Titel: Ueber die fabrikmäßige Darstellung der Essigsäure; von A. Beringer.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1850, Band 117/Miszelle 6 (S. 396–397)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj117/mi117mi05_6

Ueber die fabrikmäßige Darstellung der Essigsäure; von A. Beringer.

Prof. Schnedermann hat in dem „Handwörterbuch der reinen und angewandten Chemie von Liebig, Poggendorff und Wöhler Bd. III. S. 902 des Verlustes gedacht, der bei der Zerlegung des holzsauren Kalkes durch Glaubersalz entsteht. (Man pflegt in den Fabriken zur Gewinnung reiner Essigsäure aus Holzessig, letzteren in der Wärme und unter Umrühren mit kohlensaurem Kalk und zuletzt mit Kalkhydrat zu sättigen, wobei ein Theil der brenzlichen Stoffe in Verbindung mit Kalk als braune Masse ausgeschieden wird, die sich zum Theil auf die Oberfläche begibt und abgeschöpft wird. Die neutralisirte Flüssigkeit läßt man ruhig stehen, bis sich der überschüssige Kalk abgesetzt hat, zieht sie dann klar ab, und verdampft sie in einem Kessel bis zu 15° Baumé. Sie wird hierauf mit einer concentrirten Lösung von Glaubersalz in Wasser vermischt und damit tüchtig umgerührt, wobei schwefelsaurer Kalk als dicker Niederschlag sich ausscheidet und essigsaures Natron gelöst bleibt. Versuche haben jedoch gezeigt, daß der essigsaure Kalk durch Glaubersalz nicht vollständig zersetzt wird, sondern daß ein Theil desselben, selbst wenn überschüssiges Glaubersalz in der Flüssigkeit vorhanden ist, unzersetzt bleibt, eine Erscheinung, die vielleicht in der Bildung eines Doppelsalzes ihren Grund hat. Außerdem soll ein Theil des schwefelsauren Natrons sich in Verbindung mit schwefelsaurem Kalk als schwerlösliches oder unlösliches Doppelsalz niederschlagen. Man muß daher die zur Zersetzung des holzsauren Kalkes erforderliche Menge Glaubersalz durch einen im Kleinen angestellten Versuch bestimmen; der durch Glaubersalz nicht zersetzbare Antheil des essigsauren Kalks kann zuletzt durch Soda zersetzt und dadurch die ganze Essigsäure in Natronsalz übergeführt werden.)

Es wäre interessant zu wissen, wie weit diese unvollständige Zerlegung des essigsauren Salzes einerseits und andererseits die Ausscheidung von schwefelsaurem Natron in Verbindung mit schwefelsaurem Kalk geht, um so mehr, da der Fall auch |397| bei Zerlegung des Kupfervitriols mit essigsaurem Kalk eintritt. In der Praxis kann diesem doppelten Verluste leicht durch directe Sättigung des Holzessigs mit Schwefelnatrium vorgebeugt werden, und in der That haben die HHrn. Heyl und Wöllner in Berlin seit geraumer Zeit eine Holzessigfabrik im Gange, in der die Essigsäure mit Hülfe von Schwefelnatrium zu der vollendetsten Reinheit gebracht wird. Es liegt in den klimatischen Verhältnissen des Nordens, daß die Entbindung so großer Quantitäten von Schwefelwasserstoffgas durchaus nichts Lästiges für die Fabrik selbst hat.

Die aus dem gereinigten essigsauren Natron abgeschiedene Säure ist sogar reiner als die Essigsäure des Handels, die jetzt meist durch Sättigung von sogenanntem Essigsprit (9 procentigem Schnellessig) mit Kalk und Zerlegen des Kalksalzes durch Schwefelsäure gewonnen wird. Eine solche Säure kann deßhalb nicht frei von schwefliger Säure seyn, weil die Fabrikanten den essigsauren Kalk bloß zur Trockne abdampfen und somit die in den Essigbildern aus den Spänen aufgenommene organische Materie bei der Destillation zersetzend auf die Schwefelsäure wirkt.

Merkwürdig ist noch, daß die verschiedenen Hölzer nicht allein, wie Stoltze gezeigt, ungleiche Mengen von Säure geben sondern auch, daß die Natur der Brandöle so sehr wechselt, je nachdem z. B. Buchen- oder Erlenholz genommen wird, was vermuthlich von den im Holz enthaltenen Harzen und dergleichen herrührt. (Annalen der Chemie und Pharmacie, Juni 1850, S. 345.)

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