Titel: Unglücksfälle bei der Bereitung und Aufbewahrung einiger chemischen Producte.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1850, Band 117/Miszelle 9 (S. 158–159)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj117/mi117mi02_9

Unglücksfälle bei der Bereitung und Aufbewahrung einiger chemischen Producte.

Die durch Zufall und Unvorsichtigkeit veranlaßten Unglücksfälle bekannt zu machen, gewährt stets Nutzen und ist gewissermaßen Pflicht.

Schwefelkohlenstoff.

Ein Pariser Haus erhielt unlängst zwei Flaschen Schwefelkohlenstoff, welche 30 Kilogr. von dieser jetzt zum Auflösen des Kautschuks häufig angewandten Flüssigkeit enthielten. Diese zwei Flaschen wurden auf einen Zähltisch gestellt; eine derselben zerbrach, man weiß nicht wodurch; die Flüssigkeit verbreitete sich dann in ein Magazin, drang unter den Auftritt, und floß über deu ganzen Boden hin. Man warf Sägespäne darauf und öffnete die Fenster, damit die Dünste dieser schon bei 36° R. sich verflüchtigenden Flüssigkeit abziehen konnten. Nach allen diesen Maaßregeln kam, |159| man weiß nicht wie, ein Theil des Dunstes in Berührung mit einem glühenden Körper (einer Cigarre?) und rasch fand eine Entzündung statt, welcher ein Knall, demjenigen einer Kanone gleich, folgte. Die Auftritte hoben sich, die Zähltische wurden 3 Fuß hoch aufgeworfen; ein Tisch sing zu brennen an, ein Mann der mit seinen Schuhen in der Flüssigkeit gestanden hatte, wurde ebenfalls vom Feuer ergriffen; glücklicherweise wurde jedoch der Brand bald gelöscht und nur eine Person unbedeutend beschädigt.

Man sieht, daß der Schwefelkohlenstoff, wie der Aether und alle Flüssigkeiten welche sich leicht verflüchtigen und entzünden, in Metallgefäßen aufbewahrt werden sollte, die stark genug sind um nicht zu brechen.

Bereitung eines zur Verfertigung von Signalen auf Eisenbahnen bei nebeligem Wetter dienenden Teiges.

Man schreibt aus England: ein beklagenswerther Fall hat sich so eben in Louth (Lincolnshire) ereignet. Hr. Armitage, Erfinder eines Systems explodirender Signale für die Eisenbahnzüge bei Nebelwetter (man vergleiche über solche polytechn. Journal Bd. CXII S. 258), ließ eine bedeutende Menge eines für seine Büchsen bestimmten Teigs in einem Ofen trocknen; die Magd, befürchtend, daß die Hitze zu groß sey, öffnete unüberlegter Weise den Ofen; der aus brennbaren Stoffen bestehende Teig entzündete sich und verursachte eine Explosion, welche einem starken Kanonenschuß zu vergleichen war. Armitage und die Magd wurden sogleich getödtet, ein Theil des Hauses stürzte ein; Armitage's Vater, ein Junge und ein Mädchen, die bei ihm dienten, wurden unter dem Schutte begraben. Das Feuer wurde jedoch bald gelöscht.

Die untersuchende Jury, den Coroner von Lincoln an der Spitze, erklärte, daß der Tod der fünf Opfer Folge des Mangels der gehörigen Vorsicht beim Trocknen ungemein explodirbarer Substanzen gewesen sey.

Detonation eines Gemenges von Schwefelantimon und chlorsaurem Kali.

Ein Gemenge dieser beiden Substanzen wurde aus Irrthum in eine Retorte und auf das Feuer gebracht; es detonirte, die Retorte zersprang, und der Ofen zerbrach. Glücklicherweise wurde Niemand verletzt. Das Schwefelantimon war statt Braunstein genommen worden, (Journal de Chimie médicale, Mai 1850.)

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