Titel: Mittel zur Erkennung von Zinnoberroth als Wasserfarbe, in Anstrichen, Siegellack u.s.w.; von Prof. Dr. Bolley.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1850, Band 118/Miszelle 9 (S. 237–238)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj118/mi118mi03_9
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Mittel zur Erkennung von Zinnoberroth als Wasserfarbe, in Anstrichen, Siegellack u.s.w.; von Prof. Dr. Bolley.

Wenn es den Chemikern ein Leichtes ist, Zinnober von anderen rothen Pigmenten zu unterscheiden, so dürfte doch das folgende, gewiß noch wenig bekannte Mittel in vielen Fällen ein sehr erwünschtes sehn. Gs zeichnet sich durch die Tüchtigkeit, Schnelligkeit und Sicherheit, mit welcher es Aufschluß gibt, vor jedem andern Reagens aus und gewährt den Vortheil, daß es sich so anwenden läßt, daß der zu untersuchende Gegenstand nicht beschädigt werden, d.h. seiner Farbe beraubt werden muß, um auf die Natur der letztern untersucht zu werden. Es beruht darin, daß eine mit Ammoniak übersättigte Lösung von salpetersaurem Silberoxyd unter Bildung von schwarzem Schwefelsilber fast augenblicklich zerlegt wird. Der schwarze Körper überdeckt den Zinnober und läßt diesen selbst schwarz erscheinen. Nimmt man in eine Feder von der ammoniakalischen Silberlösung und betupft eine mit Oelfarbe angestrichene Fläche oder eine Siegellackstange, in welcher das Färbende Zinnober ist, so wird die Stelle sogleich, jedenfalls sehr bald braunschwarz, zuletzt ganz schwarz. Ein rothes Siegel ist sehr schnell in ein schwarzes umzuwandeln auf diese Art. Die schwarze Oberfläche ist gewöhnlich nicht sehr dick so daß sie leicht kann durch Radiren weggebracht werden. Auf einige Zinnoberanstrichartikel läßt sich vielleicht mit gutem Erfolg von dem genannten Verfahren die Anwendung machen, daß man sie stellenweise schwarz färben kann. Bei Siegellacklösunganstrich wird der Glanz des Harzes nicht im geringsten beeinträchtigt.

Es ist begreiflich, daß umgekehrt der Zinnober als ein Reagens auf (ammoniakalische) Silberlösungen dienen könne. Wenn hiervon bei der Vortrefflichkeit anderer Erkennungsmittel für Silbersalze vielleicht nur seltener eine Benutzung zu erwarten steht, so verdient doch immerhin auch dieß Verhalten eine Erwähnung. (Schweizerisches Gewerbeblatt, Jahrg. IX, S. 11.)

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