Titel: Mather's Salinometer für Marine-Dampfkessel.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1850, Band 118, Nr. LIV. (S. 253–256)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj118/ar118054

LIV.  Mather's Salinometer und selbstthätiger Ausblase-Apparat für Marine-Dampfkessel.

Aus dem Practical Mechanic's Journal, Mai 1850, S. 29.

Mit einer Abbildung auf Tab. IV.

Die schnelle Anhäufung fester Substanzen in den Marine-Dampfkesseln ist die Quelle einer der größten Unannehmlichkeiten, mit welchen |254| der Dampfschiff-Maschinist zu kämpfen hat. Der Proceß der Verdampfung macht jeden Kessel so zu sagen zu einem chemischen Siebe, durch welches das reine Wasser in Dampfform geht, während die im Seewasser enthaltenen festen Substanzen nicht hindurchkönnen und zurückbleiben, bis durch ihre immer zunehmende Anhäufung das Material zur Dampfbildung eine ganz andere Beschaffenheit erlangt, als das frisch von der See geschöpfte Wasser. Auf diese Weise legt sich in den Siederöhren und anderen nahe an dem Kesselboden befindlichen sehr erhitzten Theilen der salzige Niederschlag außerordentlich schnell an; die Verdampfungsfähigkeit des Kessels wird geringer, weil der Niederschlag ein sehr schlechter Wärmeleiter ist, und, was noch das schlimmste ist, das Metall, aus welchem der Kessel besteht, verbrennt.

Die einzigen bis jetzt angewandten Mittel, um diesem Uebelstande vorzubeugen, waren einerseits das zeitweise Ablassen des gesättigten Wassers vom Boden des Kessels, oder technisch gesprochen, das öftere Ausblasen desselben, und andererseits die Salzwasserpumpe, welche von den HHrn. Maudslay und Field zu dem Zweck eingeführt wurde, um beständig eine kleine Menge des gesättigtesten Wassers abzuleiten, was im Ganzen ungefähr den vierten Theil des ursprünglich verwendeten Speisewassers betrug. Vor dem gebräuchlichen Ausblasen des Kessels ist es immer nothwendig, denselben höher mit Wasser zu füllen, als beim regelmäßigen Gange, und hieraus entsteht der Nachtheil eines ungeheuren Brennmaterialverbrauches, eines veränderten Dampfdruckes, unregelmäßigen Ganges der Maschine, und des Ueberkochens oder des Ueberführens von Wasser mit dem Dampf in die Maschine. Es ist offenbar, daß diese beiden Methoden, abgesehen von den Vorzügen oder Nachtheilen, welche sie in anderen Beziehungen haben mögen, die beständige Aufmerksamkeit des Maschinisten erfordern, welcher keine Mittel hat, sich genau von dem Zustande des im Kessel befindlichen Materials zu überzeugen, und das Ausblasen etc. muß oft aufs Gerathewohl geschehen.

Diese Mangelhaftigkeit in der Führung der Schiffsmaschinen scheint jetzt durch Hrn. David Mather, den Ingenieur der Dundee-London Dampfschifffahrtsgesellschaft, vollständig beseitigt zu seyn. Er construirte nämlich einen einfachen, kleinen Apparat, welcher nicht bloß beständig die Dichtigkeit des Wassers im Kessel anzeigt, sondern auch allein, ohne Zuthun des Maschinisten, das übersättigte Wasser ausblasen läßt.

Fig. 33 stellt Mather's sinnreiche Vorrichtung zu diesem Zweck im verticalen Durchschnitte mit beigefügtem Maaßstabe dar. |255| Dieselbe ist außerhalb des Kessels angebracht, und durch eine Röhre, welche sich an die Mündung A anschließt, mit letzterem in Verbindung. Der Salzwasserbehälter B ist von Messing aus einem Stücke mit dem Boden gegossen, oben offen, und mit einem aufgeschraubten, leicht gewölbten Deckel bedeckt. In diesem Salzwasserbehälter befindet sich der hohle Salinometer-Schwimmer C, welcher ebenfalls aus Messing gegossen, und unten durch einen aufgeschraubten Boden ganz dicht verschlossen ist. Mitten auf dem Deckel und Boden dieses Schwimmers sind dünne verticale Stangen, deren Enden die scheibenförmigen Kolbenventile D, D tragen, welche genau in den oberen und unteren Cylinder E, E passen und sich wie Kolben darin bewegen. Der obere Cylinder ist aus einem Stücke mit dem Deckel des Behälters gegossen und gegen den Behälter zu offen, um dort das obere Kolbenventil aufzunehmen. Der untere Cylinder ist mitten in den Boden des Behälters eingeschraubt, welcher an dieser Stelle zur Aufnahme des ersteren verstärkt ist. Dieser Cylinder reicht etwas in den Behälter hinein und bildet den Auflagerungspunkt für den Schwimmer, wenn derselbe, wie in der Zeichnung, seine niederste Stellung einnimmt. Beide Cylinder sind oben bei F, F mit Oeffnungen versehen, die auf derselben Höhe in der Peripherie der Cylinder angebracht sind, und durch welche das Salzwasser entweicht, wenn die Ventile offen stehen. Das Salzwasser geht in der Richtung der Pfeile durch die obere und untere kupferne Röhre G, G welche sich bei H zur Haupt-Entleerungsröhre vereinigen.

Von dem oberen Ventile aus geht eine kleine Spindel I in die Höhe, auf welcher die Justirgewichte K aufliegen; die Spindel bildet dadurch, daß sie in die Glasröhre L hineinreicht, den Index des Salinometers. Die Glasröhre ist auf dem Deckel eines kleinen Gefäßes M befestigt, das selbst auf den oberen Cylinder aufgeschraubt ist und denselben bedeckt.

In unserer Zeichnung ist angenommen, daß das Wasser im Kessel noch nicht denjenigen Grad von Sättigung habe, welchen es haben darf. Der Behälter B ist in directer Verbindung mit dem Kessel, und deßhalb mit einem Theile des dichtesten Wassers gefüllt, welches sich im Kessel befindet; das specifische Gewicht dieses Wassers ist jedoch noch zu gering, um den Schwimmer zu heben, welcher daher auf dem oberen Rande des unteren Cylinders E aufruht, wobei die Kolbenventile noch unter den Ausflußöffnungen stehen, und wenig oder kein Wasser ausströmen lassen, höchstens so viel, daß die gesättigtere Flüssigkeit in den Behälter gelangen kann. Geht die Verdampfung an, und nimmt |256| folglich die Dichtigkeit zu, so steigt auch allmählich der Schwimmer, wobei jedoch so lange noch keine Entleerung stattfindet, bis der Index I sich über den Theilstrich 30°, der mit „geschlossen“ bezeichnet ist, erhoben hat. In dieser Lage trifft das untere Eck der beiden Kolbenventile mit dem unteren Rande der Austrittsöffnungen zusammen, und bei der geringsten weiteren Bewegung nach oben wird dem Salzwasser der Ausweg gestattet, wie dieß durch die Pfeile angedeutet ist. Steht der Index auf 40°, so sind die Austrittsöffnungen halb offen, und nimmt die Dichtigkeit noch zu, so daß der Index 50° anzeigt, so sind die Austrittsöffnungen ganz frei oder offen. Ein weiteres Steigen des Schwimmers ist durch die Stifte vermieden, welche vom Deckel des Behälters aus abwärts stehen, und an welchen der Schwimmer ansteht, wenn der Index 50° zeigt.

Vermindert sich das specifische Gewicht des Wassers im Kessel, so verringert der sinkende Schwimmer allmählich die Größe der Austrittsöffnungen, und sperrt sie zuletzt ganz ab. Der Apparat läßt deßhalb das übersättigte Wasser genau in dem Verhältnisse ab, wie es sich im Kessel ansammelt.

Bei dem vollkommen gleichen Druck, welcher auf die beiden Ventile des Apparates stattfindet, ist kein Zweifel, daß der Schwimmer noch sehr empfindlich ist, und die Anordnung, daß die Flüssigkeit an mehreren Oeffnungen ausströmen kann, vermeidet die Schwierigkeiten welche sich beim Verstopfen einer Oeffnung ergeben würden.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Tafeln


Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: