Titel: Anwendung der Gutta-percha zur Bezeichnung in Baumschulen; von Ed. Lucas.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1850, Band 118/Miszelle 12 (S. 79–80)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj118/mi118mi01_12

Anwendung der Gutta-percha zur Bezeichnung in Baumschulen; von Ed. Lucas.

Es ist bekannt, daß die Materialien, welche man zu dauernden Bezeichnungen der Obstbäume in Baumschulen und sogenannten Mustergärten anwendet, theils ziemlich kostspielig sind, wie die Blechtafeln, Bleitafeln, Zinkplatten, theils nicht lange genug die Schrift oder Zahlen halten, wie Nummernhölzer oder Nummernpfähle, die Metalltafeln auf die mit Oelfarbe geschrieben ist, so daß man in neuerer Zeit häufig Metalltäfelchen zu derartigen Bezeichnungen anzuwenden pflegte, in welche die betreffende Nummer eingeschlagen worden war. Diese gewöhnlich aus Blech oder Messing bestehenden Plättchen, die mittelst Drahtringen an Aeste locker befestigt werden, sind jedoch dem Rosten leicht und namentlich in feuchten Jahrgängen ziemlich |80| stark ausgesetzt und werden dadurch nicht selten undeutlich. Eine auch im feuchten Keller dauerhafte und leicht kenntlich bleibende Bezeichnung fehlte bisher fast ganz. Man behalf sich zwar häufig mit dem Einschneiden von Zahlzeichen in Holzstäbchen, aber da das Material nicht dauerhaft war, so konnte es diese Bezeichnung natürlich auch nicht seyn. Diesem ist nun mit Erfolg abgeholfen durch die Anwendung eines fast unzerstörbaren Materials, welches namentlich jeder Einwirkung der Feuchtigkeit widersteht, der Gutta-percha zu Nummertäfelchen, die auf gleiche Weise an die Bäume angehängt oder sonst befestigt werden können, wie eine jede andere Bezeichnung. Der Apotheker W. Baumann in Obersontheim hat das Verdienst, zuerst hierauf aufmerksam gemacht zu haben; derselbe hat dem Verfasser mehrere sehr gut mit erhabenen Ziffern bezeichnete Nummerplättchen von Gutta-percha übersendet, die jede Anforderung befriedigen.

Was den Preis dieses Materials betrifft, so erhält man das Pfund zu 1 fl. 36 kr. in verschiedenen Handlungen in Stuttgart. Hiervon kann man, da die Masse sehr leicht ist, nach einer vorgenommenen Probe 150 bis 200 Stück 1/2–1 Quadratzoll große Plättchen von der nöthigen Dicke anfertigen. Will man sich mit eingedrückten (vertieften) Nummern, die ja dieselben Dienste wie erhabene thun, begnügen, so kann man mit Benutzung von Zahlen aus Druckereien oder von Schmieden und ähnlichen Handwerkern, die dieselben zum Eindrücken in Holz gebrauchen, sich sehr leicht seine Nummertafeln selbst anfertigen. Man legt die Gutta-percha nur in ziemlich heißes Wasser, worin sie in kurzer Zeit ganz erweicht und leicht knetbar wird. Man formt dann dünne Platten daraus und drückt in die nicht mehr sehr weiche, sondern schon wieder etwas zähe gewordene Masse jede beliebige Zahl ein. Mittelst einer Schere werden die einzelnen Nummertäfelchen aus- und am Rand glattgeschnitten, wobei jeder Abfall wieder verwendet, im heißen Wasser erweicht und von neuem formbar gemacht wird. Zugleich wird in jedes Nummerplättchen ein kleines Loch zum Anhängen gemacht. Als Material dazu dürfte der getheerte etwas starke Bindfaden, der sehr haltbar ist, dem Drahte noch vorzuziehen seyn.

Nach den Mittheilungen von Baumann übernimmt ein dortiger Handwerksmann die Lieferung von Nummertäfelchen (bei Bestellung von 100 Stück von jeder Nummer) das Stück für 1 1/2 kr., wo die Zahlen oder Buchstaben dann erhöht ausgedrückt und die nach den vorliegenden Proben sehr sauber und schön gefertigt sind.

Der Verfasser hebt noch hervor, wie wichtig diese Gutta-percha-Nummertäfelchen zur Bezeichnung von Obstsorten sind, die weit versendet werden sollen, z.B. bei Versendungen derselben oder von Edelreisern nach Amerika, indem dieselben sehr leicht sind, durchaus durch Reibung keine Verletzung der Rinde verursachen können und an Dauerhaftigkeit gegen Stöße jedes bekannte Material übertreffen; ob sie aber die stärkste Hitze des Sommers, ohne zu erweichen, ertragen, muß die Erfahrung erst noch lehren; es läßt sich dieß übrigens sicher vermuthen. (Riecke's Wochenblatt.)

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