Titel: Das Luftbutterfaß von Nitsche.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1850, Band 116/Miszelle 11 (S. 474)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj116/mi116mi06_11

Das Luftbutterfaß von Nitsche.

Mittelst des sogenannten Luftbutterfasses, welches von dem hiesigen Mühlenbauer Nitsche vervollkommnet ist und von demselben für große wie kleine Wirthschaften zu einem billigen Preise gebaut wird, kann man in fünf Minuten aus frischer Milch schöne Butter erhalten. Nach vielfältigen Versuchen mit diesem Apparate bin ich zu so überraschenden Resultaten gekommen, daß ich es für eine Pflicht der Gemeinnützigkeit halte und um vielfältige Anfragen hierdurch zu erledigen, dieselben schon jetzt öffentlich bekannt zu machen, unter Hinweisung auf die Versuche im Großen, welche der Hr. Bibliothekar Gentzen hier auf dem Lande angestellt hat und demnächst veröffentlichen wird. Der Apparat ist jetzt nach meiner Aufgabe wesentlich verbessert.

In einem kleinen Apparate von etwa 1/4 Kubikfuß Größe erhielt ich aus 2 Pott süßer Milch, welche nur 6 Stunden gestanden hatte, nach 2 Minuten 4 Loth wohlschmeckender Butter und aus dem Rückstande später noch 2 Käse (8 Loth Käsestoff) – im Durchschnitt nach 8 Versuchen. Die kurze Dauer bis zur Butterbildung ist abhängig von der richtigen Temperatur der Milch, als solche fand ich bei mittlerer Luftwärme 18 bis 26° R. Bei größerer Milchmenge, welche aber nicht über 24 Stunden alt war, trat die Butterbildung spätestens nach 10 Minuten ein. Wurde Sahne in dem Apparat verbuttert, so trat die Butterbildung in der Hälfte der Zeit ein, als beim gewöhnlichen Butterverfahren. Die ausgebutterte frische Milch ist nicht sauer, sondern süß, schmeckt wie mit wenig Wasser verdünnte frische Milch und kann noch zu Milchsuppe etc. verbraucht werden.

Mit besonderer Sorgfalt habe ich die Versuche unter der Einwirkung eines elektrischen und galvanischen Stromes angestellt, um zu ermitteln, welchen Einfluß die Gewitterluft des Sommers auf die Butterung ausüben könnte. Die Butterung trat später ein und das Product war schlecht. Ich empfahl nun dem Hrn. Nitsche eine galvanische Versicherung an dem Apparate anzubringen und hatte die Freude, mich sogleich von dem heilsamen Erfolge überzeugen zu können, indem ich mit also eingerichtetem Apparate wieder in kürzester Zeit die schönste Butter erhielt, trotz einer mit Elektricität gesättigten Atmosphäre.

Die großen Vortheile des neuen Verfahrens der Buttergewinnung mittelst des Nitsche'schen Luftbutterfasses bestehen darin: 1) daß man in kürzester Zeit Butter darstellen kann, 2) aus süßer Milch (wodurch man die atmosphärischen Einflüsse während des tagelangen Stehens bis zur Säurebildung beseitigt), 3) daß man weniger Gefäße, Satten etc. gebraucht, 4) daß man im Sommer bei schwüler Gewitterluft eben so gut und eben so viel Butter erhält, als bei günstigem Wetter, 5) daß der Rückstand der abgebutterten Milch nicht sauer, sondern süß ist, und also Süßmilchkäse liefert.

Weitere Mittheilungen sollen folgen.

Neustrelitz, den 6. April 1850.

Roloff, Lehrer an der Realschule.

(Deutsche Gewerbezeitung, 1850 Heft 4.)

Das Princip des erwähnten Luftbutterfasses ist offenbar dasselbe wie bei dem Apparat des Amerikaners Anthony, dessen Vorrichtung in diesem Bande des polytechn. Journals S. 263 beschrieben wurde.

Die Redact.

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