Titel: Ueber Banknoten, insbesondere die englischen, von Hrn. Barlow.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1850, Band 116/Miszelle 12 (S. 474–476)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj116/mi116mi06_12
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Ueber Banknoten, insbesondere die englischen, von Hrn. Barlow.

Hr. Barlow beschrieb in einer Vorlesung welche er über diesen Gegenstand in der Royal Institution hielt, die charakteristischen Kennzeichen der Banknoten und das Verfahren bei ihrer Verfertigung. Die Mittel, welche zum Schutze des Publicums gegen Betrug dienen, bestehen bloß in der vollkommenen Gleichheit und schnellen Erkenntlichkeit der Noten; die geheimen Zeichen wurden schon längst aufgegeben.

Die Kennzeichen des Papiers sind Farbe, Dünnheit, Anfühlen, Wasserzeichen und rauher Rand. Die Farbe ist ein eigenthümliches Weiß. Man hat vorgeschlagen die Noten durch verschiedene Farben zu unterscheiden, um dadurch das Publicum noch mehr vor Betrug zu schützen; dieß geschieht jetzt in Belgien und auch in Rußland circulirt gefärbtes Papiergeld. Auch in Frankreich wurde zu gleichem Behufe eine Färbung eingeführt, wovon man aber bald wieder zurückkam und mit Recht, weil der dadurch gewährte Schutz in der That nur ein scheinbarer war. Die Dünnheit einer englischen Banknote ist etwas sehr in die Augen fallendes; sie ist so dünn, daß durch Auswaschen nichts daran verändert werden kann. Dieß geschah aber ehedem, sowie Verfälschungen durch Ausschneiden des: Fünf und Einsetzen von: Zehn dafür. Das Papier einer Note wiegt jetzt nur 19 1/2 Gran (grains). Als ein Merkmal kann auch die Festigkeit dieses Papiers gelten, nämlich sein Widerstand gegen Abnützung im Verkehr und speciell bei Barlow's Probe; ungeleimt wiegt nämlich eine Note 18 Gran, in welchem Zustande sie ein Gewicht von 36 Pfd. trug; geleimt, wodurch sie selbst um 1 1/2 Gran schwerer wird, trug sie noch weitere 20 Pfd., also im Ganzen 56 Pfd. oder einen halben Zentner; es ist daher nicht zu verwundern, daß eine Banknote so viel aushält. Ihre Festigkeit und Dauerhaftigkeit ist Folge der Güte des dazu verwendeten Materials und der Sorgfalt bei dessen Verarbeitung. Das Gefühl einer Banknote in der Hand ist ein eigenthümliches und beruht auf der krausen Beschaffenheit derselben; dieses Kennzeichen ist den Banknotenbeamten ein so gewohntes, daß einige die verfälschten Noten so schnell durch das Gefühl unterscheiden, als sie die einzelnen Stücke zählen können. Die Wasserzeichen erzielt man durch das Ausbreiten des Zeugs über eine Drahtform und einen auf den Zeug gebrachten Draht. Mit der Drahtform umzugehen ist schwierig, und daher eines der Hindernisse für den Fälscher, welcher sich sein Papier selbst verfertigen muß; jede Nachahmung des Drahtzeichens mittelst der Druckerpresse muß unvollkommen ausfallen. Die Eigenthümlichkeiten des Randes scheinen weniger bekannt zu seyn als die übrigen, obwohl sie ein wichtiges Schutzmittel sind; die rauhen Säume oder Ränder entstehen durch die Verdünnung des Zeuges unter dem Formrahmen und können durch keine andere Bearbeitung des Zeugs hervorgebracht werden. Zwei Noten werden zugleich verfertigt und in der Mitte auseinandergeschnitten; daher hat jede circulirende ächte Note drei rauhe Ränder und einen glatten Rand, letztern auf einer der kürzeren Seiten. Sind diese Kennzeichen nicht vorhanden, so ist die Note verdächtig.

Die eigenthümliche Behandlung des Papieres, um eine Note daraus zu machen, besteht im Bedrucken desselben sowohl mit Typen (Lettern) als mit Platten. Man druckt täglich 30,000 Noten in der Bank, und die vollkommene Gleichheit derselben verbürgt die merkwürdige Eigenschaft des Stahls beliebig weich und hart gemacht werden zu können. Die einmalige Gravirung einer Stahlplatte reicht deßhalb für eine Unzahl von Noten hin; ein Cylinder von weichem Stahl nimmt im Relief ganz genau auf, was in die Platte gravirt ist, und der gehärtete Cylinder überträgt dann dasselbe Dessin auf eine beliebige Anzahl weicher Platten, die hierauf behufs ihrer Anwendung in der Druckerpresse gehärtet werden. Das dem Drucken vorausgehende Feuchten des täglichen Papierbedarfs geschieht nach dem sinnreichen Verfahren des Hrn. Oldham sen.; das in die Flüssigkeit gelegte Papier wird der Einwirkung einer Luftpumpe unterworfen; in dem Maaße als sich das Vacuum bildet, entweicht die Luft aus dem Papier und Flüssigkeit dringt dafür ein. Eine sinnreiche Maschine dient zum Zählen und Registriren der Noten.

Folgendes ist ein Verzeichniß der vom J. 1811–1820 eingelieferten falschen Einpfund-Noten.

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Pfd. St. Pfd. St.
1811 4,825 1816 20,025
1812 11,682 1817 26,179
1813 10,530 1818 25,617
1814 9,973 1819 21,340
1815 12,714 1820 27,993

Im J. 1821 verminderte sich ihr Betrag auf 17,389 Pfd. St.; die Berichte über die Fünf- und Zehnpfund-Noten gaben aber von da an folgende Resultate:

5 Pfd. St. 10 Pfd. St. 5 Pfd. St. 10 Pfd. St.
1821 507 72 1836 52 9
1822 352 61 1837 77 77
1823 214 19 1838 60 9
1824 95 18 1839 96 19
1825 121 9 1840 126 26
1826 345 29 1841 58 9
1827 265 35 1842 79 7
1828 348 63 1843 38 5
1829 431 40 1844 32 3
1830 279 37 1845 34 3
1831 133 11 1846 63 4
1832 159 27 1847 63 2
1833 120 57 1848 214 11
1834 50 13 1849 109 65
1835 52 15

Die Zunahme der Fälschungen in den letzten zwei Jahren erklärt Hr. Barlow durch die unruhigen Zustände Europa's, welche die nothleidenden Talente herausfordern mußten das Papiergeld der beinahe einzigen ruhig gebliebenen Monarchie nachzuahmen. Die Abnahme der Fälschungen im Allgemeinen schreibt er dem Einfluß besserer Erziehung und durchschnittlich zunehmender Moralität zu. (Literary Gazette, 1850 Nr. 1727.)

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