraulischen Pressen von 150,000 und 300,000 Kilogr. Druck, war man weder in Frankreich noch anderswo im Stande Heu genug einzulegen, um durch eine einzige Pressung Ballen von so großem Gewicht oder solcher Dichtigkeit zu erhalten, daß die Frachtkosten dadurch namhaft vermindert worden wären.

Diesem Uebelstand half ich dadurch ab, daß ich auf den Wägen, womit das Heu von der Wiese oder der Scheune zur Presse gefahren wird, Winden und bewegliche Kisten anbringen ließ, wodurch dem aufgeladenen Heu eine Dichtigkeit von 130 bis 140 Kilogr. per Kubikmeter ertheilt werden kann, welche viel größer ist als die durch Schraubenpressen von Holz oder Eisen erzielbare.

Diese vorläufige Operation, welche vom Dienst der Presse unabhängig ist, erleichtert den Transport des Heues und hält die Arbeit gar nicht auf. Sie macht es möglich, in die hydraulische Presse ungefähr 400 Kilogr. zu bringen, welche ein Volum von etwa drei Kubikmetern und 1,80 Meter Höhe auf 1,70 Meter Grundfläche haben.

Vermittelst der Presse erhält das algerische, sehr dicke und harte Heu eine Dichtigkeit von 500 Kil. unter der Presse und etwa 350 Kil. außer der Presse. Bei weichem Heu, wie dem französischen und englischen, steigt diese Dichtigkeit bis auf 660 Kilogr. unter der Presse und 440 Kil. außer der Presse.

Die algerischen Preßanstalten benutzen als Motor Göpel, deren jeder mit 18 Mauleseln bespannt ist und höchstens 6–7 Dampfpferdekräften entspricht. Man muß aber bedenken, daß die Bewegung des Göpels auf die Pressen mittelst eines liegenden. Wellbaums übertragen wird, an welchem sich Excentrics befinden, die auf die Pumpen wirken, und daß diese Vorrichtung in Folge der Reibungen mehr Kraft consumirt, als zum Betrieb der Pressen erforderlich ist.

Es ist übrigens durch zu diesem Behufe angestellte Versuche bekannt, daß das Pressen sogar bei jenen großen Pressen von 650,000 Kil. Kraft, am Anfang von drei, und gegen das Ende von vier Männern vollbracht werden kann. Die ganze Operation des Pressens und Bindens dauert nicht über 40 Minuten.

Um das Heu leichter auf den Schiffen unterbringen zu können, werden statt einfacher Ballen von 380 bis 400 Kilogr., deren zwei von je 190 bis 200 Kilogr. gemacht, was sonst keinen Nachtheil hat, als daß statt dreier Bänder (von Bandeisen) welche bei einem Ballen hinreichen, deren vier nöthig sind.

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Jede Werkstätte mit drei Pressen liefert durchschnittlich im Tag von neun Arbeitsstunden 84 einfache Ballen zu 190–200 Kilogr. oder 160 bis 168 metrische Centner, also im Monat von 25 Tagen 4000 bis 4200 metrische Centner, welche 84,000 Pferderationen für schwere Cavalerie (eine zu 5 Kilogr.) repräsentiren.

Der Preis des Pressens eines metrischen Centners beläuft sich in Algier auf 1 Frank 73 Cent. Bei demselben sind in Rechnung gebracht der Taglohn der Arbeiter und Mauleselführer, das Bandeisen, Bolzen, Brettchen, Futter und Unterhalt von 30 Mauleseln, Schmiere, Oel und Unterhalt der Maschinen. Nun muß man aber bedenken, daß das vorläufige Pressen des Heues auf den Wägen und das Herbeischaffen desselben zu den Pressen auf Eisenbahnen viele Leute erfordert, während man auf Pachthöfen die Presse in den Scheuren selbst haben, und minder schwerfällige Vorrichtungen anwenden könnte, die auch von einem Hof auf den andern gebracht werden könnten, um das Pressen in arbeitsfreier Zeit vorzunehmen. Ferner ist in Algier der Taglohn weit höher als bei uns (in Frankreich), und man könnte bei uns, wo das Klima den Menschen ihre volle Kraft läßt, die Pferde oder Maulesel entbehren und die Pressen, namentlich im Winter, ohne große Kosten von Hand treiben. In Frankreich würde sich nach meiner Berechnung das Pressen großer Ballen von 300 bis 400 Kilogr. mit Händekraft für den metrischen Centner auf 73 Centimes berechnen; diese sind also mit der durch das Pressen erzielten Ersparung an den Transportkosten und bei dem Einmagaziniren zu vergleichen.

Was die Ersparung anbelangt, welche der Staat in Algier durch die Anwendung neuer Pressen von 650,000 Kilogr. Kraft im Vergleich mit den frühern machte, so verminderten sich die Frachtkosten immer in dem Verhältniß als die Dichtigkeit des Heues zunahm, wie aus Folgendem zu ersehen ist.

Preßverfahren:
hydraulische Presse
Dichtigkeit der
Ballen.

Frachtkosten.
von 150,000 Kil. Kraft 155 Kil. 10 Franken 50 Cent.
300,000 – 240 5 50 –
650,000 –
mit Wägen und Kistenverpackung
(coffrage)

400

3

30 –

Ueberdieß sind die Preßkosten bei Anwendung der neuen Pressen noch viel geringer als mit den alten.

Während es für den Transport zu Wasser und selbst auf Eisenbahnen ökonomischer ist, große Ballen zu machen, so kann es für die Bedürfnisse |319| der Landwirthschaft und für die Consumenten in der Stadt bequemer seyn, Ballen von ungefähr 100 Kilogr. zu erhalten, welche leicht zu handhaben sind, und auf eine Dichtigkeit von 420 Kil. per Kubikmeter gepreßt, nur ein Volum von 0,265 bis 0,240 Meter haben, so daß, 5 Kil. auf die Ration gerechnet, ein Ballen deren 20 enthielte und der Vorrath für ein Pferd auf ein Jahr nur ein Volum von etwas weniger als 5 Kubikmeter einnähme.

Das Heu wird zu diesem Zweck in eine feststehende hölzerne Kiste geschafft, deren beweglichen Boden eine hölzerne Platte bildet, die man auf einen vierräderigen Wagen legt, welcher mittelst einer Eisenbahn unter die Kiste hingeführt werden kann. Dieses Heu, zuerst von einem in die Kiste steigenden Mann eingetreten, würde dann mittelst Seilen oder Ketten, welche über die auf dem Wagen befindlichen Haspel gehen, die erste Pressung erhalten, nämlich eine Dichtigkeit von etwa 180 Kilogr. per Kubikmeter.

Hierauf würde sich die Vorderseite der Presse öffnen, welche aus zwei Flügeln besteht, damit man die beschickten Haspel herausnehmen und in die hydraulische Presse bringen kann, wo die Dichtigkeit auf 550 bis 600 Kil. per Kubikmeter getrieben würde. Hierauf mit zwei Eisenbändern, welche über Brettchen gehen, zusammengebunden, nähme dieses Heu außer der Presse wieder ein größeres Volum an von etwa 0,250 oder 0,220 Meter, und seine Dichtigkeit betrüge dann 400 bis 450 Kil. per Kubikmeter.

Die Bedienung, das Zusammensetzen und Auseinandernehmen dieser Pressen hätten gar keine Schwierigkeit, und wenn man ihr Gesammtgewicht, das höchstens 4500 oder 5000 Kilogr. beträgt, auf mehrere Stücke vertheilt, deren schwerstes nur 1200 Kilogr. beträgt, könnten sie leicht von einem Pachthof zum andern gebracht werden.

Die Kosten dieser, ganz durch Händearbeit geschehenden Pressung kämen (in Frankreich) für den Ballen von 100 Kilogr. höchstens auf 2,48 Franken zu stehen.

Endlich ist noch zu bemerken, daß das gepreßte Heu sich beliebig lange aufbewahren läßt, ohne an Güte zu verlieren oder in Gährung zu kommen.

Ich habe im Jahr 1844 zu Paris einen Ballen gesehen, welcher am Anfang des Jahrs 1830 gepreßt, noch so gesund war, wie am ersten Tag. In dieser Beziehung wäre also durch die Anwendung der hydraulischen Presse die von der kaiserlich-russischen ökonomischen Gesellschaft ausgeschriebene Preisfrage gelöst, welche ein Verfahren verlangt, |320| um die Vieh- und Heerdenhalter mit Vorräthen zu versehen, damit sie die Heerde ein ganzes Jahr lang unterhalten und das Heu aufbewahren können, ohne es dem Verderben auszusetzen.

Aber nicht nur beim Transport auf Schiffen wird durch die Pressung des Heues sehr viel Raum erspart, sondern auch bei seiner Aufbewahrung in Magazinen. Beim Bau von Magazinen wird von den Ingenieuren die Dichtigkeit des gewöhnlichen Heues zu 100 Kilogr., die des Strohs zu 84 Kilogr. per Kubikmeter angenommen. Wenn nun das Heu durch die Pressung auf eine Dichtigkeit von 400 Kilogr. per Kubikmeter gebracht, und das Stroh verhältnißmäßig ebenso weit verdichtet wird, so kann der Rauminhalt für die Magazine auf ein Viertheil reducirt werden und in demselben Verhältniß vermindern sich auch die Baukosten. Obige Gewichtsannahme für den Kubikmeter Heu scheint mir aber zu groß. Im Rapée-Magazin zu Paris rechnet man nur 80–90 Kilogr. auf den Kubikmeter aufgeschichteter Heubünde. In Algerien erhält das in größern Schobern aufgeschichtete Heu folgende Dichtigkeiten:

Dichtigkeiten.
Algier, Schober von 9–10,000 metr. Centnern 89 Kil.
Bona – 12–15,000 – – 92 –
Philippeville – 6– 7,000 – – 76 –

Die Raumverminderung der Magazine wäre also größer, als die oben angegebene.

Außer der Raumersparung hat aber die Pressung des Heues noch einen Vortheil für die Verproviantirung der Armee. Da nämlich das Heu die Dichtigkeit des Pappelholzes erhält und große Blöcke bildet, so verbrennt es nicht mehr so schnell und man kann einer in einem Heumagazin ausbrechenden Feuersbrunst Herr werden, was sonst nicht möglich ist.

Ein Versuch darüber wurde im Monat November v. J. am linken Ufer der Seine in der Nähe der Jenabrücke angestellt. Zwanzig Ballen mit der hydraulischen Presse gepreßten Heues von je 100 Kilogr. wurden so geschichtet, daß ein leerer Raum zwischen ihnen blieb, um den Zug des Feuers zu begünstigen. In diesen Raum wurden mit Terpenthinöl getränkte Holzspäne gebracht.

Auf gleiche Weise wurde ein Haufen von zwanzig Ballen Heu von je 100 Kilogr. gebildet, welche gepreßt worden waren. Diese Ballen waren mit Stricken zusammengebunden und mit Brettchen belegt; ihre mittlere Dichtigkeit betrug 160 Kilogr. per Kubikmeter. Zwei weitere Haufen, jeder von 10 Centnern, waren von ungepreßtem |321| Heu gebildet, einer aus 5 Kilogr. schweren Bündeln, der andere aus losem Heu.

Diese Haufen wurden nun nach einander in Brand gesetzt und dabei folgende Resultate erhalten:

Bei dem aus losem Heu und Bünden bestehenden Haufen pflanzt sich das Feuer an der äußern Oberfläche rasch fort; die ganze Masse geräth in Brand und der Zugwind reißt Funken mit sich; bald bildet der Haufen eine große Gluthmasse, die nicht mehr zu löschen ist. Das lose Heu, in Haufen liegend, läßt die Luft nicht durch die Masse ziehen und verbrennt vielleicht etwas langsamer als das Heu in Bünden. Das mit Stricken zusammengebundene, gepreßte Heu, verbrennt minder schnell als das ungepreßte; die Stricke verbrennen, die Ballen öffnen sich, aber die Dichtigkeit, welche sie erlangt haben, macht daß das Feuer sie nicht so schnell verzehrt, wie die vorhergehenden; doch können sie kaum gelöscht werden und es ist kaum möglich sie der Gluth zu entreißen, um das noch unverbrannte Heu zu benützen.

Das gepreßte Heu in mit Bandeisen gebundenen Ballen betreffend, nahm das Feuer, nachdem es sich über den größten Theil seiner Oberfläche verbreitet und die äußeren Halme verbrannt hatte, von selbst wieder ab, concentrirte sich auf die unteren Zugcanäle bildenden Gänge und brannte mit sehr wenig Flamme fort. Nachdem die Brettchen verbrannt waren, blieben die Ballen doch gebunden, und keiner verlor seine Gestalt. Nachdem das Feuer eine Stunde lang gedauert hatte, ließ man eine Spritze kommen und nach 15 bis 16 Minuten war der Brand so vollkommen gelöscht, daß man die Ballen aufladen und in das Magazin zurückführen könnte. Man konnte diese Ballen auch rücken und umherziehen, ohne daß einer aufging.

Von diesen so dem Verbrennen und dem Rauche ausgesetzten Ballen wurden noch 50 Procent des Heues gerettet, welches in Bünde gebracht und zum Theil mit Luzerne vermengt, der Escadron des Fuhrwesens zum Verfuttern übergeben ward. Die Sattelpferde, welche wenig arbeiten und heikeliger sind, ließen es unberührt, die Zugpferde aber fraßen es. Doch muß bemerkt werden, daß dieses Heu bloß drei bis vier Tage gelüftet worden war; längeres Lüften oder ein kleiner Zusatz von Salz hätte es den Thieren angenehmer gemacht. Außer den zehn Centnern Heu, die als Futter gebraucht werden konnten, wurden noch vier Centner (20 Procent vom Ganzen) zum Streumachen geeignet befunden, so daß in einer Stunde vom Feuer nur 30 Procent des ganzen Quantums verzehrt wurden.

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Es folgt aus diesem Versuch, daß ein Heumagazin, welches das Heu in mit Bandeisen zusammengebundenen Ballen enthält, vor völliger Zerstörung geschützt ist, und nach einem Brande ein großer Theil des Heues wieder verwendet werden kann. Auch geht daraus hervor, daß der Transport des gepreßten Heues auf Eisenbahnen mit keiner Gefahr verbunden ist.

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Polytechn. Journal, Jahrgang 1846, Bd. C S. 447.

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