Titel: Reagens für Protein-Verbindungen; von G. Millon.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1850, Band 117/Miszelle 8 (S. 317)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj117/mi117mi04_8

Reagens für Protein-Verbindungen; von G. Millon.

Die sehr saure Flüssigkeit, welche man durch Auflösen des Quecksilbers in seinem gleichen Gewicht Salpetersäure mit 4½ Aequivalenten Wasser erhält, ist ein sehr empfindliches Reagens für alle eiweißartigen Substanzen und zahlreiche secundäre Producte derselben. Jene Quecksilberlösung ertheilt diesen Substanzen nämlich eine intensiv rothe Farbe, wodurch man leicht 1/100000 Eiweiß erkennen kann.

Die Baumwolle, die Satzmehle und das arabische Gummi nehmen in Berührung mit der Quecksilberlösung eine sehr deutliche rosenrothe Farbe an. Fast jeder Harn färbt sich rosenroth, nachdem man ihm die Quecksilberlösung beigemischt und die Mischung erhitzt hat, so daß der Harnstoff zerstört worden ist.

Der Eiweißstoff des Bluts, das Fibrin, der Käsestoff, Kleber, das Legumin, die Seide, Wolle, Federn, das Horn, die Epidermis, der Thierleim, das Chondrin, Protein, die Hornhaut etc. färben sich mehr oder weniger dunkelroth.

Wenn das Protein durch längere Einwirkung alkalischer Laugen oder durch die Wirkung der Schwefelsäure auflöslich wird, entsteht immer dieselbe rothe Färbung; man erhält aber dann keine unauflösliche Substanz mehr; die Flüssigkeit wird stark roth, ohne einen Niederschlag zu geben.

Um die Quecksilberlösung zu bereiten, gießt man auf das reine Metall sein gleiches Gewicht Salpetersäure, welche 4½ Aequivalente Wasser enthält. Die Einwirkung erfolgt schon in der Kälte lebhaft; wenn sie nachgelassen hat, erwärmt man sehr gelinde bis zur vollständigen Auflösung des Metalls; dann hält man ein und verdünnt die Auflösung mit ihrem doppelten Volum Wasser. Nach einigen Stunden decantirt man den flüssigen Theil über dem krystallinischen Gemenge von salpetersaurem und falpetrigsaurem Quecksilberoxydul. Diese Flüssigkeit reagirt in der Kälte auf die eiweißartigen Substanzen, aber die Reaction ist erst zwischen 48 und 56° R. eine vollständige; man thut sogar gut das ganze Gemisch zum Sieden zu bringen. Die rothe Substanz wird durch lange dauernde Berührung mit dem überschüssigen Reagens nicht verändert.

Diese Reaction wird weder durch das salpetersaure Quecksilberoxydul, noch durch das Oxydsalz und auch nicht durch das Gemisch beider hervorgebracht. Man muß der Auflösung, welche diese zwei Salze enthalt, salpetrige Säure zufügen, außerdem erhält man keine Färbung. Reines salpetersaures Quecksilberoxyd, welches man mit salpetriger Säure sättigte, reagirt merklich, aber viel weniger als ein Gemisch von Oxydul- und Oxydsalz, welches man mit derselben salpetrigen Säure sättigte. Die einfachste Methode um diese Flüssigkeit zu bereiten, besteht also darin, das Quecksilber auf vorher angegebene Weise mit Salpetersäure zu behandeln, (Annales de Chimie et de Physique, August 1850, S. 507.)

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