Titel: Verfahren zum Rösten des Schwefelkieses ohne Brennmaterial, zum Verdichten der salzsauren Dämpfe bei der Glaubersalzfabrication, und zur Bereitung von Knochenleim; von Hrn. Schneider.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1850, Band 116/Miszelle 3 (S. 322–323)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj116/mi116mi04_3

Verfahren zum Rösten des Schwefelkieses ohne Brennmaterial, zum Verdichten der salzsauren Dämpfe bei der Glaubersalzfabrication, und zur Bereitung von Knochenleim; von Hrn. Schneider.

Hr. Schneider, früher Director der chemischen Fabrik in Sainte-Marie-d'Ognies bei Charleroy (Belgien) zeigt in französischen Journalen an, daß er ein System von Oefen zum Rösten des Schwefelkieses ohne Brennmaterial erfunden habe |323| Bekanntlich gewinnt man seit mehreren Jahren in französischen und ausländischen Schwefelsäure-Fabriken die schweflige Säure durch Rösten von Schwefelkies oder Kupferkies; dieses Rösten geschieht in Flammöfen, welche man unter der Sohle heizt, indem man von derselben aus die Flamme an dem Gewölbe in der ganzen Länge des Ofens hinziehen läßt. Dieses Verfahren verursacht bedeutende Auslagen für Brennmaterial; eine Fabrik, welche in 24 Stunden 12,800 Kilogr. Schwefelkies röstet, verbraucht täglich 5600 Kil. Steinkohlen, also in 300 Arbeitstagen 1,680,000 Kilogramme.

Bei dem Röstsystem des Hrn. Schneider wird gar kein Brennmaterial angewandt, mit Ausnahme des zum Anheizen der Oefen erforderlichen, welches etwa 12 Steres Holz beträgt. Nachdem die Oefen gehörig angeheizt sind, ist kein Brennmaterial mehr nöthig, weil das Rösten der Kiese durch die Verbrennung des in denselben enthaltenen Schwefels geschieht. Hr. Schneider bemerkt noch, daß durch diese Verbesserung die Gestehungskosten der Schwefelsäure nicht unbedeutend vermindert werden.

(Als man in England anfing die schweflige Säure zur Schwefelsäure-Fabrication durch Rösten von Schwefelkies zu gewinnen, benutzte man dazu Schachtöfen, welche man durch glühende Schlacken vorwärmte, worauf der Kies, durch die Wärme der Wände entzündet, immer fortbrennt; man vergleiche die Mittheilung darüber von Dr. Mohr im polytechn. Journal, Jahrgang 1841, Bd. LXXIX S. 106.)

Die zweite Erfindung Schneider's ist ein doppelter Ofen zur Fabrication von Glaubersalz und Salzsäure; er glaubt durch dieses System eine vollständige Verdichtung der sauren Dämpfe zu erzielen; obgleich er weniger Vorlagen anwendet und eine größere Menge Salz als in den jetzt gebräuchlichen Oefen zersetzt, so erfolgt doch die Verdichtung der sauren Dämpfe durch deren innige Berührung mit Wasser viel vollständiger.

Hr. Schneider hat auch Beobachtungen über die Bereitung des Knochenleims gemacht. Die sauren Dämpfe, welche der Verdichtung entgingen, ziehen in mehrere Reihen von hölzernen oder steinernen Kufen, welche mit Knochen gefüllt sind; die Säure wird in diesen Kufen immer auf demselben Grad erhalten, um den phosphorsauren Kalk der Knochen aufzulösen und dadurch die Gelatina frei zu machen. Die nicht verdichteten Gase ziehen aus diesen Kufen in einen doppelten Schornstein ab; der äußere Schornstein empfängt die Verbrennungsproducte der Fabriköfen, während der innere Schornstein, welcher um zwei Drittel weniger hoch ist als der äußere, mit Kohks gefüllt ist, die man mittelst eines Strahls kalten Wassers beständig feucht erhält, damit sie die einziehenden sauren Dämpfe verdichten können. (Moniteur industriel, 1850 Nr. 1449.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: