Titel: Schwimmende Eisenbahn auf der Meerenge des Forth zwischen Granton und Burntisland.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1850, Band 116/Miszelle 2 (S. 77–78)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj116/mi116mi01_2

Schwimmende Eisenbahn auf der Meerenge des Forth zwischen Granton und Burntisland.

Die Küsten Englands sind bekanntlich sehr zerstückelt und ausgezackt, seine Flüsse haben tief in das Land dringende Buchten, kurz das Meer hat überall ein Uebergewicht zu erlangen gesucht. – Durch diese Gestaltung des Landes sind Gewerbe und Handel nicht wenig begünstigt worden. Die Mittelpunkte der Production und des Verbrauchs sind durch die Meeres- und Flußschifffahrt zugänglicher geworden. Als eine wesentliche Verbesserung alles Transportes hat man jede Umladung möglichst zu vermeiden gesucht, indem eine solche den Transport nicht allein vertheuert, sondern auch verzögert. Die Engländer haben seit langer Zeit die große Wahrheit erkannt, daß Transport-, Ladungs-, Umladungs-, Ausladungs- und Magazinkosten eine sehr wesentliche Belastung aller Gewerbsthätigkeit seyen, und ihre Verminderung daher ein nothwendiges Bestreben und ein großer Fortschritt seyn müsse. Man solle die Producte und Fabrikate in der Fabrik aus- und in dem Magazin des Consumenten erst wieder abladen; dieß sey das in allen möglichen Fällen zu erreichende Ziel.

Für die Eisenbahnlinien sind die Meeresbuchten ein sehr wesentliches Hinderniß, ein Hinderniß, welches um so mehr in Betracht kommt, da an den Buchten und Meerengen sehr viel Städte und Manufacturen. die Mittelpunkte der Production und des Verkehrs, liegen. Auch hier hat der Geist des Menschen über alle Hindernisse triumphirt. Es entstanden dadurch eine Reihe von Werken, unter denen die Britannia-Brücke als das großartigste Bauwerk dieser Art angesehen werden kann.

Es gehört hierher aber auch der Versuch, einen ganzen Eisenbahnzug über einen Meeresarm zu führen, ohne eine Umladung der dadurch transportirten Güter nöthig zu haben. Die Bahnzüge werden auf ein Dampfschiff geführt, mit demselben durchschneiden sie die Meerenge oder Bucht, um auf jenseitigem Ufer auf einer andern Eisenbahn ihren Weg fortsetzen zu können. Der Versuch wurde auf der Meerenge des Forth zwischen Granton und Burntisland gemacht. Ein Zug von 20 Packwagen und einigen Personenwagen wurde durch das Dampfboot Die schwimmende Eisenbahn bei starkem Nordwestwinde und hohgehendem Meere gemacht. Auf diese Weise ist eine zusammenhangende Eisenbahn zwischen London und Aberdeen hergestellt. Die Sache hatte ihre großen Schwierigkeiten, um so mehr, da in dem Forth der Unterschied zwischen Ebbe und Fluth 20 Fuß beträgt. Transportable Brücken vom Ufer bis zu dem Dampfboot bilden das Wesentliche der Vorrichtung |78| am Ufer, um den Eisenbahnzug von der Landeisenbahn auf die schwimmende zu bringen. Es läßt sich jedoch ohne Abbildungen kein genauer Begriff von der ganzen Einrichtung geben. Eine Skizze davon enthalten die Londoner und aus dieser die Pariser Illustrirte Zeitung. Jedoch werden die englischen technischen Zeitschriften gewiß recht bald eine genauere Beschreibung und Abbildung der Vorrichtung bringen, die wir alsdann in diesen Blättern mitzutheilen nicht verfehlen werden. (Aus den Annales des Chemins de fer, des Travaux publics et des Mines, 1re. Année, Nr. 9. 1850.)

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