Titel: Ueber die Bestimmung des Werths der Nahrungsmittel nach ihrem Stickstoffgehalt; von Dr. A. Voelcker.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1850, Band 118/Miszelle 8 (S. 76)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj118/mi118mi01_8

Ueber die Bestimmung des Werths der Nahrungsmittel nach ihrem Stickstoffgehalt; von Dr. A. Voelcker.

Man pflegt den Stickstoffgehalt als Maaßstab der Ernährungsfähigkeit der Lebensmittel anzunehmen; der Verf. zeigt aber in einer Abhandlung, welche er der Versammlung der brittischen Naturforscher in Edinburgh vortrug, daß man hiebei in vielen Fällen in Irrthümer verfallen kann, besonders wenn die Pflanzensäfte Ammoniaksalze enthalten. Um durch Versuche zu beweisen, daß die Ammoniaksalze oft in größerer Menge vorhanden sind als man bisher vermuthete, und um dem Einwand zu begegnen, daß sie durch theilweise Zersetzung eiweißartiger Substanzen während der Analyse entstanden seyn könnten, wählte er die Schwämme, welche viel Stickstoff enthalten und als sehr nahrhaft bekannt sind. Die angewandte Species eßbarer Schwämme war Agaricus prunellus. Nachdem der Verf. alle auflöslichen Proteinverbindungen mittelst basisch-essigsauren Bleies abgeschieden hatte, welches Reagens dieselben vollständig niederschlägt, ergab sich der im Saft dieser Vegetabilien in Form von Ammoniaksalzen noch enthaltene Stickstoff zu 0,204 Proc. für die frischen Schwämme, oder 1,82 Proc. für die trockenen Schwämme. Der Gesammtbetrag des Stickstoffs in solchen Schwämmen, welche zu gleicher Zeit gesammelt worden waren, durch Verbrennung bestimmt, ergab sich zu 0,74 Proc. für die frischen Schwämme, oder zu 6,61 Proc. für die bei 80° R. getrockneten Schwämme. Zieht man von letztern Zahlen die Stickstoffmenge ab, welche im Saft in Form von Ammoniak enthalten ist, so findet man, daß nur 0,536 Proc. Stickstoff in den frischen, oder 4,799 Proc. Stickstoff in den trockenen Schwämmen im Zustand von Proteinverbindungen enthalten sind, und daß fast ein Drittel des durch directe Verbrennung erhaltenen Stickstoffs in Form von Ammoniak im Saft vorkommt, oder jedenfalls in einer Form, wo der Stiffstoff zu der Ernährungsfähigkeit der Schwämme nichts beiträgt. Der Ernährungswerth der Schwämme ist also bedeutend überschätzt worden; dieß ist ohne Zweifel auch bei vielen anderen Vegetabilien der Fall, welche nach des Verf. Versuchen bisweilen beträchtliche Mengen von Ammoniak in Form von Ammoniaksalzen enthalten. (Chemical Gazette, 1850 Nr. 189.)

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