Titel: Ueber Verfälschung des Krapps mit sogenannter Javarinde; von Prof. Schumann in Eßlingen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1850, Band 118/Miszelle 10 (S. 77–78)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj118/mi118mi01_10

Ueber Verfälschung des Krapps mit sogenannter Javarinde; von Prof. Schumann in Eßlingen.

Der hohe Preis des Krapps gibt oft zu Verfälschungen desselben Anlaß. Die verfälschenden Körper werden aus dem Mineral- und Pflanzenreiche genommen. Erstere: Ziegelmehl, rother und gelber Ocker, gelblicher Sand, gelber Thon sind weniger schädlich als letztere, weil sie weniger auf die Farbe influiren. Man kann sie auf mehrere Weise entdecken: einmal, wenn man den Krapp mit Wasser anrührt und abschlämmt; das Krapppulver läßt sich mit dem Wasser abgießen, weil es leichter ist als die mineralischen Substanzen, welche am Boden liegen bleiben; wenn man dieses Abschlämmen wiederholt, so kann man den Krapp und die Verfälschung vollständig trennen. Sodann erfährt man eine derartige Verfälschung auch durch's Einäschern einer bestimmten Menge eines bei 80° R. getrockneten Krapps im Platintigel auf der Weingeistflamme.

100 Alizari aus der Levante geben nach Chevreul 9,80 Asche
100 mit destillirtem Wasser ausgezogener Avignon-Krapp
nach Schlumberger

8,76

100 mit destillirtem Wasser ausgezogener Elsäßer Alizari
nach Schlumberger

7,20

100 Elsäßer Krapp nach Köchlin 8,25
100 „ „ einer andern Sorte nach Köchlin 8,48
|78|

Vergleicht man nach dem Einäschern das Gewicht des Rückstandes mit den eben angegebenen Zahlen, so ist leicht auf eine Verfälschung zu schließen. Der Rückstand kann auch noch chemisch untersucht werden, wobei im Allgemeinen bemerkt wird, daß die Asche eines nicht mit unorganischen Theilen verfälschten Krapps auch in sehr verdünnter Salzsäure sich bis auf einen unbedeutenden Rest auflöst, was bei einem so verfälschten Krapp nicht der Fall ist. Endlich kann man eine solche Verfälschung, obgleich weniger genau, auch erforschen, wenn man etwas Krapp zwischen die Zähne nimmt: ein mit mineralischen Substanzen verfälschter Krapp knirscht zwischen den Zähnen, ein von ihnen freier aber nicht.

Auf alle Fälle schädlicher ist jedoch die ohne Zweifel viel häufiger vorkommende Verfälschung mit Substanzen aus dem Pflanzenreich, diese mögen selbst eine rothe Farbe enthalten oder nicht; sie sind deßwegen von nachtheiligerem Einfluß, weil die Faser derselben das kostbare Krapppigment anzieht und also vermindert, und sodann, weil das Pigment des verfälschenden Körpers der Lebhaftigkeit des Krapppigments bedeutenden Eintrag thut.

Diese Verfälschungen sind aber schwer zu entdecken; am besten dient ein Probefärben; mit was aber die Verfälschung gemacht worden sey, kann nicht leicht gefunden werden, wenigstens nicht auf chemischem Wege, hie und da etwa durchs Mikroskop, wenn der verfälschende Körper nicht zu fein ist. Im Allgemeinen kann man nur sagen: dieser Krapp färbt nicht so schön und gut als er sollte. Verfälscht hat man den Krapp mit Sägespänen, Mandelschalen, Kleie, Fichtenrinde, Mahagony-, Sandel-, Sapanholz.

Eine vielleicht bis jetzt unbekannte vegetabilische Substanz, mit welcher nach einem vor uns liegenden Zeugniß ein württembergisches Handlungshaus eine nicht unbedeutende Menge unreines orientalisches Alizari, und zwar bis zehn, ja sogar fünfzehn Procent verfälscht hat, ist eine sogenannte Javarinde, deren Abstammung wir nicht erforschen konnten, und von welcher unseres Wissens nirgends Anwendung gemacht wird. Diese Rinde, von der wir Muster besitzen, kommt in großen, flachen oder eingerollten Stücken von vier- bis sechzehn Linien Dicke vor; ihr Aeußeres ist schmutzig rothbraun, auf der äußern Seite ist sie runzlich. auf der inneren furchig gestreift; sie liefert ein rothbraunes Pulver, färbt den Speichel beim Kauen röthlich, schmeckt etwas zusammenziehend – der Krapp schmeckt süßlich und nicht zusammenziehend; eine Lösung von kohlensaurem Kali wird von ihr dunkelbraunroth gefärbt. Der Centner kostet 3 1/2 bis 4 fl. Was uns aber an dieser Rinde besonders auffiel, und was wir weder bei einer Handels-, noch pharmaceutischen Rinde, oder auch Wurzel oder Stengel und Holz, deren uns eine große Menge von Arten zu Gesicht kam, je gesehen haben, das ist eine Unzahl von weißen 1 bis 1 1/2 Millimeter im Durchmesser haltenden, rundlichen oder länglichen, durch die ganze Länge der Rinde sich hinziehenden Streifen von klee- oder oxalsaurem Kalke, welche dem Auge sich sehr deutlich darstellen.

Prechtl sagt: das Wasser welches zum Färben verwendet wird, soll nicht gypshaltig seyn, weil die färbende Kraft des Krapps dadurch sehr – bis zu 50 Procent – vermindert wird; wenn das erwähnte Kalksalz, dessen Basis dieselbe ist wie im Gyps, eine ähnliche Wirkung auf den Krapp ausübt, was allerdings ohne Versuche nicht behauptet, aber auch nicht bestritten werden kann, da die Analogie dafür sprechen könnte, so muß eine solche Verfälschung sehr schaden.

Nach unseren Untersuchungen geben 100 Th. dieser bei 80° R. getrockneten Rinde 13 Th. kohlige Asche; diese enthalten 4,15 Th. reine Kalkerde, welche 9,43 Th. wasserleerem oxalsaurem Kalke entsprechen und 10 Th. wasserleeren schwefelsauren Kalk oder Gyps geben würden, wenn man eine solche Rinde, wie geschehen ist, betrügerischer Weise einem zu Garancin bestimmten Krapp beimengt. (Gewerbeblatt aus Württemberg, 1850 Nr. 30.)

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