Titel: Martin, über Erzeugung möglichst vollkommener Lichtbilder auf Papier.
Autor: Martin, Anton
Fundstelle: 1850, Band 117, Nr. XLI. (S. 213–221)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj117/ar117041

XLI. Ueber die Erzeugung möglichst vollkommener Lichtbilder auf Papier; von Anton Martin, Custos der Bibliothek des k. k. polytechnischen Instituts in Wien.

Aus den Sitzungsberichten der kaiserl. Akademie der Wissenschaften, 1849, fünftes Heft, S. 81.

Während des letztverflossenen Sommers habe ich mich mit Erzeugung möglichst vollkommener Lichtbilder auf Papier beschäftigt und meine Bemühungen blieben besonders bezüglich der Aufnahme architektonischer Gegenstände nicht ohne Erfolg. Mein Zweck war, die von anderen Experimentatoren angegebenen Vorschriften zu prüfen, das Beste zu behalten oder dieselben auf zweckmäßige Weise abzuändern. Auf diesem Wege habe ich gefunden, daß das photographische Papier besonders für die Darstellungen von leisen Abstufungen im Halbschatten weit empfindlicher präparirt werde, wenn man es zuerst bloß mit Iodkaliumlösung, dann mit einer Lösung von salpetersaurem Silberoxyd imprägnirt, worauf es alsogleich noch naß bekannterweise auf das Blanquart'sche Glas gelegt wird. Talbot, Blanquart und die meisten anderen Experimentatoren haben früher das Papier an der Oberfläche zuerst mit der genannten Silbersalzlösung, dann mit der Iodkaliumlösung und endlich wieder mit einer bei weitem stärkeren mit Essigsäure versetzten Silbersalzlösung überstrichen, was nicht nur ein unnöthiger Aufwand von Material und Arbeit ist, sondern, wie schon gesagt, auch im Erfolge der einfacheren Bereitungsart weit nachsteht. — Beim Hervorrufen der negativen Bilder empfiehlt Blanquart viel Gallussäure anzuwenden, was zwar die freiwillige Zersetzung an den lichten respective Schattenpartien der Bilder verhindert, allein kräftige Bilder erhält man damit nicht, sondern dieß ist nur der Fall bei Anwendung von verhältnißmäßig weniger Gallussäure. Die später anzuführende Fixationsmethode |214| macht das Bild an den lichten Stellen vollkommen rein, und zwar um so leichter, wenn man das Bild vor dem Fixiren mit etwas Weingeist auswäscht, was ich um so gewisser zu thun empfehle, wenn man mit einem gut geleimten, körnigen Papiere arbeitet. Das Bild wird wundervoll klar und durchsichtig. — In meinem Repertorium der Photographie, Wien bei Gerold 1848, empfahl ich als Fixationsmittel eine sehr verdünnte Cyankaliumlösung, welche Methode nach meiner Prüfung vollkommen schöne Bilder liefert, und wobei nur der Uebelstand eintritt, daß man sehr vorsichtig damit manipuliren muß, weil das Cyankalium auch die dunklen respective Lichtpartien sehr leicht zerstört, wenn die Lösung zu stark ist, oder wenn man das Bild zu lange darin läßt. Siedend heiße unterschwefligsaure Natronlösung ersetzt das Cyankalium vollkommen, ohne die zerstörende Wirkung desselben auszuüben. Zuletzt habe ich mich bemüht, die positiven Bilder stark und kräftig zu erzeugen, wobei die Anwendung von siedend heißem unterschwefligsaurem Natron, vorzugsweise bei Vedutten, sehr zu empfehlen ist, wenn man das Bild im Copirrahmen so überkräftig werden läßt, daß es vor der Fixation unschön und fast ohne Nüancirung erscheint, während nach der Fixation alle Nüancen in voller Kraft zum Vorschein kommen.

Bei Porträten ist diese Methode weniger anzuwenden; da die aufgezählten Veränderungen hier isolirt angegeben sind und natürlich nicht in jede Methode hineinpassen, so erlaube ich mir des Zusammenhanges willen, und um diesem Aufsatz einen praktischen Werth zu verleihen, meine Verfahrungsart nach der Reihenfolge der Operationen näher zu beschreiben.

Negative Bilder.

1) Flüssigkeiten:

I. Ein Loth Iodkalium wird in 20 Loth destillirten Wassers aufgelöst und diese Lösung mit 8–10 Tropfen einer concentrirten Cyankaliumlösung versetzt.

II. Ein und ein Viertel Loth grauer Höllenstein wird in 20 Loth destillirten Wassers aufgelöst und mit ein und einem halben Lothe sehr starker Essigsäure (Radicalessig) versetzt.

III. Concentrirte Gallussäurelösung.

IV. Weingeist.

V. Zwei Loth unterschwefligsaures Natron werden in 20 Loth destillirten Wassers aufgelöst.

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2). Apparate: Nebst der Camera obscura und den dazu gehörigen Rahmen, hat man noch zwei Spiegelgläser (Blanquart'sche Gläser) nöthig, welche beide zugleich in den Rahmen leicht hineinpassen, und welcher Rahmen so tief im Falz construirt seyn muß, daß auf die zwei hineingelegten Spiegelgläser rückwärts noch ein Brettchen gelegt werden kann, das so wie der bekannte Schieber von vorne, den Rahmen gegen das eindringende Licht von rückwärts absperrt. Ferner vier bis sechs flache, viereckige Porzellantassen mit ¾ Zoll hohem Rand, welche rund herum um etwa ¾ Zoll weiter seyn müssen als das Papier groß ist, worauf man die Bilder macht. Endlich ein Porzellangefäß sammt Spirituslampe, um das unterschwefligsaure Natron siedend heiß machen zu können, und eine Abdampfschale, um Wachs darin schmelzen zu können.

3). Papier: Feines, gleichförmiges Maschinenpapier, am besten Canson fréres, von welchem man ein Stückchen auf einige Minuten in Wasser legt, es herausnimmt und abtrocknet, um die glatte Seite (Filzseite) von der rauhen (Siebseite) unterscheiden und das Ganze darnach bezeichnen zu können, denn das Bild muß immer auf der glatten Seite gemacht werden. Ein geübtes Auge erkennt übrigens die glatte Seite, ohne das Papier zu nässen.

4). Man gießt die Flüssigkeit Nr. 1 und 2, jede für sich, in zwei vom Staube vollkommen gereinigte, ziemlich horizontal gestellte Porzellantassen.

5). Man nimmt ein Blatt Papier, welches um eine Linie kleiner geschnitten ist als das Blanquart'sche Glas, faßt es bei zwei diagonal entgegengesetzten Ecken, die glatte Seite nach abwärts, und hält es so, daß es sich durch seine eigene Schwere in der Mitte senkt, und legt es dann langsam auf die Oberfläche der Flüssigkeit Nr. 1, indem man die beiden Ecken ebenfalls senkt und endlich gänzlich aus den Fingern läßt. Nun schwimmt das Blatt flach auf der Flüssigkeit, wobei man vorzüglich darauf Acht haben muß, es durch manuelle Fertigkeit dahin zu bringen, daß keine Luftblasen zwischen dem Papiere und der Flüssigkeit haften bleiben. Nachdem man es so ungefähr eine Minute liegen gelassen, lüftet man eine Ecke mit einem reinen Hölzchen, hebt das Papier von der Flüssigkeit ab, läßt es sehr kurze Zeit abtropfen, faßt es an einer zweiten Ecke und legt es mit der trockenen Seite auf ein Blatt Schreibpapier, und trocknet die nasse Seite mit Löschpapier, indem man dieses darauf legt und mit der slachen Hand darüber streicht, damit alle überflüssige Iodkaliumlösung davon aufgesaugt werde. Ein zweites reines Löschpapier vollendet das Abtrocknen. — Ich habe hier die Methode des Schwimmens und Abtrocknens genau beschrieben, und werde später, so |216| oft sich diese Operationen wiederholen, die Beschreibung weglassen, indem ich auf den gegenwärtigen Paragraph verweise.

6) Man läßt die, durch Operation Nr. 5 mit Iodkalium imprägnirte Seite des Papiers auf Flüssigkeit Nr. 2 höchstens 12–25 Secunden schwimmen, hebt es bei einer Ecke ab, faßt es mit der andern Hand von rückwärts bei der diagonal entgegengesetzten Ecke, und legt es noch ganz naß mit der nassen Seite auf das eine, mit destillirtem Wasser gut abgewaschcne und abgetrocknete Spiegelglas, gerade so, als wäre dieses eine Flüssigkeit und man wollte das Papier darauf schwimmen lassen. Durch Adhäsion haftet das Papier ganz flach auf dem Glase, und das richtige Auflegen gelingt nack einiger Uebung vollkommen, ohne daß man an dem Papiere zerren und rücken darf, wobei es leicht zerreißt. Liegt es nicht richtig, so hebt man es lieber nochmals ab und versucht es neuerdings aufzulegen.

7) Das Blanquart'sche Glas mit dem adhärirenden Papier wird in den Rahmen mit der Glasseite gegen den Schieber gelegt; darauf kommt ein ganzes Quartblatt Löschpapier, welches man durch Darauflegen des zweiten Spiegelglases gewissermaßen in den Rahmen hineinklemmt, und worauf man den Rahmen mittelst des Brettchens schließt. Das Löschpapier wird darum zwischen die beiden Gläser gelegt, weil man mittelst der, selbst vor das Vrettchen vorstehenden Ränder, das zweite Glas von der Rückseite des photographischen Papiers nach der Exposition abhebt, was sonst, da das photographische Papier naß ist, Schwierigkeiten macht; zugleich saugt dieses Löschpapier die an den Rändern sich ansammelnde Flüssigkeit auf, wodurch man reinlicher zu arbeiten im Stande ist.

8) Exposition in der Camera: Die Zeitdauer derselben hängt natürlich von der Beleuchtung und der Lichtstärke des Apparates ab. Bei Voigtländer's Apparat Nr. 19 braucht man für ein Porträt im Zimmer, bei schöner Beleuchtung, 25–30 Secunden; zur Aufnahme eines von der Sonne beschienenen Gebäudes, mit der vorderen eigens dazu vorgerichteten Linse desselben Apparates, 20 Secunden.

9) Man hebt mittelst des am Rahmen vorstehenden Löschpapieres das Brettchen und das zweite Glas vom Rahmen ab, nimmt das Blanquart'sche Glas mit dem adhärirenden Papier heraus, und gießt ungefähr einen Eßlöffel voll Gallussäure (Flüssigkeit Nr. 3) in eine Porzellantasse, faßt das Papier wieder bei zwei diagonal entgegengesetzten Ecken, hebt es vom Glase ab und legt es auf die Gallussäure, gerade so, als wollte man es schwimmen lassen, mit der Präparirten |217| und bereits belichteten Seite nach abwärts. Das Papier ist noch naß, und die Gallussäure benetzt bei einiger Vorsicht alsogleich das ganze Bild, was wichtig ist, weil sonst leicht Flecken entstehen, was man wohl auch dadurch verhindern kann, daß man das Bild einbis zweimal, gleich nach dem Darauflegen, wieder lüftet oder die Tasse hin und her neigt, damit die Gallussäure sich schnell über die Bildsläche verbreitet. Hier läßt man das Bild 25 Minuten und oft noch bedeutend länger, kurz so lange liegen, bis es in allen Theilen überkräftig ist, was man durch öfteres Ansehen ermittelt.

10) Man nimmt das Bild heraus, legt es in eine andere Tasse, die Bildfläche nach aufwärts, und gießt einen Löffel voll starken Weingeists darauf, der alsogleich das Papier bis ins feinste Fäserchen durchdringt und vollkommen rein und klar macht, worauf man, nach ungefähr einer Minute durch Neigen der Tasse, den überflüssigen Weingeist in einer Ecke ansammeln läßt, um ihn abzugießen.

11) Man siedet in einem Porzellangefäße die Flüssigkeit Nr. 5, und gießt sie siedend heiß (bloß warm erfüllt sie nicht ihren Zweck) in eine Porzellantasse, welche diesen Temperaturwechsel auszuhalten im Stande ist, worauf man schnell das ganze Bild, noch naß vom Weingeist, hineinlegt, wobei man aber Acht haben muß, sich die Finger nicht zu verbrennen. Bequemer ist es, das Natron gleich über das in der Tasse liegende Bild zu gießen, was aber einige Achtsamkeit erfordert, weil dort wo der Strahl auffällt, leicht Flecken entstehen. Man läßt das Bild nach Umständen, d. h. nach Maaßgabe seiner Kraft, eine bis zwei Minuten darin liegen, während man es mit einem Hölzchen lüftet und durch Anfassen am Rande im Natron bewegt, kurz auf irgend eine Weise Sorge trägt, daß es ja von oben und unten vom Natron durchdrungen wird.

12) Man nimmt das Bild aus der heißen Natronlösung heraus, trocknet es mit Löschpapier etwas ab und legt es noch ganz feucht in destillirtes Wasser, was man ein-bis zweimal wechselt, worauf es nach einer halben Stunde herausgenommen, abgetrocknet und durch Liegenlassen ganz ausgetrocknet wird. Die in Nr. 11 gebrauchte Natronlösung wird schmutzigbraun, bekommt, besonders wenn man sie lange in der Tasse läßt, einen starken Niederschlag; allein trotzdem ist die Lösung sehr oft zu gebrauchen, nur muß man sie vor dem Gebrauche filtriren.

13) Man schmilzt weißes Wachs und gereinigtes Unschlitt (z. B. Hirschunschlitt) zu gleichen Theilen in einer Abdampfschale, streicht diese |218| Mischung mittelst eines breiten Borstenpinsels nicht zuheiß (weil sonst der Pinsel verbrennt) auf die Rückseite des Bildes, welches man später zwischen Löschpapier, ebenfalls nicht zu heiß, mit einem Plätteisen bügelt, so zwar, daß das überflüssige Wachs herausgezogen wird, wobei aber doch das ganze Bild mit Wachs durchzogen bleiben muß, weil zu sehr vom Wachs entblößte Stellen undurchsichtig werden und den reinen Abdruck erschweren, oder, besser gesagt, verhindern. Hat man bei Porträten hinter der Person nicht einen sehr hellweißen Hintergrund, welcher auf dem negativen Bilde vollkommen schwarz ist, so zeichnet man sich die Contouren des Porträts durch das Fenster noch vor dem Wachsdurchziehen sehr genau ab, und deckt Alles außerhalb der Contouren, was also auf dem positiven Bilde weiß bleiben soll, mit stark angeriebener Tusche, worauf man nach dem Trockenwerden erst die Operation des Waschens vornimmt.

Positive Bilder.

14) Flüssigkeiten:

VI. 168 Gran Kochsalz werden in 20 Loth destillirten Wassers aufgelöst.

VII. 2 Loth grauer Höllenstein werden in 20 Loth destillirten Wassers aufgelöst.

VIII. 2 Loth unterschwefligsaures Natron werden in 20 Loth destillirten Wassers aufgelöst und mit einer Lösung von 30–40 Gran Höllenstein in 1 Loth Wasser versetzt. Man gießt die Silbersalzlösung in einem dünnen Strome, unter immerwährendem Umrühren der Natronlösung, in diese letztere.

15) Apparate: Vier Porzellantassen, ein Copirrahmen, d. i. zwei in einen Rahmen einzulegende starke Spiegelgläser, welche eben in diesem Rahmen entweder durch Schrauben oder auf irgend eine andere Weise an einander gepreßt werden können. Gewöhnlich befindet sich bei jedem Apparate ein solcher Copirrahmen.

16) Papier: Für positive Bilder ist die Wahl des Papiers nicht so schwierig; jedes weiße glatte Papier genügt, allein es bleibt nicht zu läugnen, daß verschiedene Papiersorten auf den Ton der Bilder Einfluß nehmen. Auch hier muß das Bild auf die glatte Seite gemacht und das Papier etwas größer geschnitten werden als das negative Bild.

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17) Schwimmenlassen auf der Flüssigkeit Nr. 6 durch circa 1½ Minuten.

18) Abtrocknen.

19) Schwimmenlassen auf der Flüssigkeit Nr. 7 durch 2 Minuten.

20) Abtrocknen.

21) Operationen 17 bis 20 wiederholt.

22) Das Papier wird sorgfältig abgetrocknet, indem man ein neues Löschpapier darauf legt, welches man durch häufiges Streichen fest an das feuchte Papier andrückt, denn wenn das Copirpapier nicht sehr abgetrocknet ist, überträgt es Chlorsilber auf das negative Bild und erzeugt dort Flecken, welche spätere Abdrücke verderben. Das Papier ganz getrocknet zu gebrauchen wäre vorzuziehen, wenn nicht das etwas feuchte Papier empfindlicher wäre, wodurch die Operation beschleuniget und das Bild überhaupt schöner wird.

23) Man legt das Copirpapier auf eine Spiegelplatte mit der präparirten Seite nach aufwärts, darauf wird das negative Bild mit der Bildfläche nach abwärts so gelegt, daß das Copirpapier ringsum vorsteht, zuletzt legt man die zweite reine Spiegelplatte oben auf und gibt das Ganze in den Copirrahmen, so daß das negative Bild frei dem Lichte ausgesetzt werden kann, während der Copirrahmen von unten durch ein Brett oder schwarzes Papier gegen das Einbringen des Lichtes geschützt seyn muß.

24) Exposition im Lichte nach Maaßgabe der Kraft des negativen Bildes: Im Sonnenlichte 7–12 Minuten, im zerstreuten Tageslichte ¾ Stunden, wohl auch länger; die Färbung des vorstehenden Randes, der fast schwarz werden muß, gibt einen Anhaltspunkt, allein die eigentlich richtige Zeit der Exposition hängt auch davon ab, ob man später kalt oder heiß fixirt; in letzterem Falle muß sie länger dauern, damit das Bild überkräftig werde.

25) Man nimmt das Bild aus dem Copirrahmen und legt es in die kalte Flüssigkeit VIII, wo es alsogleich röthlichbraun und sehr klar wird. Sollte es nach und nach alle Kraft verlieren, so war die Zeit der Exposition zu kurz, war es aber die richtige Zeit exponirt, so bleibt es in gehöriger Kraft. Man läßt es eine halbe Stunde bis zwei Stunden in der Natronlösung liegen, wobei es etwas den Ton ändert, worauf man es herausnimmt, abtrocknet und während einiger Stunden in zweibis dreimal gewechseltem destillirten Wasser sorgfältig auswäscht, denn |220| ein schlecht ausgewaschenes Bild bleicht nach und verliert seine ganze Kraft. Dieß ist die kalte, besonders bei Porträts anzuwendende Fixation. Bei Vedutten, welche man im Copirrahmen überkräftig werden läßt, siedet man die Natronlösung VIII und gibt das Bild schnell hinein; es erhält dadurch nach Vollendung der Fixation besondere Kraft und der lichte Grund wird gelblich gefärbt, was dem Bilde das Ansehen eines Tondruckes gibt, während die Färbung des Bildes selbst dunkelsepia, ja oft sammtschwarz wird. Den Ton in einer bestimmten Nüance hat man vor der Hand nicht so ganz in seiner Macht. Vedutten, kalt fixirt wie früher die Porträte, dürfen, wie gesagt, nicht gar so lange wie bei der heißen Fixation im Copirrahmen exponirt werden und erhalten dann eine purpurbraune Farbe mit weißen Lichtern. Das Auswaschen mit Wasser zum Schlusse der Operation ist auch bei Vedutten sehr wesentlich. Die Natronlösung kann neu filtrirt oft gebraucht werden, wenn sie auch braun geworden ist.

26) Das nach dem Waschen vollkommen ab- und ausgetrocknete Bild wird auf einen Carton aufgeklebt und die Porträte von einem Maler nachgebessert; die Vedutten bedürfen keiner Nachbesserung, mit Ausnahme der Deckung kleiner weißer Tupfen, die unvermeidlich sind und wodurch das Bild, wie die Künstler sagen, ruhiger wird. Die Farbe mischt man aus Neutralblau, Carmin und Sepia. Zuletzt glättet man das Bild vorsichtig mit einem Falzbein oder einem breiten Achatstein.

Als allgemeine Bemerkungen füge ich noch hinzu, daß man die höchste Reinlichkeit beobachte, die Natrontassen nie zu anderen Zwecken gebrauche, oder sie sehr sorgfältig auswasche; daß die Tasse zum Hervorrufen zuletzt vor dem Gebrauche mit destillirtem Wasser ausgewaschen werden müsse, daß man alle Operationen, mit Ausnahme der Expositionen, im dunklen Zimmer machen müsse, und daß die beiden Methoden für positive und negative Bilder, wie sie beschrieben sind, unmittelbar vor der Anwendung durchgeführt werden müssen, was bei Porträts gar nichts genirt, bei Vedutten aber wohl erfordert, daß man das Papier dort präparirt, wo man das Bild aufnimmt. In meiner späteren Versuchsreihe werde ich mich mit der Untersuchung der Bedingungen befassen, unter welchen man zwischen der Präparation und Exposition bei der nassen Blanquart'schen Methode längere Zeit verstreichen lassen darf. Für eine trockene Methode findet man Auskunft in meinem Repertorium Bd. I S. 93. Durch Anwendung des Blanquart'schen |221| Glases kommt das Papier um die Glasdicke mehr rückwärts zu stehen als der optische Focus der Linsencombination, worauf man beim Einstellen Rücksicht nehmen muß, gewöhnlich aber, wenigstens bei Voigtländer's Apparaten, corrigirt eben diese Glasdicke die Differenz zwischen dem optischen und chemischen Brennpunkt.

Ueber den chemischen Brennpunkt sehe man Repertorium Bd. II S. 13. Will man gerade nicht Geld sparen, so kann man für positive Bilder die Lösungen VI und VII doppelt so stark machen. Die Temperatur hat auf die Photographie auf Papier bedeutenden Einfluß, so daß die Bilder, namentlich Vedutten, im Sommer weit besser gelingen.

Der Apparat, mit welchem die der k. k. Akademie vorgelegten Bilder der Karlskirche gemacht wurden, ist von ausgezeichnet gleichmäßiger Schärfe. Er wurde von Voigtländer und Sohn in neuester Zeit zum erstenmale ausgeführt und läßt nichts zu wünschen übrig. Er besteht aus einer achromatischen Linse von 2 Zoll Oeffnung mit einem Diaphragma von nur 5 Linien, und dennoch ist er bei einer Brennweite von 12 Zoll so lichtstark, daß er ein Bild eines von der Sonne beleuchteten Gebäudes mit allen Abstufungen im Halb- und Schlagschatten im Sommer in 20–25 Secunden vollendet. Sonnenbeleuchtung ist übrigens bei Aufnahme architektonischer Gegenstände durch die Photographie unumgänglich nöthig, weil sonst das Bild monoton ausfällt. Voigtländer hat zu seinem Apparate Nr. 19 eine Diaphragma-Vorrichtung angefertiget, welche die vordere Linse des Objectives, die mit der obgenannten den Krümmungshalbmessern nach identisch ist, an eine Landschafts-Camera anzuschrauben erlaubt und wodurch dieser Apparat, da er auch etwas kleiner gehaltene Daguerreotypien mit großer Schärfe liefert, allen Anforderungen eines Photographen entspricht.

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