Titel: Ueber das Mahlen der Farbhölzer; von Professor Schumann.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1850, Band 118/Miszelle 11 (S. 78–79)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj118/mi118mi01_11
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Ueber das Mahlen der Farbhölzer; von Professor Schumann.

Bekanntlich kommen die Farbhölzer in großen 4–5 Fuß langen Scheitern zu uns, und werden in eigenen Farbholzmühlen gemahlen, d.h. sie werden gegen die Fasern in mehr oder minder große Späne geschnitten, und darauf noch weiter zerkleinert, oder zwischen Steinen gemahlen. Diese mehr oder weniger kleinen Theile könnten nun sogleich verpackt und in den Handel gebracht werden, aber hiemit ist ihre Zubereitung für den Handel in den Farbholzmühlen noch nicht geschlossen; die gemahlenen Hölzer werden nämlich auf Haufen gebracht, aus Gießkannen mit Wasser mehr oder weniger reichlich begossen, umgewendet und der Einwirkung des Wassers und der Luft einige Zeit ausgesetzt. Hiedurch gewinnen die Hölzer allerdings an Lebhaftigkeit und Tiefe der Farbe, und sie erhalten die Nüance, wie sie im Handel vorkommen.

Wenn die Wassermenge, welche zum Begießen angewendet wird, eine genau bestimmte wäre, und sie dem Abnehmer, namentlich dem Färber, angezeigt würde, so könnte wenigstens der letztere sich beruhigen, obwohl das Annetzen eigentlich unnöthig ist, indem hiedurch kein größerer Farbegehalt hervorgerufen, oder mehr entwickelt wird, auch dadurch das Farbholz nicht besser beurtheilt werden kann, während der Färber, wenn er auch kein Wasser sollte bezahlen müssen, so doch den Transport des Wassers, so wie die Arbeit des Annetzens zu bezahlen hat. Da die zugesetzte Wassermenge überdieß nicht immer eine gleiche ist, so muß ein solches Annetzen nothwendig zum Schaden der zu erzielenden Farbe ausschlagen, weil man das Gewicht des trockenen Farbholzes nicht weiß, oder es muß den Färber in Unsicherheit und Verlegenheit setzen. Ueberdieß kann ein solches genetztes Farbholz auf dem Lager leicht durch Schimmeln Nachtheile erleiden, oder gar verderben.

Aus diesen Gründen sollten wenigstens die Färber darauf bestehen: es dürfen die Farbhölzer nicht mehr genetzt werden. Diejenigen welche ganzes Farbholz kaufen, und in Mühlen um den Lohn mahlen lassen, verlieren am wahren Gewicht, denn sie tauschen für Farbholz Wasser ein, wenn sie Gewicht für Gewicht erhalten; und daran mag mancher nicht denken. Wenn einer je Wasser an sein Farbholz haben will, so kann er es selbst daran thun, dann weiß er wie viel er daran schüttet.

Die Probe, ob und wie viel Wasser dem gemahlenen Farbholz beigegeben worden, ist gar leicht zu machen. Das Farbholz kommt lufttrocken bei uns an und wird lufttrocken zur Mühle gebracht: man nehme nun aus der Mitte oder dem untern Theil eines Sackes mit gemahlenem Farbholz eine mit genauem und in Unterabtheilung gebrachtem Gewicht, z.B. Medicinal- oder Granengewicht gewogene Menge, etwa 100–200 Grane, oder 10 Gramme, bringe sie auf eine Porzellantasse in einer dünnen Lage ausgebreitet, stelle die Tasse im Sommer an einen warmen und luftigen Ort, oder im Winter in die Nähe des Zimmerofens mehrere Stunden hin, und wäge sie sodann wieder, oder mehreremal, bis sie nicht mehr am Gewicht abnimmt; ein mehr oder weniger großer Gewichtsverlust zeigt die Größe des betrüglichen Wasserzusatzes. (Gewerbeblatt aus Württemberg, 1850 Nr. 38.)

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