Titel: Verfahren in Algier zur Gewinnung der Milch der Kühe; von Hrn. Reboulleau.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1850, Band 118/Miszelle 16 (S. 320)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj118/mi118mi04_16

Verfahren in Algier zur Gewinnung der Milch der Kühe; von Hrn. Reboulleau.

In Algier wird, wie in mehreren heißen Ländern, die Milch einer Kuh nur dadurch gewonnen, daß man vorher ihr Kalb einige Augenblicke an ihr saugen läßt. Die Bauern zweifeln gar nicht, daß die Mutter ihre Milch nach Belieben von sich zu geben und zurückzubehalten vermag, und daß sie ersteres nur thue, wenn sie ihren Säugling nahen sieht. Diese Meinung ist offenbar eine irrige, aber wahr ist, daß wenn man in Algier eine Kuh, wie bei uns zu Lande, ohne vorherige Vorkehrung melken wollte, man völlig leer ausginge. Die algerischen Kühe sind keine so guten Milchkühe wie die unserigen, was durch ihre verschiedene Nahrung sich leicht erklären läßt; die Ursache kann aber nicht bloß darin liegen, denn bei uns geben auch die Kühe, welche schlechte Nahrung erhalten, ihre Milch gern ohne Vermittelung des Kalbes ab. Hr. Reboulleau findet es wahrscheinlich, daß unsere Kühe vom Normalzustand abweichen, daß nämlich das Vonsichgeben der Milch auf bloßes Ziehen am Euter eine erst erworbene und sich fortpflanzende Eigenschaft sey. Um in Algier die Kälber, welche dem Milchertrag großen Eintrag thun, ohne jedoch so viel Milch zu erhalten, daß sie gut genährt würden, nicht beibehalten zu müssen, glaubt Hr. R., könne man das Saugen statt vom Kalb, durch den Kuhknecht verrichten lassen, nämlich mittelst eines von ihm construirten kleinen Instruments, das einer türkischen Pfeife ähnlich und deren der Größe des Euters angepaßter Kopf an seinem freien Rande mit einer Art Kragen von Goldschlägerhaut (mit untergelegtem Leder) versehen ist, die sich um das Euter fest anlegt, während das Rohr an seinem Mundende ein Ventil hat, welches sich, sobald man aufhört anzuziehen, sogleich schließt, so daß man die Bewegung des Saugens ohne Anstand unterbrechen kann. Wenn auf diese Weise nur ein wenig Milch geflossen ist, bedarf es bloß noch des kunstgerechten Ziehens mit der Hand, um das Ausfließen zu unterhalten. (Comptes rendus, Juli 1850, Nr. 5.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: