Titel: Ueber die Anwendung der elektrischen Telegraphie für den Verkehr in großen Städten; von Aristide Dumont.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1850, Band 118/Miszelle 2 (S. 233–234)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj118/mi118mi03_2

Ueber die Anwendung der elektrischen Telegraphie für den Verkehr in großen Städten; von Aristide Dumont.

Um mein Verfahren zu erläutern, wähle ich als Beispiel Paris.

Hundertundfünfzig telegraphische Correspondenz-Bureaux würden in allen Quartieren von Paris und im engern Weichbild im Verhältniß der Bevölkerung und des gewöhnlichen Verkehrs vertheilt. Diese 150 Bureaux würden durch ein unterirdisches elektro-telegrapyisches System untereinander verbunden, so daß zwischen irgend zwei Stationen, so weit sie auch auseinander liegen mögen, die Depeschen in höchstens zwei Minuten expedirt werden könnten.

In jedem telegraphischen Correspondenz-Bureau würde eine hinlängliche Anzahl von Beamten stationiren, um die Depeschen in die Wohnungen zu tragen und die Antworten in Empfang zu nehmen. Bei der großen Anzahl von Bureaux und der Art ihrer Vertheilung wären nicht über vier Minuten erforderlich, um die Depesche von irgend einem Bureau in eine Wohnung zu tragen, so daß in höchstens sechs Minuten eine Nachricht oder ein Befehl von Vaugirard nach Romainville, von Charenton nach Courbevoie, kurz von jedem Punkte der Stadt Paris nach den entferntesten Stadttheilen gegeben werden könnte.

Organisation des Dienstes. Der Dienst ist in der Art zu organisiren, daß die Depeschen der 150 Bureaux sich nie durchkreuzen können; dieß geschieht auf folgende Weise. Jede besondere Station ist mit der Centralstation durch einen besondern unterirdischen Draht verbunden. Die besonderen Stationen werden in eine gewisse Anzahl Gruppen abgetheilt, so daß die Stationen einer und derselben Gruppe ziemlich in der Richtung divergirender Strahlen herumliegen, deren Centrum die |234| Centralstation ist. Die besondern Drähte, welche die Stationen einer und derselben Gruppe bedienen, liegen im Boden, durch eine Hülle von Gutta-percha isolirt, und in demselben Graben und derselben gußeisernen Röhre von 15 Centimeter Durchmesser eingeschlossen.

Central-Station. Für die Central-Station können mehrere Einrichtungen getroffen werden. Wir beschreiben hier nur diejenige, welche uns als die geeignetste erscheint. Zuerst bemerken wir, daß jede besondere Station, außer ihrem besondern Draht, mit einem vollständigen elektrischen Apparat versehen ist, nämlich: 1) einer Batterie oder einem Elektromagneten, der einen hinlänglich starken Strom hervorzubringen vermag, um die Depeschen fortzupflanzen; 2) einem Telegraphen; 3) einem Schlagwerk; 4) einem Manipulator; 5) endlich einem Commutator und allen gewöhnlichen Nebenrequisiten. Die Centralstation darf nur aus einem einzigen Zimmer bestehen, in welches die Drähte jeder besonderen Station in regelmäßig numerirter Reihe recht sichtbar auslaufen. Mit jedem dieser Drähte sind im Innern der Centralstation in Verbindung: 1) ein Schlagwerk, 2) ein Telegraph, welcher nur die Nummern aller Stationen nach Belieben des Expeditors anzugeben dient.

Die gehörig isolirten Drähte der besonderen Stationen sind an einer Wand der Centralstation senkrecht nebeneinander gereiht. Jeder Draht endigt mit einem ovalen Ring und einem Haken. Unter jedem Haken ist an der Mauer die Nummer der Station angemerkt, welcher er angehört. Das jedem Draht zugehörige Schlagwerk ist mit einem Knopfe versehen, der mittelst der Wirkung eines Elektromagneten um etwa 1 Centimeter aus der äußern Wand dieses Schlagwerks hervortritt, so oft dasselbe in Gang gesetzt wird. Endlich befinden sich gegenüber der verticalen Drähtewand auf der Centralstation eine gewisse Anzahl Bediensteter, deren Geschäft es ist, die numerirten Schlagwerke und Telegraphen unausgesetzt zu beobachten. Setzen wir nun den Fall, die Station Nr. 3 wolle sich in Verbindung setzen mit Nr. 10. Der Expeditor auf der Station Nr. 3 setzt zuerst das Schlagwerk Nr. 3 auf der Centralstation in Gang, so daß der zeichengebende Knopf dieses Schlagwerks heraustritt; dann läßt er am Telegraph Nr. 3 Nr. 10 erscheinen, die Nummer der Station, mit welcher er in Verbindung gesetzt seyn will. Hierauf nimmt einer der Aufseher den Draht Nr. 3 und hängt ihn mittelst der erwähnten Ringe und Haken an den Draht Nr. 10; sogleich kommen die beiden Stationen in directe Verbindung. Man sieht, daß bei dieser Anordnung, welche übrigens kein zahlreiches Personal erfordert, niemals eine Kreuzung der Depeschen eintreten kann. (Comptes rendus, Sept. 1850 Nr. 13.)

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