Titel: Ueber eine sichere Methode, Lichtbilder durch die Galvanoplastik zu vervielfältigen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1850, Band 116/Miszelle 4 (S. 245–246)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj116/mi116mi03_4

Ueber eine sichere Methode, Lichtbilder durch die Galvanoplastik zu vervielfältigen.

Man nehme zur Vervielfältigung der Lichtbilder auf galvanoplastischem Wege nur solche Bilder, welche recht kräftig sind; vor allem aber muß man darauf sehen, daß sie durch Anwendung der Fizeau 'schen Goldsolution gut fixirt sind. Letzteres ist unbedingt nöthig. Bilder, welche nicht vergoldet oder, wie man es nennt, nicht fixirt sind, verschwinden fast vollständig, wenn man auf dieselben eine Kupferplatte ablagern läßt. Ehe ich etwas über die Art und Weise mittheile, wie man mit dem Einbringen des Lichtbildes in den zum Ablagern einer galvanoplastischen Copie bestimmten Apparat verfahren muß, will ich letzteren zuerst kurz beschreiben.

Der Apparat besteht aus einem gewöhnlichen sogenannten constanten Element zur Erregung des galvanischen Stroms, und aus einem mit Kupfervitriolauflösung angefüllten cylindrischen Gefäß. Ersteres besteht in einem mit Quecksilber amalgamirten Zinkcylinder, einem porösen Thoncylinder und in einem Stück Messingblech, welches nicht stärker als gewöhnliches Schreibpapier zu seyn braucht. Das in dem Thoncylinder stehende Messingblech ist, damit es eine größere Oberfläche erhält, gefaltet. Man kann sich diese gefalteten Cylinder sehr leicht selbst verfertigen und das Blech wegen seiner Schwäche mit einer gewöhnlichen Schere schneiden. Der Durchmesser des porösen Thoncylinders ist 2 1/2 Zoll, seine Höhe 6 Zoll. Der denselben umgebende Zinkcylinder entspricht dieser Größe. Der Messingblechcylinder muß dieselbe Oberfläche wie der Zinkcylinder haben. Die ganze erwähnte Vorrichtung steht in dem Glasgefäß, welches mit Wasser gefüllt ist, dem man 3 Procent Schwefelsäure zusetzt und das mit dem Zinkcylinder in Berührung kommt. In den Thoncylinder gießt man Wasser, welches mit dem vierten Theil Kupfervitriolauflösung vermischt ist und dem man noch 1/2 Loth Schwefelsäure und 1/2 Loth gewöhnliche Salpetersäure zusetzt. Nachdem der Apparat 4 Stunden gewirkt hat, setzt man von letzterer Säure nochmals 1/2 Loth zu, und fährt alsdann nach Verlauf von je 4 Stunden auf diese Art fort Zimmer eine gleiche Menge Salpetersäure beizumischen. Nach 2 Tagen ist es am besten den Apparat ganz frisch zu füllen.

Durch die zugesetzte Kupfervitriollösung erhält der gefaltete Messingblechcylinder bald einen Kupferüberzug, wodurch seine Wirkung erhöht wird. In einem zweiten Glasgefäß befindet sich eine filtrirte Lösung von reinem Kupfervitriol in destillirtem Wasser. Auf 1 Gewichtstheil Kupfervitriol nimmt man 5 Theile Wasser, also keine gesättigte Lösung. Nachdem der Apparat auf diese Weise vorgerichtet ist, bringt man in das Gefäß in senkrechter Stellung ein blank gescheuertes starkes Stück Kupferblech, welches man auf passende Weise mittelst eines Kupferdrahtes mit dem gefalteten Messingcylinder des galvanischen Apparates in Verbindung setzt. Das Lichtbild wird mit seiner Rückseite auf ein der Größe desselben entsprechendes, einige Linien starkes Brettchen von Tannenholz, auf welchem seiner ganzen Länge nach 1/2 Zoll breiter Streifen von Kupferblech durch Metallstifte befestigt ist, aufgelegt, und durch einige Stiftchen oder dreiseitig geschnittene Blechstückchen befestigt, dann vollständig mit destillirtem Wasser benetzt und nun ebenfalls in die Kupferlösung rasch eingetaucht, einigemal darin auf- und niederbewegt und in eine Stellung gebracht, daß es parallel mit dem Kupferblech und von demselben ungefähr 1 bis 1 1/4 Zoll entfernt steht. In dieser Stellung bringt man das Ende des Kupferstreifens mittelst sogenannter Klemmschrauben mit dem Zinkcylinder des galvanischen Apparats in Verbindung. Da das Lichtbild auf dem Kupferstreifen aufliegt, so steht also auch dieses in leitender Verbindung mit dem Zink des galvanischen Elementes. Ersteres muß sich, wenn alles in Ordnung ist, rasch mit einer hellrothen Kupferschicht bedecken. |246| Nachdem letzteres geschehen ist, kann man, um die Ablagerung zu beschleunigen, das Bild und die Kupferplatte bis auf 1/4 Zoll nähern. Nach 6, höchstens 8 Stunden ist die Ablagerung stark genug, und man nimmt das Brettchen mit dem Lichtbild aus dem Gefäß, zieht die das Bild befestigenden Stiftchen aus, wäscht ersteres gut mit Wasser ab, und schneidet dann mittelst einer Schere die Ränder des vollkommen trockenen Bildes ab. Die abgelagerte Platte löst sich leicht von dem Lichtbild ab und enthält eine vollkommen treue Copie des letzteren. Die Vorzüge und Schönheit solcher Ablagerungen sind bekannt, und es bedarf daher keiner weiteren Beschreibung. Bei den bisherigen Einrichtungen der zu ihrer Darstellung benutzten Apparate, wo das Lichtbild stets eine horizontale Lage hatte, war aber die Gewinnung einer guten Copie immer sehr unsicher; mit dem oben beschriebenen Apparat kann man aber stets auf ein gutes Resultat rechnen. Das Lichtbild selbst leidet dabei gar nicht, und es wurden von demselben Bild 20 Copien gewonnen, die alle vollständig gelungen waren. Auch von den letzteren lassen sich mit gleichem Erfolg wieder neue Ablagerungen herstellen, sie müssen jedoch zuvor versilbert werden; wie dieß, so wie das Vergolden am besten geschieht, wird im nächstfolgenden Artikel mitgetheilt werden. Daß das mit dem Messingcylinder communicirende Kupferblech, wenn es wie nach einiger Zeit geschieht, aufgelöst ist, durch ein neues ersetzt, so wie daß die Kupfervitriollösung von Zeit zu Zeit filtrirt werden muß, versteht sich von selber. (Polytechnisches Wochenblatt.)

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