Titel: Ueber eine Abwäge-Maschine für Münzen; von Seguier.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1850, Band 118/Miszelle 1 (S. 312–313)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj118/mi118mi04_1

Ueber eine Abwäge-Maschine für Münzen; von Seguier.

Die von mir erfundene Münzwaage hat zum Zweck, die so wichtige Operation des Abwägens der Platten behufs ihrer Justirung und des Nachwägens der geprägten Stucke vor ihrer Abgabe, eine subtile, bis jetzt Menschenhänden überlassene Arbeit, durch die Dampfmaschine der Münze verrichten zu lassen. Der Vorzug meiner Maschine ist, daß die Ausscheidung oder Sortirung in richtige, zu schwere und zu leichte Stücke, mit größerer Sicherheit und schneller vor sich geht als es durch Menschenhände geschehen kann.

Die Gewähr einer guten Sortirung beruht nämlich gegenwärtig bloß auf der ununterbrochenen Aufmerksamkeit der Wäger; dieselben müssen beständig eine geistige Wahrnehmung in Einklang setzen mit einer Thätigkeit der Hand, welche durch beständige Wiederholung bei ihnen gerne maschinenmäßig wird. Die Schnelligkeit des Abwägens mit der Hand ist dabei nothwendig der Geschicklichkeit des Wägers untergeordnet, der immer nur ein Stück auf einmal wägen kann.

Meine Waage trennt die richtigen, zu schweren und zu leichten Stücke, um sie in drei besondere Gruppen zu vereinigen; durch eine einzige Wägung verrichtet sie eine Sortirung, zu welcher sonst drei Wägungen erforderlich sind, indem sie auf das erstemal als richtige Stücke alle diejenigen annimmt, welche sich innerhalb der gesetzlichen Fehlergränze befinden, welche Gränzen diese Maschine in Zukunft zu verändern und enger zu setzen gestattet.

Meine Maschine besteht aus vier Hauptstücken:

1) dem Aufgebetrichter, in welchen man die Platten, wie sie sind, nur hineinzuwerfen braucht, um sicher zu seyn daß sie, wie sie sich auch darin geordnet haben mögen, alle bis zum letzten Stück gewogen werden;

2) der eigentlichen Waage, welche mit der Eigenschaft, nur bei einer größern Gewichts-Differenz als der gestatteten Fehlergränze auszuschlagen, eine große Empfindlichkeit verbindet;

3) dem Aufleger, welcher alle Stücke nacheinander auf die Waagschale bringt; in Folge einer besondern Vorrichtung kann dieser Aufleger nicht, wie diejenigen bei gewöhnlichen Münzwaagen zu functioniren aufhören, wenn die Stücke nach dem Ausschneiden Hervorragungen behielten, durch welche die Platten manchmal aneinander hängen bleiben, oder sich an das Relief der Gepräge hängen;

4) endlich einem Mechanismus, welcher das abgewogene Stück zu dem für die richtigen, zu schweren und zu leichten Platten bestimmten Behältniß führt, welche Bewegungen bloß durch das verschiedene Gewicht der Platten veranlaßt werden.

Es wurden bis jetzt zwei Maschinen zum Sortiren der Münzen construirt; die eine wird in der englischen Bank trotz der außerordentlichen Langsamkeit ihrer Verrichtungen benutzt; die andere wird auf der Münze zu Wien (im Original steht unrichtig München) in einem gläsernen Gehäuse als eine mehr sinnreiche als brauchbare Maschine aufbewahrt; beide haben große Summen gekostet. Ich glaube mit geringern Kosten größere Vortheile zu bieten.

Meine Maschine ist im wesentlichen bloß eine feine Waage mit zweckmäßigen Zusätzen; dennoch erfordert sie nicht, wie die Londoner und Wiener Waage, ein vorheriges Ordnen der Stücke in Rollen und das Einbringen eines Stückes nach dem andern in die Röhre des Auflegers; die Stücke werden dabei nur in den Trichter geworfen, um sortirt und abgewogen zu werden.

Durch ihre Anwendung wird die Verlässigkeit der Abwägung nicht mehr der vollkommenen und beständigen Uebereinstimmung der Einsicht und der Hand des die |313| Abwägung vornehmenden Arbeiters anheimgestellt, sondern sie wird das nothwendige Ergebniß des Spieles einfacher Maschinentheile, deren Berrichtung durch ihre gute Ausführung von Seite der HHrn. Deleuil Vater und Sohn gesichert ist. (Comptes rendus, August 1850, Nr. 7.)

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