Titel: Anleitung zur Untersuchung des Zinkoxyds und der damit bereiteten weißen Anstreichfarbe auf eine Verfälschung mit Bleiweiß.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1850, Band 116/Miszelle 4 (S. 323–324)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj116/mi116mi04_4

Anleitung zur Untersuchung des Zinkoxyds und der damit bereiteten weißen Anstreichfarbe auf eine Verfälschung mit Bleiweiß.

Der französische Minister der öffentlichen Arbeiten hat auf den Bericht des Gesundheitsrathes und das Gutachten einer aus Chemikern und Architekten zusammengesetzten Commission hin, die Anwendung des Zinkoxyds als weiße Anstreichfarbe bei allen Staatsgebäuden vorgeschrieben und die Anwendung des Bleiweißes zu diesem Zweck verboten.

Es wurde daher eine Anleitung veröffentlicht, um zu untersuchen: 1) ob das Zinkoxyd Bleiweiß enthält; 2) ob die mit Zinkoxyd (Zinkweiß) bereitete Anstreichfarbe Bleiweiß enthält; 3) ob ein Gewebe oder Papier mit Zinkweiß oder Bleiweiß überzogen worden sind, oder mit einem Gemenge von Zinkweiß und Bleiweiß. Diese Untersuchung läßt sich in kurzer Zeit ausführen und die dazu erforderlichen Reagentien sind: a) Salpetersäure; b) Jodkalium; c) Schwefelleber oder eine Auflösung von Schwefelnatrium.

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Untersuchung des Zinkoxyds.

Wenn man einen Gramm reines Zinkoxyd zu Pulver zerreibt, mit einigen Tropfen Salpetersäure behandelt, mit Wasser verdünnt und Jodkalium zusetzt, so entsteht keine merkliche Färbung.

Nimmt man hingegen Zinkoxyd, welches neun Zehntel Zinkoxyd und ein Zehntel Bleiweiß enthält, und verfährt ebenso, so bewirkt Jodkalium eine schön citronengelbe Färbung.

Wenn man reines Zinkweiß mit einer Auflösung von Schwefelnatrium anreibt, so entsteht keine merkliche Färbung. Ist das Zinkweiß hingegen mit Bleiweiß gemengt, so erhält man je nach der Menge des letztern eine violette oder schwarze Färbung.

Anstreichfarbe mit Zinkweiß.

Wenn man eine mit reinem Zinkoxyd bereitete weiße Anstreichfarbe in einer Porzellanschale mit Wasser, welchem etwas Salpetersäure beigemischt wurde, zerreibt, so entsteht kein Aufbrausen (es müßte denn das Zinkoxyd mit kohlensaurem Kalk versetzt gewesen seyn) und die filtrirte Flüssigkeit, mit Wasser verdünnt, wird durch Jodkalium nicht citronengelb gefärbt.

Enthält hingegen die Anstreichfarbe Bleiweiß, so entsteht ein Aufbrausen und die Flüssigkeit, mit Wasser verdünnt, gibt mit Jodkalium einen schön gelben Niederschlag von Jodblei.

Man kann zum Probiren auch eine Auflösung von Schwefelnatrium oder Schwefelleber anwenden, aber die Reactionen sind nicht so bezeichnend.

Ist die Anstreichfarbe auf eine Mauer aufgetragen, so kann man sie abkratzen, dann verkohlen und einäschern, um den Rückstand zu untersuchen.

Befindet sich die Anstreichfarbe auf einem Zeug, so kann man sie abkratzen, oder auch mittelst eines kleinen Lappens mit Salpetersäure bestreichen und hierauf Jodkalium zusetzen, nachdem man die berührte Stelle mit Wasser abgewaschen hat. Wenn die Farbe mit Zinkweiß gemacht ist, wird sie nicht gelb; ist sie aber mit reinem Bleiweiß oder einem Gemenge von Zinkweiß und Bleiweiß gemacht, so erhält man eine schöne gelbe Färbung, indem sich Jodblei bildet.

Papier welches mit reinem oder versetztem Zinkweiß, in Verbindung mit Leim oder Oel, überzogen ist, untersucht man wie den Zeug. (Journal de Chimie médicale, Novbr. 1849.)

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