Titel: Ueber Rohzucker-Consumtion in Frankreich seit dem Jahr 1815, ferner über Cacao- und Kaffee-Consumtion; von Guien.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1850, Band 117/Miszelle 10 (S. 398–400)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj117/mi117mi05_10
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Ueber Rohzucker-Consumtion in Frankreich seit dem Jahr 1815, ferner über Cacao- und Kaffee-Consumtion; von Guien.

Da man mit Grund annehmen kann, daß die Consumtion jedes Individuums welches Zucker genießt, im Jahr 10 Kilogr,36 ungefähr 1 Unze per Tag beträgt, so ist aus nachfolgender Tabelle zu entnehmen, in welchem Verhältniß die Anzahl der Consumenten mit den sinkenden Preisen zugenommen hat. Es folgt daraus, daß nur 13 Millionen Individuen, oder beinahe ein Drittheil der französischen Bevölkerung Zucker zu genießen gewohnt ist. Offenbar würde sonach eine Verminderung der Besteuerung des Zuckers, durch welche der Preis desselben bedeutend niederer würde, die Consumtion beträchtlich steigern, indem gegenwärtig noch zwei Drittheile der Bevölkerung dieses Nahrungsmittel entbehren müssen. Und wie sehr müßte dazu eine Herabsetzung der Steuern auf Kaffee und Cacao noch beitragen!

Jahre. Mittlerer Preis des raffinirten Zuckers per Kilogramm. In einem Jahr in Consumtion gebrachter Rohzucker. Berechnete Anzahl der Consumenten zu 10 Kilogramm. per Individuum.
Frcs. Cent. Kilogr.
1815 3 85 17,000,000 1,700,000
1816 bis 1819 3 20 33,500,000 3,350,000
1820 1823 2 50 48,300,000 4,830,000
1824 1828 2 40 65,000,000 6,500,000
1829 1833 2 83,500,000 8,350,000
1834 1838 1 80 107,000,000 10,700,000
1839 1843 1 65 115,000,000 11,500,000
1844 1849 1 60 131,000,000 13,100,000

Man wird zwar einwenden, daß die Zuckerconsumtion in Frankreich nie den Aufschwung nehmen kann wie in England, wo der Genuß warmer Getränke so allgemein ist. Dieß zugegeben, ist aber doch nicht zu läugnen, daß die Consumtion von Zucker in dem Grade noch weiter zunehmen wird, als er wohlfeiler wird; es ist ferner zu bedenken, daß in Frankreich ein großer Theil des Obsts dem Vieh überlassen werden muß oder verloren geht, weil es seiner Zeit nicht consumirt werden kann. Wenn das Pfund Zucker zu 50–60 Cent. gekauft werden könnte, so würden die mittlern und armen Classen und das Landvolk aus dem Obst vortreffliche Conserven machen, welche nicht über 15 Cent. per Pfund zu stehen kämen.37

Ebenso verhält es sich mit vielen andern Nahrungsmitteln. Nach den statistischen Nachweisen wurden im J. 1827 in Frankreich 700,000 Kil. Cacao consumirt, im J. 1847 aber 2,200,000 Kil. verzollt. Dieß kömmt daher, daß der verzollte Maragnan-Cacao im J. 1827 auf 2 Fr. 50 Cent., und im J. 1847 nur auf 1 Franc 75 Cent. zu stehen kam. Durch Herabsetzung der Steuern auf Zucker und Cacao könnte recht gute Chocolade zu 60 Cent. per Pfund oder die Tasse zu 5 Cent. geliefert werden.

Auch die Zunahme der Kaffee-Consumtion spricht zu Gunsten niederer Preise. Im J. 1827 wurden 10,000,000 Kil. Kaffee consumirt; von Hayti-Kaffee kostete damals das verzollte Pfund 2 Fr. 40 Cent., während im J. 1847, wo der Preis auf 1 Fr. 90 Cent. herabgegangen war, 16,800,000 Kil. consumirt wurden.

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In den Vereinigten Staaten, wo, wie in England, beinahe allgemein Thee getrunken wird, stieg im vorigen Jahr die Kaffee-Consumtion, bei einer um ⅓ kleinern Bevölkerung als in Frankreich, auf mehr als 75 Millionen Pfund.

Es ist aus allem dem zu ersehen, wie nothwendig von Zeit zu Zeit Zollrevisionen sind. Wir verkennen übrigens nicht, wie schwierig diese Aufgabe hinsichtlich des Zuckers ist. England hat in Zeit von vier Jahren seinen Tarif fünfmal abgeändert. Auch in Frankreich geschah dieß zu wiederholtenmalen und ist nun wieder nöthig. (Moniteur industriel, 1850 Nr. 1444.)

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In England beträgt die Consumtion per Individuum der Gesammtbevölkerung 11 Kilogr.

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Ein Viertelpfund genügt für 1 Pfd. Obst, und nur für säuerliches Obst ist mehr Zucker erforderlich.

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