Titel: Vorkommen von Jod in Süßwasserpflanzen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1850, Band 116/Miszelle 10 (S. 407–408)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj116/mi116mi05_10

Vorkommen von Jod in Süßwasserpflanzen.

Hr. Ad. Chatin hat das Vorkommen von Jod in der Kresse (Nasturtium officinale), worauf zuerst Müller (Lindley, the vegetable Kingdom, S. 363) aufmerksam machte, nicht nur bestätigt, sondern diesen Stoff in einer Reihe von Süßwasserpflanzen entdeckt, nämlich in Nasturtium amphibum, Conferva crispata, Chara foetida, Fontinalis antipyretica, Typha (Rohrkolben) angustifolia und minima, Scirpus lacustris (Binse), Arundo phragmites (Schilfrohr), Acorus Calamus (Calmus), Sagittaria, Nymphaea (Wasserlilie), Potamogeton crispum und pectinatum, im Wasserpfeffer, Veronica Beccabunga (Bachbunge), |408| Phellandrium aquaticum (Wasserfenchel), Gratiola, Ranunculus aquaticus, Symphytum (Beinwell, consoude), im Alant. Man sieht, daß diese mehr oder weniger Jod enthaltenden Pflanzen weder den Cruciferen (mehrere derselben lieferten bei der Untersuchung kein Jod), noch sonst gewissen Pflanzenfamilien angehören; nur sind sie alle Wasserpflanzen und zwar enthalten die in fließendem Wasser lebenden mehr Jod und diesen zunächst diejenigen in stehenden Wasser, dessen größere Oberfläche vom Wind stark bewegt wird. Das Jod befindet sich nicht im Gewebe, sondern an Alkali gebunden im Safte der Pflanze. Dieses Jod kann nicht von Salzlagern oder Mineralquellen herrühren, sonst würde es nur in den Pflanzen größerer Flüsse zu finden seyn; es muß vielmehr, als ein beständiger Begleiter der salzsauren Salze, zugleich mit diesen von den Wässern ausgewaschen werden. Die eigenthümliche Wirkung mehrerer der genannten Pflanzen gegen Skropheln und Tuberkeln ist dem Jod zuzuschreiben. – Die Analyse dieser Pflanzen geschah auf folgende Weise. Man äscherte die Pflanze vorsichtig ein, laugte die Asche mit kochendem Wasser aus und setzte zur Aufsuchung des Jods mittelst Stärkekleisters, ein Gemisch von Schwefelsäure und Salpetersäure oder Kalisalpeter mit Schwefelsäure zu. Als Gegenprobe wurden jedesmal die Flüssigkeiten entfärbt und das Jod durch Erhitzen verflüchtigt. Je nach ihrem Jodgehalt gaben die Pflanzen entweder sogleich oder erst nach einer gewissen Zeit eine intensive violette Färbung, oder sie gaben eine violettpurpurrothe Färbung entweder unmittelbar, oder ebenfalls nach mehr oder weniger langem Warten. – Man muß bei diesen Versuchen einige Vorsichtsmaßregeln anwenden, z.B. dem Verlust eines Theils des Jods dadurch begegnen daß man die einzuäschernde Pflanze mit Aetzkalilösung befeuchtet, wodurch aber die Asche auch zu schmelzbar werden kann; bekanntlich verschwindet auch die Reaction auf Jod in zu heißen oder zu concentrirten Lösungen leicht, während sie in zu verdünnten Flüssigkeiten sich nicht einstellt etc. (Comptes rendus, März 1850. Nr. 10.)

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