Titel: Browne's Verbesserungen in der Construction der mechanischen Webstühle etc.
Autor: Browne, Thomas
Fundstelle: 1850, Band 117, Nr. LXVIII. (S. 342–348)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj117/ar117068

LXVIII. Verbesserungen in der Construction der mechanischen Webstühle und in der Fabrication von Seilen und Treibriemen, welche sich Thomas Browne in Hampen, Gloucestershire, einer Mittheilung zufolge am 29. Juni 1849 patentiren ließ.

Aus dem London Journal of arts, April 1850, S. 145.

Mit Abbildungen auf Tab. V.

Der erste Theil der Erfindung besteht in einer gewissen Einrichtung des Webstuhls, wonach die Lade den Eintrag mehrere Male hintereinander anschlägt, um dadurch die Dichtigkeit des Gewebes zu erhöhen; ferner darin, daß man einen hölzernen oder eisernen Stab von keilförmigem Querschnitt zwischen die offene Kette bringt, um den letzten Eintrag noch inniger anzutreiben und die Kette für den nächsten Eintrag frei zu öffnen. Mittelst dieser Einrichtungen läßt sich ein sehr festes Tuch, Canevaß oder anderes Gewebe erzeugen.

Der zweite Theil der Erfindung bezieht sich auf die Fabrication röhrenförmiger Gewebe für Schläuche auf dem Maschinenwebstuhl; der dritte Theil auf die Fabrication von Säcken und ähnlichen Artikeln, der vierte Theil auf die Fabrication von Treibriemen; der fünfte auf die Fabrication von Seilen.

Fig. 14 stellt einen Theil des Webstuhls zum Weben breiter Zeuge, z. B. des Segeltuchs und anderer Fabricate, bei denen der Eintrag fest aufgeschlagen werden muß, mit dem verbesserten Zugehör im Frontaufriß, Fig. 15 in der rechten Seitenansicht dar.

A, A ist das Hauptgestell; B der Brustbaum; C die Lade; D, D die Seitenhebel der Lade (lay swords); E, E die Kette; F, die durch Dampf oder eine andere Triebkraft in Bewegung gesetzte Hauptwelle; G, die feste und lose Rolle. Der Apparat zur Erzeugung des Dessins oder Musters (the castle) ist in Fig. 20 nach einem größeren Maaßstabe im Frontaufriß, Fig. 21 in der Seitenansicht dargestellt. I ist die Walze, welche das Muster mit Hülfe der nach Willkür des Webers auf ihrer Peripherie vertheilten Stifte erzeugte. K, Fig. 15, eine an einem Winkelhebel oder einer Rolle befestigte Stange oder Schnur, welche durch einen jener Stifte gelegentlich, wenn nämlich der |343| Schütze sich quer durch die Kette bewegen soll, in Thätigkeit gesetzt wird. Dieser Schütze bewegt sich jedoch nicht, ohne daß ein Stift eine Bewegung veranlassende Lage angenommen hat.

Der Zweck dieser Anordnung soll unten näher erläutert werden. L ist eine hölzerne oder metallene Stange von keilförmigem Querschnitt, welche durch einen Hebel M in die offene Kette eingeschoben wird. Der Hebel M wird durch eine excentrische Scheibe in Thätigkeit gesetzt, welche die geeignete Gestalt hat, um die Stange ein- oder zweimal während einer Drehung der Welle O in die offene Kette zu werfen.

Zur besseren Erläuterung dieses Theils der Erfindung stellt Fig. 16 die Lade C, den Schützen Q, die Stange L und das Rietblatt R, in größerm Maaßstab gezeichnet, dar. Lade und Riet sind wie bei gewöhnlichen Webstühlen construirt. Die Construction des Schützens jedoch ist eine eigenthümliche; er besitzt nämlich an seiner inneren Seite eine Erweiterung in der Breite; diese Seite ist auf die ganze Länge des Schützen hohl. Die Stange L wird an der Vorderseite des Rietblattes mit ihrem Wagen a in einer Rinne b, Fig. 14 und 17, hin- und hergeschoben.

Um sie während dieser Bewegung vollkommen horizontal zu erhalten, ist der Wagen mit einem Leitarm S versehen, welcher in einer auf der Lade oberhalb des Rietblattes befestigten Führungsbüchse T gleitet. Die Construction des Wagens a und seines Leitarmes S läßt sich am deutlichsten aus den vergrößerten Ansichten Fig. 18 und 19, welche diese wirksamen Theile im Aufriß und Grundriß darstellen, entnehmen.

Die Hin- und Herbewegung der Stange L wird dadurch veranlaßt, daß sie an das Ende des schwingenden Hebels M befestigt ist, welches zwischen den beiden Rollen des Wagens a liegt. Der Hebel M (Fig. 14) hat einen Drehungspunkt in dem Träger U und wird vermittelst des Arms V durch das Excentricum N in Schwingung gesetzt; bei c hat er ein Scharnier, um den Schwingungen der Lade folgen zu können. Nachdem die Schiene L zwischen die offene Kette gebracht und der Schütze hindurchgeworfen worden ist, so wird, wenn die Lade vorwärts kommt, die schräge Kante der Schiene den Eintrag fest antreiben und für den nächsten Eintrag eine freie Oeffnung herstellen. Um jedoch diese Thätigkeit der Schiene L möglich zu machen, ist es nöthig die Lade C auf einen Abstand gleich der Breite der Schiene zurückzuziehen, und dieses geschieht auf folgende Weise. Die Lenkstange W ist, wie aus der Seitenansicht Fig. 15 erhellt, mit dem Seitentheil |344| D der Lade durch ein Doppelgelenk d verbunden, und der Bolzen des oberen Gelenkes ist in eine senkrechte Stange X eingesetzt, deren unteres Ende mit dem Seitenhebel der Lade durch einen rechtwinkeligen Winkelhebel e verbunden ist. Das andere Ende dieses Hebels enthält eine kleine Stange f, welche an eine Stahlfeder g befestigt ist. Diese Feder ist an die Vorderseite des Seitenhebels der Lade befestigt, und hält den Hebel e nebst der senkrechten Stange X und dem Arm W in der dargestellten Lage, wenn sich die Stange L zwischen der Kette befindet. Ein mit einem Haken versehener Hebel Y hängt in beinahe horizontaler Lage an einem Stift des Seitengestells (Fig. 15). Dieser Hebel wird durch eine senkrechte mit dem Musterapparate verbundene Stange h gehoben oder niedergelassen. Wenn nun der Musterapparat den Hebel Y hebt, was der Fall ist während die Schiene L sich zwischen der Kette befindet, so wird der Haken k des Hebels Y bei der Vorwärtsbewegung der Lade den Stift i des Winkelhebels unberührt lassen; wird aber der Hebel Y niedergelassen, was der Fall ist wenn die Schiene L sich nicht zwischen der Kette befindet, so kommt bei der Vorwärtsbewegung der Lade der Stift i mit dem Haken k des Hebels Y in Berührung. Dadurch werden die Stangen W und X, sowie der Winkelhebel e in die durch Punktirungen angedeutete Lage gezogen und die Lade wird um die Breite der Stange L vorwärts bewegt. Zur Adjustirung des Abstandes, um welchen die Lade sich zurückbewegen soll, ist eine Regulirungsschraube l in einen an die Rückseite des Seitenhebels der Lade bestigten Träger eingelassen.

Der Fig. 20 und 21 dargestellte verbesserte Apparat zum Figurenweben besteht aus einer Art Orgelwalze I, in deren Peripherie Reihen von Stiften eingefügt sind, um das Geschirr des Webstuhls zum Weben gemusterter Zeuge in Thätigkeit zu setzen. Das Eigenthümliche dieser Verbesserung besteht in einem selbstthätigen Apparat, welcher während der Procedur des Webens die Walze um eine geringe Strecke seitwärts verschiebt, wodurch in dem Gewebe verschiedene Figuren sich bilden. Die Walze I ist auf eine ähnliche Weise wie der Kartencylinder des Jacquardwebstuhls mit dem Musterapparat verbunden und wird durch eine unten mit der gewöhnlichen Kurbelwelle F verbundene verticale Stange m gehoben und gedreht. Die Hebung der Stange m bringt die Walze mit der senkrechten Stahlfeder n, Fig. 20, in Berührung, ein Walzenstift drängt die Federn n zurück und bewegt dadurch die durch eine horizontale Schiene r mit der Feder verbundenen Hakenstangen p, q seitwärts, so daß der Haken der Stange p von |345| den Hebeschienen s mitgenommen, und der Haken der Stange q über die Hebeschiene t gebracht wird. Das nun erfolgende Steigen der Hebeschienen hebt das rechte Ende des Hebels Z und mit diesem diejenigen Theile des Geschirrs, welche dem mit dem rechten Geschirrhebel u verbundenen Muster entsprechen. Befindet sich jedoch an dieser Stelle der Walze I kein Stift, welcher gegen die senkrechte Feder n schlägt, so bleiben die Hakenstangen p und q in der Lage wie sie Fig. 20 darstellt; der Hub der Schienen s und t hebt alsdann das linke Ende des Hebels Z und vermittelst des Hebels v die übrigen Theile des Geschirrs.

Es ist angenommen, die Stifte seyen auf der Walze Fig. 21 so angeordnet, daß sie einen Wechsel von drei Figuren hervorbringen; in der genannten Figur sind nur zwei Federn n in Wirksamkeit dargestellt, und diese sind so weit von einander angeordnet, daß der Raum von zwei Stiften zwischen ihnen liegt. Angenommen nun, die ganze Federnreihe n sey befestigt und ein dreifacher Köper eben in Arbeit, und es solle die Walze so verschoben werden, daß ein gewässertes Muster (tabby-tie) entstehe. Dieses geschieht vermittelst einer endlosen über zwei Rollen geschlagenen Schnur w, w, welche in gewissen Abständen mit Knoten versehen ist. Diese Schnur wird dadurch in Bewegung gesetzt, daß ein an der Achse der unteren Rolle befindliches Zahnrad x in eine an der Kurbelwelle befindliche endlose Schraube greift. An einem in das Gestell befestigten Stifte befinden sich zwei Hebel y und z, wovon der letztere viel dünner als der erstere ist. Diese Hebel sind in Fig. 22 und 23 abgesondert in der Seitenansicht und im Grundriß dargestellt. Nahe an den Enden der kürzeren Arme der Hebel befinden sich schmalgeschlitzte Löcher mit offenen runden Enden für den Durchgang der Schnur w. Indem nun diese Schnur durch den langen Schlitz läuft, drückt ein gegen die obere Seite des dünnen Hebels z stoßender Knoten den kürzeren Arm dieses Hebels nieder und hebt dadurch den längeren Arm aus der mit 1 bezeichneten Stufe der Walze, so daß die letztere durch das seitwärts angebrachte Gewicht Fig. 21 um eine Strecke gleich der Dicke des Hebels verschoben wird.

In Folge der Niederbewegung des kürzeren Hebelarms gleitet der Knoten der Schnur gegen das Ende des Schlitzes und schlüpft sodann durch das runde Loch. Sobald dieses erfolgt ist, kann auch der längere Hebelarm wieder auf die Walze fallen und zwar wegen der erfolgten Verschiebung der letzteren auf die Stufe 2. Die Fortbewegung der Schnur w bringt nun den Knoten mit dem kürzeren Ende des Hebels |346| y in Berührung und hebt auf ähnliche Weise wie oben den längeren Arm des Hebels y von der Stufe 1. Die Walze wird jetzt durch das Gewicht ein wenig weiter verschoben, jedoch durch den auf der Stufe 2 liegenden Hebel z angehalten.

Bei dieser Lage werden die Stifte des zweiten oder des gewässerten Musters veranlaßt auf die Federn n zu wirken und die diesem Muster entsprechende Bewegung des Geschirrs hervorzubringen. Auf ähnliche Weise wird die folgende Seitenbewegung der Walze hervorgebracht, welche die Stifte des dritten Musters in Thätigkeit bringt. Wenn das dritte Muster eingewoben ist, so zieht der Weber die Walze mit Hülfe der rechts von derselben angebrachten Schnur in ihre vorherige Lage zurück. Soll ein längeres Muster gewoben werden, als die Peripherie der Walze aufnehmen kann, so wendet man das Fig. 24 dargestellte endlose Stiftenband an; dieses wird um eine Walze gelegt und bewegt sich um dieselbe wie die Musterpappen einer Jacquard-Maschine.

Die zweite Abtheilung der Erfindung, welche sich auf die Fabrication von Schläuchen bezieht, besteht der Hauptsache nach in der Anwendung einer Reihe von Schienen, ähnlich der Schiene L, welche bei der soeben beschriebenen Maschine angewendet wird. Der Zweck dieser Anordnung geht darauf hinaus, durch wiederholte Schläge, in Abwesenheit der Schützen, ein recht festes und dichtes Gewebe herzustellen, und die Kette weit zu öffnen. Die Art und Weise, wie man die Schienenreihen L anordnet, besteht darin, daß man die kurzen Längen der keilförmigen Stangen mit Hülfe von Armen, welche von einer unterhalb des oberen Theils der Lade quer über den Stuhl sich erstreckenden Leitstange abwärts gehen, in einer horizontalen Reihe anordnet. Die Fäden der röhrenförmigen Gewebe sind mit Gutta-percha überzogen oder das Gewebe besteht aus Gutta-percha-Fäden in Verbindung mit Fäden anderer Stoffe. Das fertige Gewebe wird durch Anwendung von Hitze wasserdicht gemacht.

Folgendes ist die Methode die Fäden mit Gutta-percha zu überziehen. Fig. 25 stellt den hiezu dienlichen Apparat im Aufriß, Fig. 26 im Grundrisse dar. A ist ein Gestell, welches die Spulen trägt, auf die das Garn gewickelt ist; B ein mit geschmolzener Gutta-percha gefüllter Trog mit doppeltem Boden und doppelten Wänden zur Aufnahme von Dampf. Durch die in diesem Trog befindliche Gutta-percha werden die Fäden unter und über Rollen geleitet. Aus dem Trog tretend laufen die Fäden durch Löcher, welche die überflüssig anhängende |347| Gutta-percha abstreifen. Von hier werden die Fäden zum Behuf der Abkühlung durch kaltes Wasser gezogen, und dann zum Gebrauch aus Spulen gewickelt.

Der dritte Theil der Erfindung besteht in der Anwendung der oben beschriebenen Musterwalze nebst zugehörigem Mechanismus zum Weben von Säcken. Der Webstuhl ist mit einer gewöhnlichen doppelten Schützenbüchse ausgerüstet. Oben auf dem Stuhl ist der bereits beschriebene Musterapparat angeordnet. Angenommen, die Mündung des Sacks solle zuerst gewoben werden, so arbeiten zwei Schützen abwechselnd; wenn nun eine zur Herstellung der Sackmündung hinreichende Menge gewoben ist, so wirkt die Knotenschnur auf die beschriebenen Hebel und bringt durch Verschiebung der Walze das folgende Muster, welches für den Körper des Sackes sich eignet, in Betrieb; zugleich sinkt die Schützenbüchse herab, so daß jetzt nur noch ein Schütze in Thätigkeit ist. Nachdem das Gewebe für den Körper des Sackes weit genug vorgeschritten ist, stellt der Weber den Webstuhl still, und bringt ein weit stärkeres Garn in den Schützen, um den Boden des Sackes zu weben.

Der vierte Theil der Erfindung, welcher sich auf die Fabrication der Treibriemen bezieht, besteht darin, daß man Stränge von Hanf, Flachs oder anderm Stoffe durch heiße in einem Trog befindliche Guttapercha zieht, wie dieses mit Bezug auf Fig. 25 und 26 beschrieben wurde. Nachdem sie abgekühlt und auf Spulen gewickelt worden sind, werden sie mit oder ohne Gutta-percha-Strängen zu Bändern verwebt, und nachher in einem heißen Raum bis 75° R. erhitzt. Um die Substanz in eine Masse zu bringen, läßt man sie zwischen Walzen pressen. Ist der Stoff in Gestalt eines breiten Zeuges gewebt, so kann dieses in Maschinen-Treibriemen von der erforderlichen Breite zerschnitten werden.

Der fünfte Theil der Erfindung bezieht sich auf die Fabrication von Seilen. Der Patentträger nimmt Stränge von Hanf oder einem anderen tauglichen Stoffe, und behandelt sie auf die in der zweiten Abtheilung des Patents mit Bezug auf Fig. 25 und 26 angegebene Weise. Aus dem Behälter mit heißer Gutta-percha werden die zu der Dicke eines Seils erforderlichen überzogenen Stränge in heißem Zustande zusammen und ohne weitere Drehung durch eine Reihe conischer Röhren C, C, C, Fig. 25 und 26, geleitet. Das Ende des Seils wird sodann an die Walze einer Winde D befestigt und gewaltsam durch sämmtliche Röhren gezogen. Der Durchmesser dieser Röhren nimmt von |348| der ersten an immer mehr ab, so daß das Seil nach Maaßgabe seines Vorrückens in immer compacteren Zustand zusammengepreßt wird; die bei dem Durchgang durch die Röhren abfließende Gutta-percha wird in untergestellten Behältern aufgefangen. Die Röhren C werden während dieser Operation durch Gasflammen erwärmt. Bei der Fabrication gedrehter Seile wendet der Patentträger mit Gutta-percha überzogene Schnüre an und dreht nach erfolgter Abkühlung sämmtliche Stränge auf die bei der Anfertigung der Seile gewöhnliche Weise zusammen; sodann erhitzt er das gedrehte Seil in einer Kammer bis auf ungefähr 75° R. und zieht es durch eine conische Röhre, um es auf diese Weise compacter zusammenzupressen.

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