Titel: Verfahren zur Fabrication von Mineraltheer, Mineralkitt, Asphaltfirniß und Ruß.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1850, Band 117/Miszelle 13 (S. 319–320)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj117/mi117mi04_13

Verfahren zur Fabrication von Mineraltheer, Mineralkitt, Asphaltfirniß und Ruß.

Folgendes ist das Verfahren zur Fabrication dieser Artikel, welches sich Dr. Ernst Sell zu Offenbach (Großh. Hessen) im Jahr 1846 für Bayern Patentiren ließ:

Steinkohlentheer ist das Product, das ich vorzugsweise zur Darstellung meiner Artikel verwende; es geschieht dieß in folgender Weise: ich destillire den Steinkohlentheer und erhalte dabei im Beginne der Destillation ein äußerst flüchtiges Oel von etwa 5 bis 10 Grad Cartier, welches besonders aufgefangen wird.

Bei fortgesetzter Destillation erscheint später ein Oel, welches im Wasser untersinkt, und zuletzt Naphthalin. Beide Oele sind Lösungsmittel für Kautschuk, besonders wenn sie gereinigt sind. Der in der Destillirblase sich befindende Rückstand wird, so lange er noch flüssig ist, abgelassen und bildet den Mineraltheer.

Wird dieser mit feingemahlenem, kohlensaurem und thonhaltigem Kalk zusammengebracht, in der Hitze zu einem Teig zusammengestampft und in Formen eingeschlagen, so erhält man den Mineralkitt (Asphaltmaftix).

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Das Reinigen des flüchtigeren Antheils Oel geschieht auf folgende Weise: um das ihm anhängende Ammoniak zu trennen, wird es mit Säure geschüttelt und dann mit Kalkmilch und Wasser destillirt. Man erhält so ein Oel, welches 15 bis 20 Grad Cartier wiegt. Dieses eignet sich besonders gut zum Auflösen des Kautschuks.

Die schwereren Oele werden mit Aetzkalilauge geschüttelt und dann verwendet. Es ist nicht unbedingt nothwendig, diese Oele zu reinigen, schon im rohen Zustande sind dieselben anwendbar, nur wird ein weniger guter Asphaltfirniß erhalten; dieser besteht aus Kautschuk, Colophonium und reinem Bitumen der Steinkohle, welches wie der Mineraltheer erhalten wird, indem man die Destillation etwas weiter fortsetzt und dadurch eine festere, sprödere Masse erhält. Diese drei Substanzen sind in den entsprechenden Steinkohlentheer-Oelen aufgelöst. Es kann jedoch auch Terpenthinöl verwendet werden, nur wird dadurch der Firniß theurer und schwerer trocken. Alle Rückstände, wie Naphthalin, Oel welches sich nicht zur Darstellung des Firnisses eignet, werden in hohen Thürmen aus Eisenblech, welche mit beweglichen Drahtsieben versehen siud, zu Ruß verbrannt. Auf die Construction dieser Thürme leitete mich die Idee der Davy'schen Sicherheitslampe, da die Kohle auf keine Weise so schnell abgekühlt werden kann, folglich ihr die Möglichkeit benommen ist, durch Verbrennen in sich selbst Asche zu bilden. Es wird hiedurch ein für den Bücherdruck wie für die Lithographie vorzügliches Product erzielt.“ (Kunst- und Gewerbeblatt für Bayern, August 1850, S. 535.)

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