Titel: Ueber Kautschukwalzen für den Buchdruck.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1850, Band 118/Miszelle 5 (S. 235–236)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj118/mi118mi03_5

Ueber Kautschukwalzen für den Buchdruck.

Schon im Jahre 1841 machte der Hofkammersecretär Pfnor in Darmstadt in Folge eines durch die Localsection des Gewerbvereins für das Großherzogthum Hessen von ihm bezüglich der Anwendung des Kautschuks zu Buchdruckerballen und Walzen geforderten Gutachtens, die Erfahrung, daß sowohl statt des Leders womit sonst die Druckerballen überzogen wurden, wie des zu den nunmehrigen Druckwalzen allgemein gebräuchlichen, aus Leim und Syrup bestehenden Surrogats, der gewöhnliche Kautschuk als ein bei weitem vollkommnerer Ersatz zu dienen befähigt wäre, wenn man nur seine Auflöslichkeit durch den Leinölfirniß der Druckfarbe auf irgend eine Weise zu hemmen, oder vielmehr gänzlich zu beseitigen vermöchte.

Durch die sogenannte Vulcanisirung des Kautschuks hat nunmehr dieser bis jetzt unerfüllt gebliebene Wunsch, wie bereits durch einige kleine Versuche vergewissert ist, seine Befriedigung gefunden.

Der Kautschuk ist in Tafeln oder Platten verschiedener Dicke (von circa 3/10 Linien an zunehmend) käuflich zu erhalten. So eignet er sich am besten zum Ueberzug eines hölzernen Cylinders, dessen Länge und Durchschnittsdicke dem Maaße der gewünschten Druckwalze zu entsprechen hat. Zu diesem Zwecke hat man deßhalb eine Kautschukfläche von etwas größerer Länge wie der damit zu überziehende Cylinder, dagegen von etwas kleinerer Breite als dessen Umfang, in möglichst geraden Linien zuzuschneiden, und durch Vereinigung ihrer beiden Längenseiten einen Schlauch oder eine Röhre zu bilden. Die Eigenschaft des Kautschuks, an frisch geschnittenen Rändern zusammenzukleben, erleichtert diese Vereinigung; man drücke nur diese Ränder mit den Nägeln fest an einander, hüte sich aber dabei die Schnittflächen mit den Fingern zu berühren, weil dadurch ihre Fähigkeit des Zusammenhaftens verschwindet. Zur Erzielung einer innigern Verbindung und Vorbeugung der bei dem spätern Gebrauche leicht möglichen Trennung einzelner Stellen der Verbindung ist jedoch die Anwendung eines Lösungsmittels (am besten einer concentrirten Lösung des Kautschuks in Schwefelkohlenstoff) vorzuziehen.

Sobald diese Vereinigung vollkommen ausgetrocknet ist, kann zur Vulcanisirung der Röhre nach dem Verfahren von Parkes 39) geschritten werden; zu dem Ende taucht man nämlich die Kautschukröhre in eine aus 40 Theilen Schwefelkohlenstoff und 1 Theil Chlorschwefel bestehende Mischung 1 bis 2 Minuten lang ein, nimmt sie dann heraus und trocknet sie in einem auf + 20 bis 25° R. erwärmten Raume. |236| Endlich wird sie in Wasser oder einer sehr schwach ätzenden Kali- oder Natronlauge eine Stunde lang ausgekocht. Bei etwas größerer Stärke der Platte mische man dem Schwefelkohlenstoff eine geringere Menge von Chlorschwefel bei und lasse den Kautschuk länger in dieser Lösung eingetaucht.

Nach Beendigung des Vulcanisirens, welches deßhalb erst nach der Röhrenbildung erfolgt, um die Eigenschaft des Kautschuks mit frischer Schnittfläche sich fest zu verbinden, zur Röhrenbildung benutzen zu können, ziehe man die Röhre sogleich über den Cylinder, dessen Umfang vorher mit Flanell überzogen wurde.

Da nun in Folge des vorher bemerkten Maaßes der Breite, der Umfang der Röhre kleiner ist wie jener des Cylinders, dem sie als Ueberzug dienen soll, ihre Länge dagegen jene des Cylinders etwas übertrifft, so werden in diesem Falle die an beiden Enden des Cylinders überstehenden Ränder der Kautschukröhre die ursprüngliche (kleinere) Weite beibehalten und sich, wenn der Rand an beiden Endflächen des Cylinders etwas abgerundet gebildet wurde, dieser Rundung anfügen. Mittelst zweier Scheibchen, deren innere Flächen etwas concav ausgedreht wurden, können nun die Endränder der Kautschukröhre gepackt und so durch Festschrauben dieser Scheibchen die Befestigung der Röhre genügend erzielt werden.

Der Erfahrung muß es überlassen bleiben, ob beim Gebrauche sehr starker Druckfarbe nicht auch die Anwendung einer dickeren Kautschukfläche erforderlich wird, ob nicht eine Zwischenlage von Gutta-percha (oder eine Mischung derselben mit Kautschuk) oder irgend eine andere Unterlage, auf welcher der vulcanisirten Kautschukröhre auf irgend eine Weise eine Befestigung gegeben wird, den Gebrauch und die Dauerhaftigkeit solcher Druckwalzen wesentlich verbessert. (Journal für Buchdruckerkunst, 1850 Nr. 7.)

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Polytechn. Journal Bd. CIV S. 455.

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