Titel: Sanitätspolizeiliche Vorschriften für die Gemeinde-Schlachthäuser in Frankreich.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1850, Band 116/Miszelle 6 (S. 79–80)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj116/mi116mi01_6
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Sanitätspolizeiliche Vorschriften für die Gemeinde-Schlachthäuser in Frankreich.

Die Schlachthäuser müssen an geeigneten Orten erbaut werden, welche von Wohngebäuden entfernt sind, und wo man nicht nur das Wasser reichlich zur Verfügung hat, sondern auch die zum Reinigen der Anstalt verwendeten Flüssigkeiten in einen Canal ablaufen lassen kann, welcher im Winter und Sommer eine hinreichende Strömung hat, so daß dieses Waschwasser darin niemals in Fäulniß übergehen kann. Hinsichtlich der Construction solcher Anstalten bemerken mir bloß, daß sie sehr geräumig und leicht zu ventiliren seyn müssen. Für die Gemeinde-Schlachthäuser welche in der neuesten Zeit in vielen Städten Frankreichs errichtet wurden, hat man folgende Bedingungen festgesetzt:

1) das Schlachthaus muß ein Wasserreservoir haben, von welchem aus man mittelst Hahnen in alle Theile der Anstalt Wasser liefern kann;

2) die Theile des Locals wo die Thiere geschlachtet werden, müssen abhängig gepflastert werden, um die Flüssigkeiten in die Cisternen zu leiten;

3) die Waschwasser der Anstalt müssen mit Leichtigkeit abfließen und sich mittelst Röhren in die Mitte eines Canals begeben, nicht bloß an den Rand desselben. (An einigen Orten hat man Brunnen gegraben, aus denen sich das Wasser des Schlachthauses in eine tiefere Wasserschicht versenkt als diejenige ist welche die Brunnen speist.)

4) Alle Oeffnungen welche in der Anstalt Flüssigkeiten empfangen um sie in den Canal zu leiten, müssen mit Sammelkesseln versehen seyn;

5) wenn das Waschwasser zuviel von festen Substanzen enthält, muß man es in einem Behälter sammeln, wo es sich absetzt, hernach das klare Wasser ausleeren und den Satz auf den Mist werfen, um ihn als Dünger zu verwenden.

Außer diesen Anordnungen muß man verlangen:

a) daß das Blut täglich aus der Anstalt geschafft wird, es mag nun für die Wurstmacher bestimmt seyn, oder zu industriellen Zwecken oder zur Düngerfabrication;

b) dasselbe hat mit den Excrementen der Thiere und dem Mist zu geschehen;

c) unter keinem Vorwand darf in der Anstalt Dünger fabricirt werden;

e) alle Theile der Anstalt, Gänge, Rinnen etc. müssen höchst reinlich gehalten werden;

f) für die Knechte müssen Abtritte hergestellt und reinlich gehalten werden;

g) es müssen Gruben hergestellt werden, in welche man den Mist und Unrath stets sobald als möglich schafft;

h) die zu diesen Gruben führenden Gänge und Wege müssen geflastert seyn.

Wenn die Anstalt mit einer Talgschmelzerei verbunden ist, muß man dem Wasser worin man den zerschnittenen Talg schmilzt, concentrirte Schwefelsäure oder Alkalien beigeben, damit bei dieser Operation weniger stinkende Dämpfe entstehen. (Journal de Chimie médicale, Januar 1850.).

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