Titel: Durch alten Weizen veranlaßte Entzündungen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1850, Band 118/Miszelle 10 (S. 317–318)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj118/mi118mi04_10
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Durch alten Weizen veranlaßte Entzündungen.

Zu Bordeaux ereignete sich diesen Sommer folgender merkwürdiger Fall. Beim Abladen von Getreidesäcken bekamen alle damit beschäftigten Männer plötzlich eine Entzündung der Haut und des Zellgewebes. Der Gesundheitsrath, welcher diese Sache in Untersuchung zog, fand, daß diese Säcke lauter sogenannten rauhen Weizen (blés durs) enthielten, dessen man sich zur Bereitung der Fadennudeln bedient; ferner daß dieser Weizen schon alt und verdorben war und an seinen Spitzen eine abnorme Vegetation begonnen hatte. Diese Art Flaum besteht aus sehr scharfen, zarten Blättchen, welche mittelst der Lupe zu erkennen waren, sich leicht ablösten und auf der warmen, feuchten Haut dieselbe Wirkung hervorbrachten wie die Brennnesseln und gewisse Gemüsehülsen, nämlich einen Reiz, Jucken und Hitzblätterchen. Diesem Pflanzenstaub, vielleicht auch den zahlreichen Insecten, welche dieses Getreide enthielt, war erwähntes Blasenziehen zuzuschreiben. Solches war von den Kornhändlern schon oft bemerkt worden, die durch bloßes Waschen mit kaltem Wasser das Nebel in ein paar Stunden los werden. Die Sackträger hatten nur zu lange nichts dagegen gethan. Ein mineralisches Gift konnte in dem Getreide nicht entdeckt werden. Dasselbe wurde sogleich mit gehöriger Vorsicht gelüftet (ventilirt); zum Verbrauch wurde es jedoch nicht für untauglich erklärt. In ähnlichen Fällen kann man sich durch Befeuchten der Säcke gegen die erwähnten Folgen schützen. (Journal de Chimie médicale, Nov. 1850, S. 683.)

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