Titel: Ueber Imprägniren von Eisenbahnschwellen und Telegraphensäulen mit Kupfervitriol.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1850, Band 116/Miszelle 3 (S. 164–165)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj116/mi116mi02_4

Ueber Imprägniren von Eisenbahnschwellen und Telegraphensäulen mit Kupfervitriol.

Dr. Boucherie in Paris versuchte die meisten Metallsalze in Beziehung aus die ihnen eigenthümliche Eigenschaft der Conservirung der Pflanzenfaser. Er stellte unzählige vergleichende Versuche an, hauptsächlich auch in Rücksicht auf den Verdünnungsgrad der Metallsalzlösung, welche einen conservirenden Einfluß auf die Pflanzenfaser noch üben kann. Aus allen diesen Versuchen gewann Dr. Boucherie die Ueberzeugung, daß das schwefelsaure Kupferoxyd, Kupfervitriol, für Conservirung der Pflanzenfaser entschieden das tauglichste Metallsalz ist, und daß die Holzimprägnirung mit einer Kupfervitriolauflösung, in der 1 Procent Kupfervitriol enthalten ist, allen Anforderungen vollkommen genügt. (Man vergl. über den Erfolg des Imprägnirens der auf der Berlin-Stettiner Bahn befindlichen kiefernen Schwellen mit Kupfervitriollösung polytechn. Journal Bd. CXV S. 152.) Seit dem Jahre 1837 bemüht sich Dr. Boucherie unablässig, dieß Imprägnirungsmittel in den verschiedenen Fällen der technischen Praxis zur Geltung und Anwendung zu bringen. Durch diese Ausdauer hat er es endlich dahin gebracht, daß man seine Imprägnirungsmethode gegenwärtig in Frankreich beinahe allgemein als die beste und einfachste anerkennt, und daß man sich derselben zur Imprägnirung der Querschwellen und der Telegraphensäulen beinahe ausschließlich bedient.

Um zur Uberzeugung zu gelangen, wie lange eine Eisenbahnschwelle, die nach Boucherie's Methode imprägnirt wurde, in der Erde liegen könnte, ohne in Verwesung überzugehen und daher untauglich zu werden, wurden verschiedene Versuche angestellt. Ein Versuch, der auf der ältesten von Paris ausgehenden Bahn angestellt wurde, verdient besonders hervorgehoben zu werden. Eine buchene Eisenbahnschwelle (die französischen Waldungen liefern gutes Laubholz, und es ist in größeren Quantitäten |165| leichter zu haben als Nadelholz) wurde vor 7 Jahren nur theilweise nach Boucherie's Methode imprägnirt, und auf dem chemin de fer du Nord in der Nähe von Paris eingegraben. Von 4 zu 4 Wochen mußte der nächste Inspections-Ingenieur der Eisenbahn nachsehen, um sich die Ueberzeugung zu verschaffen, daß dieselbe Schwelle noch immer an Ort und Stelle liegt, und um zu beobachten, ob und wann die Verwesung oder Verwitterung eintrat. Endlich zeigte sich an dem nicht imprägnirten Theile die Verwesung, während der imprägnirte Theil wohl erhalten war. Diese Schwelle wurde nun ausgegraben, ein Stück davon abgeschnitten und abermals untersucht und geprüft. Man konnte deutlich an der Gränze der Verwesung erkennen, wie weit der imprägnirende Kupfervitriol gedrungen war, der imprägnirte Theil zeigte die vollkommen gesunde Holzfaser.

Auf Grundlage dieses Versuches, der mit aller Strenge und Vorsicht 7 Jahre lang beobachtet wurde, fand sich die Direction der Pariser Nordbahn-Gesellschaft schon im Jahre 1847 veranlaßt, 60,000 Schwellen von Dr. Boucherie imprägniren zu lassen, auch hat sie zur Deckung ihres gegenwärtigen namhaften Bedarfs auf Lieferung von 60,000 Stück Eisenbahnschwellen im Monat August dieses Jahres mit Dr. Boucherie abgeschlossen. Die Telegraphen-Administration des französischen Ministeriums des Innern hat schon vor 3 Jahren den Beschluß gefaßt, zu Telegraphensäulen nur nach Dr. Boucherie's Methode imprägnirte Bäume zu verwenden.

Das Verfahren hiebei ist ungemein einfach und hat den ganz besondern Vorzug daß es gleich im Walde, wo die Bäume geschlagen worden sind, ohne die Herbeischaffung irgend einer mechanischen Vorrichtung zu erheischen, vorgenommen werden kann. Nachdem der zur Telegraphensäule geeignete Baum geschlagen und auf die gehörige Länge abgeschnitten ist, kommt er gleich zum Imprägniren, die Rinde darf früher nicht abgeschält werden. An dem dickeren Ende wird er auf 4–5 Zoll etwas zugespitzt, um einen Blei-Conus von circa 10 Zoll Höhe und der nöthigen Weite an diesem Ende aufstecken zu können. Mittelst Lehm wird der Zwischenraum zwischen diesem Conus und dem Baume verstopft und gedichtet. Ist das geschehen, so wird der Baum auf das andere (dünne) Ende aufgestellt, an ein nothdürftig erbautes Gerüste von Holz angelehnt und möglichst vertical erhalten. In den nach oben stehenden Blei-Conus wird nun die Kupfervitriolauflösung geschüttet und im Conus so ziemlich im selben Niveau erhalten, bis diese Auflösung durch die Holzfasern bis an das entgegengesetzte Ende des Baumes gedrungen ist. Ein solcher zur Telegraphensäule bestimmter Baum von 18–19 Fuß Länge muß 3–4 Tage lang auf diese Art gewartet werden, bis er seiner ganzen Länge nach imprägnirt ist, was man an der bläulich grünen Farbe erkennt, die er durch den eindringenden Kupfervitriol erhält. Ist die Imprägnirung auf diese Art vollendet, so kann der Baum abgeschält, weiter bearbeitet und verwendet werden.

Die Kosten des Imprägnirens nach Dr. Boucherie's Methode lassen sich sehr leicht nach folgenden Angaben berechnen: soll ein Stamm vollständig imprägnirt seyn, so müssen alle Poren der Holzfaser vollständig von der Kupfervitriolauflösung durchdrungen seyn. Es wird und kann dazu nicht mehr Flüssigkeit erforderlich seyn, als der cubische Inhalt des Stammes beträgt. Weiß man die zum Imprägniren erforderliche Quantität Flüssigkeit, so weiß man auch, wie viel Kupfervitriol für diese Quantität Flüssigkeit erforderlich ist, indem Ein Procent Kupfervitriol in dieser Lösung enthalten ist. Der gegenwärtige Preis eines Centners Kupfervitriol ist in Wien 23 fl. C.-M. Nach diesem Preise und nach Veranschlagung sämmtlicher Imprägnirungskosten ergibt sich als Kostenbetrag für das Imprägniren Einer Telegraphensäule von den gewöhnlichen Dimensionen: 24 Fuß Höhe und 5 Zoll mittlerem Durchmesser, 30 kr. C.-M.; ein Betrag der in Rücksicht des gegenwärtigen hohen Kupferpreises gewiß nicht sehr bedeutend ist, und bei dem hohen Preise einer Telegraphensäule (1 fl. 30 kr. – 2 fl.) sich reichlich bezahlt machen wird. (Notizblatt des österr. Ingenieur-Vereins 1850. Nr. II.)

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