Titel: Die thierische Kohle als Gegengift, nach Dr. Garrod und Howard Rand.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1850, Band 116/Miszelle 6 (S. 166–167)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj116/mi116mi02_7

Die thierische Kohle als Gegengift, nach Dr. Garrod und Howard Rand.

Zahlreiche Versuche haben Dr. Garrot zu folgenden Schlüssen geführt:

1) Die thierische Kohle besitzt die Eigenschaft sich im Magen mit den giftigen Bestandtheilen der thierischen und vegetabilischen Substanzen zu verbinden, und die Verbindungen welche sie mit denselben dabei eingeht, sind unschädlich; deßhalb wirkt die thierische Kohle als Antidot, wenn man sie einnimmt bevor das Gift sich im Körper verbreiten konnte;

2) die thierische Kohle absorbirt mehrere mineralische Gifte und macht sie unschädlich; hiezu müßte man sie aber in bedeutender Menge einnehmen;

3) es ist von der thierischen Kohle etwa eine halbe Unze für jeden Gran Morphin. Strychnin oder sonstige Alkaloide erforderlich; dagegen verhältnißmäßig viel weniger für die Substanzen aus welchen die Alkaloide gewonnen werden, wie Opium, Brechnuß etc., so daß z.B. ein Scrupel Brechnuß bloß eine halbe Unze Kohle erfordert;

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4) die thierische Kohle hat gar keine schädliche Wirkung auf die thierische Oekonomie.

Die thierische Kohle welche Dr. Garrod anwandte, war Knochenkohle, welche mit verdünnter Salzsäure digerirt, dann mit Wasser ausgewaschen und in einem verschlossenen Tiegel ausgeglüht worden war.

Howard Rand in Philadelphia bereitete zu seinen Versuchen die Kohle durch Calciniren von Lederschnitzeln oder Blut mit Potasche, Auslaugen der Masse und Glühen des Rückstandes in einem geschlossenen Tiegel. Er fand, daß wässerige Lösungen von schwefelsaurem Morphin und salzsaurem Strychnin durch Digeriren mit solcher Blut- oder Lederkohle alle Bitterkeit verloren und die Alkaloide vollständig niedergeschlagen wurden. Eine Mischung von 1 Gran Morphin oder Strychnin mit einer Unze Kohle eingenommen, hatte beim Strychnin gar keine, beim Morphin nur geringe Wirkung, die auch ganz ausblieb, wenn die Mischung von Morphin und Kohle vorher mit Wasser bis zum Verlust des bittern Geschmacks digerirt wurde. Aehnliche Resultate erhielt er bei Versuchen mit Belladonna, Digitalis und anderen stark wirkenden Pflanzen. (Journal de Chimie médicale, Nov. 1849. S. 658.)

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