Titel: Verbesserungen in der Kohksbereitung in Frankreich.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1850, Band 116/Miszelle 1 (S. 241–243)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj116/mi116mi03_1

Verbesserungen in der Kohksbereitung in Frankreich.

Die Beschaffenheit der zur Locomotivenheizung verwendeten Kohks übt auf die Kosten und die Regelmäßigkeit des Eisenbahnbetriebs einen so entscheidenden Einfluß aus, daß sie von jeher Gegenstand des aufmerksamsten Studiums der Ingenieure war. Reinheit, Dichtigkeit und Festigkeit sind Eigenschaften, welche sich in den Producten der Kohlengruben in ihrem natürlichen Zustande nur selten vereinigt finden und kaum die vorzüglichsten Kohlen von St. Etienne und Newcastle liefern unmittelbar und ohne besondere Zubereitungen Kohks, welche den Ansprüchen auf jene Eigenschaften in einigermaßen befriedigendem Grade entsprechen. Indessen kommen diese Kohlen in Paris zu hoch zu stehen, als daß sie ihrer vorzüglichen Eigenschaften ungeachtet mit Vortheil benützt werden könnten, und es brennen die Nordbahn, die Eisenbahnen von St. Germain, Versailles, Orleans und andere, welche in Paris ausmünden, beinahe ausschließlich Kohks, welche auf den Gruben des Norddepartements und Belgiens erzeugt werden.

Diese Kohks nun enthielten, sowie sie noch vor einem Jahre bereitet wurden, durchschnittlich 12 bis 14 Procent Asche, waren leicht und zerreiblich. Der Aschengehalt der Kohks ist, neben dem. daß er, obwohl eine träge und nutzlose Materie, dennoch von den Consumenten bezahlt werden muß, insofern von Nachtheil, als er zu seiner Erhitzung auf einen hohen Temperaturgrad oder Schmelzung eine nicht unbeträchtliche Wärmemenge in Anspruch nimmt und in dem ohnedieß beschränkten Feuerkasten der Locomotiven einen kostbaren Raum einnimmt. Die Zerreiblichkeit der Kohks vermehrt in stark zunehmendem Verhältnisse die durch den Transport sich ergebenden Kohksabfälle, welche, da sie zur Locomotivheizung nicht weiter verwendet werden können, nur zu sehr niedrigem Preise zu verwerthen sind. Im Feuerkasten selbst zerbröckeln solche leicht zerreibliche Kohks und die kleineren Theilchen, welche sich von ihnen ablösen, werden von dem starken Zuge unverbrannt durch den Rauchfang der Locomotive fortgerissen, wodurch ein weiterer Verlust entsteht. Dagegen gewähren diese Kohks den Vortheil, daß sie in einem kleineren Volumen eine größere Menge von Brennstoff einschließen und daher bei gegebenen Dimensionen des Feuerkastens das Verdampfungsvermögen und somit die Zugkraft einer Locomotive vermehren.

Aus dem Gesagten läßt sich leicht entnehmen, von welcher Wichtigkeit die Eingangs bezeichneten Eigenschaften der Kohks sind. Eisenbahnverwaltungen, welche von den Orten der Gewinnung des Brennmaterials entfernt liegen, und dieses zu hohen Preisen beziehen, verwenden ein Viertheil bis ein Drittheil ihrer gesammten Betriebsauslagen auf die Heizung, und sind daher bei allen Verbesserungen des Brennstoffs in weit höherem Grade interessirt, als solche, welche so zu sagen den Grubenbau betreiben und bei dem niedrigen Preise der Beschaffenheit desselben weniger Aufmerksamkeit schenken dürfen. Im letzterem Falle befand sich die Verwaltung der belgischen Eisenbahnen. Sie construirte ihre Locomotiven für die ihr in Masse zu Gebot stehenden Kohks von mittelmäßiger Qualität und ließ sich Verbesserungen in der Fabrication derselben bis jetzt wenigstens nicht angelegen seyn. Französischen Ingenieuren, |242| und zwar den HH E. Clapeyron und E. Flachat, bei der Nordbahn und bei der Eisenbahn von St. Germain betheiligt, war es vorbehalten, eine Reihe von höchst wichtigen Verbesserungen in der Kohksfabrication einzuleiten, welche auch bereits in den Etablissements des Norddepartements und des Bassins von Mons in Anwendung gebracht sind.

Die Besitzer der Kohlengruben von Agrappe, Bellevue, Jolimet, Roing, Longterre und anderer in dem Bassin von Mons garantiren für die von ihnen fabricirten Kohks einen Aschengehalt, welcher anstatt früher 12 bis 14, nunmehr 6 Procent nicht übersteigt. Dieses Resultat, welches den absoluten Werth der Kohks um 6 bis 7 Procent, mithin auf eine Tonne, welche nach Paris geliefert, 43 Franks kostet, um 2,60 bis 3,00 Fr. erhöht, wird von dem Fabrikanten mittelst eines Aufwandes von 2,00 Fr. per Tonne erzielt. Die Gesellschaften der Nordbahn und der Eisenbahn von St. Germain, welche diese Kohks brennen, erhalten daher für einen Preiszuschlag von 2 Fr. ein um 2,60 bis 3,00 Fr. besseres Material. Sie genießen aber außerdem der wesentlichen Vortheile für den Betrieb ihrer Bahnen, daß die Zugkraft ihrer Locomotiven durch den größern Reichthum ihrer Kohks an Brennstoff um 7 Procent erhöht wird, und daß der geringere Aschengehalt der letzteren die Gefahr der Verstopfung des Rostes bedeutend vermindert. Dieser Uebelstand zeigt sich nämlich bei gewissen besonders unreinen Kohksgattungen in solchem Maaße, daß nicht selten der für die Erhaltung des Feuers nothwendige Zug völlig unterbrochen wird, das Feuer selbst erlischt und der untere Theil des Feuerkastens sich so sehr abkühlt, daß man die Roststäbe mit der Hand anfassen kann.

Neben Verminderung des Aschengehalts hat man aber den Kohks zu gleicher Zeit einen viel höheren Grad von Dichtigkeit und Festigkeit zu geben gewußt. Die Abfälle der Kohks, welche früher 10 bis 12 Procent des transportirten Quantums betrugen, sind nunmehr auf ein höchst unbedeutendes, kaum zu beachtendes Maaß zurückgeführt. Alle diese Verbesserungen vereinigt, gestatten den Gesellschaften nebendem, daß sie auf die Regelmäßigkeit des Betriebes von wesentlichem Einflusse sind, auch nicht unbedeutende Ersparnisse an den Kosten der Zugkraft zu realisiren. Schon empfinden mehrere Gesellschaften die Wirkungen derselben; die belgische Regierung, von den gemachten Erfahrungen Vortheil ziehend, schreibt ihren Kohkslieferanten ein Maximum des Aschengehalts von 7 Procent vor und hat trotz dieser Bedingung bei der letzten Vergebung niedrigere Preise erzielt, als bei früheren.

Das Verfahren, welches zum Zweck der erwähnten Verbesserung der Kohks angewendet wird, ist ein höchst einfaches. Bekanntlich werden die Kohks aus dem bei dem Grubenbetriebe entfallenden Kohlenklein bereitet, welches, zum Hausgebrauch und zur Feuerung größerer Oefen nicht brauchbar, einen weit geringeren Werth hat, als die Stückkohle. Das Kohlenklein ist mit den Producten unreiner Adern vermischt, welche die Arbeiter mit der Spitzhaue ausschroten, um von ihnen aus die Zwischenlager reiner Kohle in großen Stücken absprengen zu können. Schon durch die Art der Gewinnung erhält die Kleinkohle eine Beimischung von großentheils unfühlbaren Unreinigkeiten, welche von Hand zu beseitigen man vielfach vergeblich versucht hatte, ehe die HH. Clapeyron und Flachat in den Gruben von Agrappe das Waschverfahren einführten, welches schon in St. Etienne und Commentry angewendet wurde. Dieses Verfahren, bis dahin im Norden nicht bekannt, wurde von den Grubenbesitzern anfangs mit Mißtrauen und Widerwillen aufgenommen, weil sie keine andere Folge desselben voraussahen, als eine Vermehrung ihrer Auslagen; allein bald zeigte es sich, daß diese Mehrauslagen reichlichen Ersatz fanden in der ungleich besseren Qualität des Productes und in der Gunst der Consumenten, welche sich dasselbe schnell erwarb. Von diesem Augenblicke an führten auch alle Grubenbesitzer das Waschverfahren ein.

Der Apparat, dessen man sich zu diesem Zwecke bedient, besteht in einem Bassin von 3 bis 4 Quadratmetern Flächengehalt und 0,80 Meter Tiefe, welches durch eine nicht ganz auf den Boden reichende Scheidewand in zwei ungleiche Abtheilungen getheilt wird. Die kleinere Abtheilung enthält einen dicht schließenden Kolben, der ausgezogen und niedergedrückt werden kann. In der größeren Abtheilung befindet sich 0,50 Meter über dem Boden ein erster Rost, bestehend in einem feinen Drahtnetz von 1 Millimeter Weite, und 0,12 Meter höher ein zweiter Rost, bestehend in paralelen, 0,12 Meter untereinander entfernten Eisenstäben. Die größere Abtheilung |243| wird nun 0,55 bis 0,69 Meter hoch mit Wasser gefüllt und auf den zweiten Rost werden 0,15 bis 0,20 Meter hoch Kohlen aufgeschüttet. Der die kleinere Abtheilung ausfüllende Kolben wird nun lebhaft niedergedrückt, so daß das in der größeren Abtheilung befindliche Wasser steigt und die aufgeschütteten Kohlen hebt. Wird diese Bewegung einigemale wiederholt, so werden die Kohlen sowohl von den feinen anhängenden, als von den gröberen erdigen und steinigen Theilen, mit denen sie vermischt sind, befreit. Erstere lösen sich im Wasser auf und fallen durch das Drahtnetz in die untere Abtheilung des Bassins, letztere sammeln sich in dem Zwischenraum zwischen beiden Rosten, die reingewaschene Kohle aber bleibt über dem obern Roste liegen, von wo sie mit der Schaufel abgenommen werden kann. Die Eisenstäbe des zweiten Rostes verhindern die Schaufel tiefer zu dringen und auch von den über dem Drahtnetze sich sammelnden Unreinigkeiten, welche besonders beseitigt werden, unter die reinen Kohlen zu mischen. Die Handarbeit für das Waschen von 17 Hektoliter Kohle, welche zur Bereitung einer Tonne Kohks erforderlich sind, kostet 0,75 Fr., und der Abfall welcher durch das Verfahren entsteht, beträgt 10 Proc. der gewaschenen Kohle. Man hatte anfänglich befürchtet, das Benetzen der Kohle möchte dem leichteren Verkohksen derselben hinderlich seyn und der Mangel an Uebung sowie an gutem Willen von Seiten der Arbeiter schien diese Besorgniß zu bestätigen, allein mit einiger Beharrlichkeit überwand man diese Schwierigkeiten, und jetzt wird die gewaschene Kohle ebenso leicht und schnell in den Oefen manipulirt, wie vollkommen trockene, eben aus der Grube geförderte.

Was die größere Dichtigkeit und Festigkeit der Kohle betrifft, so wird sie auf folgende Weise erreicht. Bekanntlich bläht sich die Kohle, wenn sie in den Ofen geworfen wird, stark aus, backt zusammen, sinkt sofort theilweise nieder und verliert endlich im Durchschnitt an Dichtigkeit in dem Verhältniß von 48 : 49. Die Aufblähung ist um so stärker und erhält sich um so vollständiger, je schneller der Proceß der Verwandlung in Kohks betrieben wird. So sind Kohks, welche in 12 Stunden fabricirt wurden, sehr leicht und zerreidlich. Solche, zu deren Bereitung 24 Stunden angewendet worden sind, sind dieß schon viel weniger und es ist dieß der Zeitraum, welcher früher gewöhnlich für die Verkohksung vorgeschrieben wurde. Die Gesellschaft der Nordbahn schreibt aber nunmehr eine Behandlung von 48 Stunden vor und erhält hierdurch Kohks, welche beim Transport gar keinen Abfall mehr liefern. Die Gesellschaft der Eisenbahn von St. Germain mußte darauf setzen, daß ihre Kohks, wenn sie nicht einem sehr lebhaften Zuge ausgesetzt sind, weniger leicht brennen, weil ihre Locomotiven sehr viel zu stationiren haben; diese Gesellschaft schreibt daher eine Manipulation der Kohks von 72 Stunden vor. Der Unternehmer der Zugkraft auf der Eisenbahn von Rouen endlich, welcher sehr reine und brennstoffreiche Kohlen von Newcastle verwendet, bereitet seine Kohks selbst und nimmt sich hiefür einen Zeitraum von 96 Stunden.

Es ist leicht zu begreifen, wie schwierig es war, die Kohksfabrikanten zu veranlassen, behufs der Erzeugung einer und derselben Quantität die Zahl ihrer Oefen zu verdoppeln und zu verdreifachen, und um so größeren Dank schuldet die Industrie der Einsicht und Beharrlichkeit der Ingenieure, welche sich weder durch diese noch durch andere Schwierigkeiten in Verfolgung ihres Zieles abschrecken ließen und Resultate erzielt haben, deren Werth für den Betrieb von Dampfmaschinen aller Art unbezweifelt ist. (Eisenbahn-Zeitung, 1850 Nr. 7.)

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