Titel: Zeller, über Mittel um die ätherischen Oele zu erkennen.
Autor: Zeller, H.
Fundstelle: 1850, Band 118, Nr. LXXX. (S. 379–387)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj118/ar118080

LXXX. Ueber Mittel um zu erkennen ob die ätherischen Oele rein oder verfälscht sind; von H. Zeller.

Aus dem Pharmaceutical Journal durch das Journal de Pharmacie, Oct. 1850, S. 269.

Aetherisches Bittermandelöl.

Das ätherische Bittermandelöl besitzt außer seinem großem specifischen Gewicht und eigenthümlichen Geruch, so charakterische chemische Eigenschaften, daß seine Verfälschung leicht zu erkennen ist. Solche Eigenschaften sind: seine große Auflöslichkeit in Schwefelsäure mit braunrother Färbung und ohne merkliche Zersetzung; die außerordentlich langsame Einwirkung der Salpetersäure auf dasselbe, ohne daß einer der beiden Körper eine Veränderung in seinen physischen Eigenschaften erleidet; seine Eigenschaft Jod aufzulösen, ohne weitere Reaction auf dasselbe; seine Indifferenz gegen chromsaures Kali; die Absetzung von Krystallen aus seiner Mischung mit alkoholischer Aetzkalilösung; die eigenthümliche Verdickung durch Aetzammoniak und Salzsäure, sowie die Absonderung von Krystallen aus den alkoholischen |380| Lösungen dieser neuen Verbindungen; endlich seine sehr deutliche saure Reaction. Ueberhaupt hat jedes Reagens auf dieses Oel eine eigenthümliche Einwirkung, wodurch man sich von seiner Reinheit vollkommen und leicht überzeugen kann.

Aetherisches Oel der Gewürznelken.

Die Eigenschaften des Gewürznelkenöls bieten Mittel dar, seine Reinheit leicht zu erkennen. Mit einer alkoholischen Lösung von Aetzkali zusammengebracht, erstarrt es gänzlich und Plötzlich zu einer krystallinischen Masse, welcher sein eigenthümlicher Geruch vollständig fehlt. Jede ihm etwa beigemengte fremdartige Substanz würde hierbei entweder von der festen Verbindung abgeschieden oder das Festwerden derselben verhindern und aufhalten. Eine ähnliche Wirkung findet statt, wenn man dieses Oel mit Aetzammoniakflüssigkeit schüttelt; man erhält dann ein Coagulum von der Consistenz der Butter, welches nach dem Schmelzen krystallisirbar ist. Die leichte und freiwillige Zersetzung durch Salpetersäure und die gleichzeitige Bildung einer festen braunrothen Masse; die dunkelblaue Färbung durch eine kleine Menge Schwefelsäure, während eine größere Menge dieser Säure das Oel in eine blutrothe, feste Masse verwandelt, sind ebenfalls sehr bezeichnende Charaktere. Ferner zersetzt sich das Gewürznelkenöl durch chromsaures Kali vollständig in braune Flocken, wobei die der Auflösung jenes Salzes eigene gelbe Farbe verloren geht; auch löst es das Jod auf und erzeugt dabei ein flüssiges Extract mit schwacher Temperatur-Erhöhung; endlich löst es das Santalin leicht und vollständig auf.

Aetherisches Oel des Zimmets.

Die Prüfung des Zimmetöls ist eine complicirtere; es handelt sich hier nicht nur um dessen Vermischung mit andern ätherischen Oelen, sondern auch um die Unterscheidung zweier Arten dieses Oels von einander, nämlich des Oels von Ceylan (des ächten Zimmetöls) und des chinesischen Oels (Cassia-Oels), welche im Preise sehr differiren. Da diese beiden Oele einzig und allein durch den Handel bezogen werden, und je nach ihrem Alter und der ihrer Bereitung gewidmeten Sorgfalt in ihren Eigenschaften wesentlich verschieden sind, so ist es sehr schwer, für beide verlässige und constante Merkmale anzugeben; die Hauptunterscheidung liefert der Geuch; außerdem ist das ceylan'sche Oel flüssiger und von geringerm specifischen Gewicht als das chinesische; |381| ferner kann es einem stärkern Kältegrad ausgesetzt werden, ohne sich zu trüben. Ein beiden Zimmetölarten angehöriges Unterscheidungsmerkmal ist die Reaction einer alkoholischen Aetzkalilösung; beide lösen sich vollkommen darin auf, wobei sie eine mit Gelb gemischte, bräunlichrothe Farbe annehmen; nach einiger Zeit wird diese Lösung sehr trübe, dann sieht man bald ein sehr schweres Oel niederfallen und die Flüssigkeit allmählich wieder klar werden.

Ein anderer, beiden Zimmetölen eigener Charakter ist der Bittermandelgeruch, welcher durch die zersetzende Einwirkung der Salpetersäure auf dieselben offenbar wird. Beide verwandeln sich in ziemlich gleicher Zeit in einen braunen Balsam; doch erfordert das ceylan'sche Oel dazu eine geringere Wärme und zersetzt sich rascher und heftiger; das Jod löst sich im ceylan'schen Oel rasch auf; es wird dabei viel Wärme frei, die flüssige Masse schwach umhergeworfen, und auf dem Boden des Gefäßes bleibt eine zähe, extractartige Substanz zurück. Mit dem chinesischen Oel geht die Reaction langsam vor sich, die Wärmeentbindung ist gering und der am Boden des Gefäßes bleibende Rückstand nur von weicher oder flüssiger Consistenz. Chromsaures Kali zersetzt das ceylan'sche Oel theilweise in braune Flocken, welche in der Auflösung schwebend bleiben; dieser ist ihre gelbe Farbe benommen, während der Niederschlag eine gelblichrothe Farbe annimmt und dick wird. Dieselbe Lösung, mit dem chinesischen Oel behandelt, verliert ihre gelbe Farbe nicht ganz, enthält keine Flocken, und das trübe, milchig aussehende Oel wird in der Ruhe nicht wieder klar.

Auch die Schwefelsäure bietet ein sehr gutes Erkennungsmittel für diese Oele dar: das ceylan'sche bildet mit derselben eine feste und dichte Masse, welche von Braungrün bis in ein dunkles Schwarz übergeht; mit dem chinesischen Oel entsteht eine weichere Masse von dunkel olivengrüner Farbe. Eine kleinere Menge Schwefelsäure färbt diese Oele purpurroth, während Salzsäure ihnen eine violette Farbe ertheilt.

Aetherisches Oel des Sassafras.

Dieses Oel unterscheidet sich von den meisten andern flüchtigen Oelen durch die klare Auflösung, welche es mit Jod gibt, ohne daß die Flüssigkeit sich dabei verdickt. Zwei Theile dieses Oels, mit einem Theil Schwefelsäure vermischt, erzeugen unmittelbar eine grüne Farbe, welche sich mit den andern ätherischen Oelen nicht einstellt; durch Wärme wird diese grüne Farbe in Blutroth umgeändert. Eine größere Menge Oel erzeugt in der erhitzten Säure eine prächtige amaranthrothe Färbung, während das Oel selbst nur eine bräunliche oder bläulichrothe |382| Farbe annimmt. Mit Salpetersäure findet die Zersetzung schon in der Kälte statt, und es bildet sich ein röthlichbraunes Harz, welches beim Erhitzen fest und spröde wird. Uebrigens würde schon das große specifische Gewicht dieses Oels und seine geringe Löslichkeit in Alkohol leicht die Beimischung eines fremden Oels welches diese Eigenschaften nicht besitzt, erkennen lassen.

Aetherisches Oel des Sternanises.

Das ätherische Oel des Sternanises stimmt in vielen Eigenschaften mit den ätherischen Oelen der Umbelliferen (Doldengewächse) überein, welche viel Stearopten enthalten. Bei seiner Vereinigung mit Jod wird weniger Wärme frei und es erstarrt vollkommen zu einer festen, harzartigen Substanz. Schwefelsäure verdickt es ebenfalls und verwandelt es in eine feste Masse, welche beim Erwärmen dunkelblutroth wird. Salpetersäure erzeugt nur einen dickflüssigen Balsam, während das Oel durch die Wärme gelb und röthlichbraun wird.

Die Schwierigkeit, mit welcher sich dieses flüchtige Oel in 5 bis 6 Theilen Alkohol und in Aetzkalilösung auflöst, welche letztere ihm übrigens eine kleine Färbung ertheilt, sowie auch die merkwürdige Einwirkung der Kälte auf dasselbe, liefern ebensoviele weitere Mittel um seine Reinheit zu erkennen.

Aetherisches Oel des gemeinen Anises.

Die constante Dichtigkeit des Anisöls (von 0,99 bis 0,97 und öfter noch von 0,99 bis 0,98) und seine große Geneigtheit schon unter der mittleren Temperatur zu erstarren, bieten vortreffliche Mittel dar um seine Reinheit zu erkennen. Ein noch besseres aber liefert die merkwürdige Wirkung des Jods auf dasselbe, durch welches es beinahe plötzlich in eine feste und harte Masse verwandelt wird; außerdem findet dabei noch ziemliche Wärmeentwicklung und Entbindung gelblichrother und grauer Dämpfe statt. Schwefelsäure mit diesem Oele erhitzt, erzeugt eine schöne purpurrothe Farbe; hierauf verdickt sich das Oel und wird fest. Die übrigen Reactionen gleichen den beim Sternanisöl angegebenen und charakterisiren in Verbindung mit den angeführten dieses Oel hinlänglich.

Aetherisches Oel der Raute.

Der hohe Preis dieses Oels verleitet zu seiner Verfälschung, welche durch seinen starken Geruch noch erleichtert wird. Wenn es in einem |383| Laboratorium bereitet wurde, so zeichnet es sich durch seine langsame Auflösung im Jod aus, welche ohne irgend ein äußeres Zeichen der Einwirkung erfolgt und wobei sich bloß eine etwas klebrige Flüssigkeit bildet; diese Eigenschaft gestattet seine Verfälschung mit den Oelen der Coniferen (Zapfenbäume), Aurantiaceen und der meisten Labiaten zu entdecken. Die Salpetersäure wirkt nur langsam auf dasselbe ein und verwandelt es in einen hellen flüssigen Balsam von grünlichgelber Farbe. Das chromsaure Kali bringt gar keine merkliche Veränderung darin hervor. Uebrigens liefern seine trübe Auflösung in Alkohol, seine röthlichbraune Auflösung in Aetzkali, die ähnliche, jedoch dunklere Färbung desselben beim Vermischen mit Schwefelsäure, ebensoviele Mittel das Vorhandenseyn der wohlfeileren Oele der Labiaten in demselben zu entdecken. Das im Handel vorkommende Rautenöl, hinsichtlich dieser Merkmale untersucht, scheint bloß verfälschtes Rautenöl der Laboratorien zu seyn.

Aetherisches Cajeputöl.

Die seltener vorkommenden Verfälschungen dieses Oels übergehend, will ich mich darauf beschränken, nur diejenigen Erkennungsmittel seiner Reinheit zu erwähnen, welche sich aus meinen eigenen Versuchen ergaben, wobei ich hauptsächlich das rectificirte Oel im Auge habe, welches allein in der Medicin angewandt werden sollte.

Das erste dieser Merkmale ist die Beschaffenheit des Rückstandes von der Einwirkung des Jods. Nach einer wechselseitigen, nicht sehr kräftigen Einwirkung, bei welcher die Temperatur sich nur unbedeutend erhöht, nach der Entwicklung gelblichrother Dämpfe in geringer Menge sein bisweilen ausbleibendes Merkmal), wird der Rückstand sogleich dick und erhält das Ansehen eines dünnen Coagulums, welches sich bald in eine trockne grünlichbraune und spröde Masse verwandelt. Diese Mischung gestattet die Beimengung von solchen Oelen zu erkennen, welche unter diesen Umständen detoniren, sowie auch jener aus der Familie der Labiaten, welche kräftiger einwirken, nämlich Lavendelöl, Spicköl und Dostenöl. Jene Oele der Labiaten, welche minder heftig einwirken, z.B. Rosmarinöl, das häufig zur Verfälschung des Cajeputöls dient, sich aber durch die kräftige Einwirkung der Jodlösung davon unterscheidet, lassen sich durch die Intensität, womit diese Reaction stattfindet, erkennen. Doch würden alle die Beschaffenheit des Jodrückstands, dessen Eigenschaften ich vorher beschrieb, wesentlich verändern. Das Rosmarinöl zeigt unter gewissen |384| Umständen einige feste geronnene Theile in seinem Rückstand, welcher aber stets die Consistenz eines weichen Extracts hat.

Die durch chromsaures Kali erzeugten schwachen Veränderungen der Farbe treten beim Rosmarinöl bisweilen deutlicher hervor, die ebenfalls nur schwache Färbung aber welche seine Auflösung in Aetzkali annimmt (dieselbe ist im kalten Zustand hell, wird beim Erwärmen aber trübe), ist die nämliche wie beim Rosmarinöl. Letzteres Oel könnte durch die Reaction der Schwefelsäure nicht entdeckt werden; diese Säure nimmt eine dunkle gelblichrothe Farbe an und das Oel wird bräunlich, doch kann diese Säure zur Aufdeckung mehrerer anderer Verfälschungen dienen. Die schwache Färbung des Cajeputöls durch Salpetersäure, welche ihm nur eine röthliche und bräunliche Farbe ertheilt, und die heftige, mit Bildung eines flüssigen Balsams begleitete Reaction, gestatten es leicht von einigen andern Oelen, aber nicht vom Rosmarinö, zu unterscheiden.

Seine Reaction mit Jod ist folglich das sicherste Kennzeichen. Auch läßt es sich durch das Gefühl von Kälte, das es im Schlund zurückläßt, erkennen. Das specifische Gewicht, welches sich zwischen 0,94 und 0,92 hält, gestattet die Beimischung leichterer Oele und von Alkohol zu erkennen. Durch Rectification und gebrochenes Auffangen der Producte, sowie durch Vermischung mit Wasser, ließe sich die Verfälschung mit Kampher entdecken.

Aetherisches Oel der Pfeffermünze.

Jede andere Verfälschung dieses Oels als mit Alkohol oder dem Oel verschiedener anderer Münzenspecies, ist durch seinen eigenthümlichen Geruch und Geschmack leicht zu erkennen. Die Gegenwart von Alkohol würde sich durch das specifische Gewicht verrathen, welches beim reinen Oel selten unter 0,90 beträgt, beim verfälschten aber, besonders wenn der Alkohol recht stark war, bedeutend geringer ist. Von den anderen Münzenölen kennt man keines näher, als dasjenige der Mentha crispa und M. crispata; aus den Abweichungen, welche bei den Reactionen des chromsauren Kalis und des Jods auf diese Oele stattfinden, muß man aber schließen, daß alle andern Sorten chemisch von ihm verschieden sind, wie die Pflanzen, aus denen sie gewonnen werden, sich im Geruch von einander unterscheiden.

Das auffallendste Kennzeichen welches das Pfeffermünzöl mit gar keinem Oel der Labiaten theilt, obwohl es dasselbe mit gewissen Oelen der Synanthereen (Compositae, zusammengesetzte Blumen) gemein hat, |385| ist die Einwirkung des chromsauren Kalis auf dasselbe. Dieses Salz ertheilt ihm eine dunkelbraunrothe Farbe; das Oel verdickt sich und gerinnt zu einer mehr extract- als harzartigen Substanz, welche sich durch Umschütteln in Flocken zertheilt, während die Salzlösung ihre gelbe Farbe bald gänzlich verliert, oder doch wenigstens ein gelblichgraues Ansehen bekommt.

Die purpurrothe Farbe, welche das Münzenöl durch ein Viertheil seines Volums Salpetersäure erhält, ist, wenigstens für diejenigen Sorten deren Dichtigkeit zwischen 0,89 und 0,90 fällt, sehr charakteristisch. Die andern Oele welche nur braun werden, zeigen wenigstens eine Neigung zum Roth; alle aber färben sich durch Zusatz von Säure bei höherer Temperatur röthlichbraun und verwandeln sich in einen flüssigen Balsam.

Aetherisches Oel des Thymians.

Dieses Oel zeichnet sich durch keine Eigenthümlichkeit aus; sein lieblicher und feiner Geruch genügt aber in den meisten Fällen, um behufs seiner Anwendung zum äußerlichen Gebrauch oder zur Parfümerie seine Reinheit beurtheilen zu können. Durch seine schwache Reaction mit Jod kann man seine Mischung mit Terpenthinöl entdecken, während seine stärkere Einwirkung auf das chromsaure Kali zur Aufdeckung anderer Beimischungen dienen könnte.

Aetherisches Oel des Lavendels.

Dieses Oel verträgt, wenn es fein ist, keine andere Beimischung als von Alkohol, ohne schlecht zu werden; und bei den geringern Sorten entdeckt man den Alkohol durch die Dichtigkeit. Von 17 Proben die ich untersuchte, war die geringste Dichtigkeit geringern Oels 0,86, der bessern Sorten 0,87 bis 0,89.

Der eigenthümliche Charakter des Lavendelöls, durch welchen es sich hinsichtlich der Intensität der Wirkung vor allen Oelen der Labiaten auszeichnet, ist sein heftiges Fulminiren (Verpuffen) mit Jod, und der ganz verschiedene, balsamische und stechende Geruch des weichen, extractförmigen Rückstandes. Dieses Merkmal zeigt jedes ächte Oel, aus dem Handel sowohl als aus Laboratorien; die schlechtere im Handel vorkommende Sorte fulminirt jedoch nicht. Durch absichtlichen Zusatz eines Drittels Alkohol wird die verpuffende Eigenschaft des Lavendelöls nicht merklich geschwächt; ein halbes Volum Alkohol hebt diese Eigenschaft nicht auf, sondern schwächt sie bloß. Setzt man aber ein |386| ganzes Volum Alkohol zu, so erfolgt keine Verpuffung mehr, man bemerkt aber noch ein lebhaftes Aufwallen und Entbindung gelblichrother Dämpfe. Durch diese Reactionen läßt sich folglich ein mäßiger Alkoholzusatz nicht entdecken; für diesen Fall bietet die vollkommene Indifferenz des reinen Oels gegen das Santalin ein sichereres Merkmal, indem Alkohol enthaltendes Oel das Santalin schnell und leicht auflöst. Wäre es mit Oelen vermischt, die ebenfalls fulminiren, welche also durch das Jod nicht entdeckt werden könnten, so wären dieselben durch das verschiedene Verhalten des Aetzkalis zu erkennen, dessen alkoholische Lösung mit dem Lavendelöl eine klare Auflösung bildet und ihm eine dunkelbraunrothe Farbe ertheilt, während sich die andern Oele nur schwer darin auflösen, trübe werden und nur eine schwache Färbung annehmen. Unter die besten Kennzeichen des Lavendelöls gehört auch die dunkel röthlichbraune Farbe, welche die Schwefelsäure mit bedeutender Verdickung der Flüssigkeit darin hervorbringt, während die ebenfalls gefärbte Säure einen lichtgelben Ton hat.

Aetherisches Oel der Cubeben.

Dieses sauerstofffreie Oel unterscheidet sich von den andern Oelen ähnlicher Zusammensetzung durch seine Klebrigkeit und seine schwache Wirkung auf das Jod, welches ihm, sobald sie aufeinander wirken, eine violette Farbe ertheilt. Absoluter Alkohol, den man ihm in großem Verhältniß und bei erhöhter Temperatur zusetzt, bildet eine gewöhnlich klare Lösung; bei gleichem Gewicht gibt er eine sehr trübe Auflösung, welche Flocken absetzt. Das Oel, welches durch Salpetersäure in der Kälte stark getrübt wurde, wird beim Erwärmen bloß blaßroth, zersetzt sich jedoch und verwandelt sich in ein festes Harz. Die Schwefelsäure wird roth, das Oel hingegen karmesinroth. Diese Kennzeichen reichen für dieses, wegen seiner Klebrigkeit und Farblosigkeit schwer zu verfälschende Oel hin.

Bergamottöl.

Die Oele der Aurantiaceen sind durch ihren köstlichen Geruch, noch mehr als das Lavendelöl, gegen Verfälschungen geschützt, ausgenommen die mit Alkohol. Andererseits sind diese Oele leicht unter sich selbst zu vermischen, was dann schwer zu entdecken ist. Uebrigens ist wenig Grund vorhanden, solche Vermischungen vorzunehmen, ausgenommen beim Neroliöl, welches verhältnißmäßig viel theurer ist |387| als die andern. Wegen der Aehnlichkeit ihrer respectiven chemischen Eigenschaften hat man auch hier kein besseres Kennzeichen als den Geruch. Das unwandelbar zwischen 0,87 und 0,88 sich haltende specifische Gewicht dient zur Entdeckung des Zusatzes von Alkohol. Das Verhalten dieses Bergamottöls zum Alkohol zeigt deutlich den Unterschied zwischen seinem eigenen Sauerstoffgehalt und dem der andern Oele aus derselben Familie; es löst sich leicht im Alkohol auf, aber die Auflösung wird, wie diejenige der andern Oele, wenigstens wenn es kalt ist, undurchsichtig. Von dem Citronen- und Orangenöl unterscheidet es sich auch dadurch, daß es sich in der Kalilösung leicht und klar auflöst. Diese Verschiedenheit seiner Elementarzusammensetzung zeigt sich auch bei der Reaction des Jods, nicht sowohl durch seine Eigenschaft zu verpuffen, welche schwächer als beim Citronenöl, aber stärker als beim Orangenöl ist, als vielmehr durch die gleichartige Beschaffenheit des Rückstandes, welcher bei den zwei erwähnten und allen sauerstofffreien Oelen aus zwei in ihrer Consistenz verschiedenen Verbindungen besteht. Durch seine Unfähigkeit das Santalin aufzulösen, ist dieses Oel sowie die andern Oele derselben Familie gegen die Verfälschung mit Alkohol gesichert. Ein Theil Alkohol fünf Theilen dieses Oels zugesetzt, vermöchte wohl kaum die Verpuffung zu vermindern; zwei Tropfen Alkohol drei Tropfen Oels zugesetzt, bringen zwar keine Verpuffung hervor, es findet aber eine lebhafte wechselseitige Einwirkung mit Aufbrausen statt.

Aetherisches Oel des Copaivabalsams.

Kleine Mengen Terpenthinöls lassen sich in diesem Oel nicht leicht erkennen, weil beide Substanzen in den meisten Fällen dieselben Reactionen darbieten. Ein vorzügliches Unterscheidungsmittel ist das schwächere Verpuffen des Capaivabalsamöls, sowie der Umstand, daß es noch einmal so viel Alkohol zu seiner Lösung bedarf, welche demungeachtet noch trübe bleibt. Ferner ist seine Wirkung auf die Schwefelsäure manchmal abweichend; das Copaivabalsamöl wird braunroth, das Terpenthinöl lebhaft gelblichroth.

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