Titel: Durch Photographie auf Glas erhaltene Bilder der Sonne und des Mondes; von Niepce.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1850, Band 117/Miszelle 11 (S. 318–319)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj117/mi117mi04_11

Durch Photographie auf Glas erhaltene Bilder der Sonne und des Mondes; von Niepce.

Da man bereits Bilder der Sonne auf Silberplatten dargestellt hat, wollte ich zu diesem Zweck eine mit einer Schicht geronnenen Eiweißes überzogene Glasplatte, welche bekanntlich ein umgekehrtes und negatives Bild gibt, versuchen.

Ich verfuhr dabei wie folgt: nachdem ich meine Glasplatte ohne Anwendung von Beschleunigungsmitteln präparirt hatte, exponirte ich sie in einer Camera obscura deren Objectiv (es war eines für eine Viertelsplatte) sich in der Richtung der Sonne befand, deren Bild ich in den Gesichtsfocus gestellt hatte, welcher bei diesem Objectiv mit dem photogenischen Focus genau zusammenfällt. Meine ersten Versuche stellte ich möglichst schnell an, nämlich hinsichtlich der Aufdeckung und Bedeckung des Objectivs; das dabei angewandte Diaphragma hatte 5 Millimeter Durchmesser. Dessen ungeachtet kam das Bild zu schnell; wenn man die Platte mit Gallussäure behandelte, wurde sie ganz schwarz. Ich kam nun auf den Gedanken das Diaphragma wegzunehmen und das Objectiv so lange aufgedeckt zu lassen, daß das Bild ohne Beihülfe von Gallussäure zum Vorschein kommen konnte, und dieß gelang mir.

Die erste Platte war 5 Secunden und die zweite 10 Secunden exponirt.

Ich erhielt folgende Resultate: die erste Platte gab ein sehr deutliches und reines Bild von blutrother Farbe, welches in der Mitte eine viel intensivere Farbe hatte als an den Rändern.

Die zweite Platte zeigte denselben Unterschied der Mitte und des Randes, aber noch intensiver; außerdem war das Bild noch mit einem Kreis, in Form einer Aureole, umgeben.

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Die Intensitäts-Verschiedenheit von der Mitte zum Rand ist um so größer, weil sie trotz der Wirkung des Contrastes, noch sehr merklich ist, vorzüglich wenn man sie mit der Loupe untersucht. Wenn man das Bild durch Gallussäure schwarz werden läßt, so tritt wegen dieses Contrastes die umgekehrte Wirkung ein.

Ich habe über zwanzig Bilder gemacht und beinahe alle gaben mir dieselben Resultate.

Die Resultate dieser Versuche bestätigen sonach die Ansicht Arago's, daß die aus der Mitte der Sonne emanirenden photogenischen Strahlen von größerer Wirkung sind, als die vom Rand oder der Peripherie ausgehenden.

Es gelang mir das Bild des Mondes in 20 Secunden zu nehmen; es war Vollmond und derselbe befand sich ganz im Focus meines Objectivs; ich erhielt, ohne mich eines Heliostats zu bedienen, ein sehr rundes Bild. Wenn man aber nicht so rasch operirt, sondern etwa 30 Secunden aufwendet, so erhält man schon ein etwas ovales Bild.

Ich mußte, um das Bild des Mondes zu erhalten, die besten Beschleunigungsmittel anwenden, mit denen ich das Bild einer von zerstreutem Licht beleuchteten Landschaft in einer oder höchstens zwei Secunden erhalten kann.

Diese große Schnelligkeit ist mir durch neue Mittel ermöglicht, welche ich vor kurzem bei der Akademie versiegelt deponirte. Dieses Packet enthält auch ein Mittel, welches mit dem von Blanquart kürzlich bekannt gemachten (seinem trocknen Verfahren auf Papier) Aehnlichkeit hat, sowie ich auch ein Verfahren angebe, Papier behufs positiver Bilder mit Eiweiß zu glasiren. Ich werde meine Verfahrungsarten nach Beendigung meiner Versuche veröffentlichen. (Comptes rendus, Juni 1850, Nro. 22.)

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