Titel: Versuche über schmiedbares Messing.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1850, Band 118/Miszelle 2 (S. 313)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj118/mi118mi04_2

Versuche über schmiedbares Messing.

Hr. Kupferschmied Zander legte der polytechnischen Gesellschaft zu Königsberg Proben von schmiedbarem Messing vor, zu dessen Herstellung er das Recept gewählt hatte, in dem 33 Kupfer und 25 Zink angegeben sind. Er hatte demnach auf einem gewöhnlichen, oben offenen Schmelzherde einen Graphittiegel in Holzkohlen gesetzt, 8 1/4 Pfd. Kupfer hineingelegt, den Tiegel mit einer kleinen Platte bedeckt und das Kupfer zum Schmelzen gebracht. Der Herd selbst ist mit einem etwa 1 1/2 Fuß hohen Rande umgeben, der das Brennmaterial mit dem Tiegel zusammenhält, und steht durch eine Oeffnung in einer Seite des Randes mit dem Schornstein in Verbindung. Ueber die Flamme wird dann eine größere Deckplatte gelegt, die aber nicht den Herd oben völlig schließt und auf diese Weise einen starken Zug bewirkt. Wenn das Kupfer flüssig war. legte Hr. Zander 6 1/4 Pfd. Zink darauf, und streute gleich darauf, da das Zink sehr schnell schmilzt, ein wenig pulverisirten Schwefel, um das Blei aus dem Zink auszuscheiden, wenn welches darin enthalten ist; die auf dem geschmolzenen Metalle schwimmende Schlacke, Asche, Kohlen oder Schwefelmetalle wurden dann mit einem Löffel abgeschöpft, die Masse etwas durchgerührt, und nachdem sie sich vollständig verbunden hatte, der Tiegel mit Zangen herausgehoben und in offene kupferne Formen ausgegossen. Es war nur 1/4 bis 3/8 Pfd. Verlust an Gewicht durch Verdampfung des Zinks u.s.w. Eine der gegossenen Stangen brachte Hr. Zander sogleich unter zwei Hammer und schmiedete es wie Kupfer, konnte es biegen und strecken, eine andere Stange kühlte er sogleich in Wasser ab, glühte sie wieder und schmiedete sie auch wie die erste; jedoch bemerkte er bald, daß dieß Messing sich nur bei der dunkel braunrothen Glühhitze gut behandeln lasse; wird es weißglühend gemacht, so fällt es unter dem ersten Hammerschlage aus einander. Als es sich nun zeigte, daß der erste Versuch schon nicht mißlungen war, stellte Hr. Zander sogleich noch einen zweiten sorgfältigeren an, und goß das Metall nicht in offene Formen, sondern in Sand; er erhielt glatte viereckige Stangen von 16'' Länge, 1 1/4'' Breite und 1/2 Zoll Dicke, von denen er 6'' lange Stücke im Feuer um 2'' strecken konnte. Eine Stange schmiedete er rund, ein anderes Stück bog er zu einer Oese um, schmiedete einen herzförmigen Lappen mit einem schmalen Hammer, und alle Stücke waren durchaus dicht und ganz, ohne Risse und Sprünge geblieben. Ein dickes Stück jedoch, welches Hr. Zander zu ziehen versuchte, riß. Außerdem waren noch ein Paar lange Nägel angefertigt worden, von denen der eine gebeizt war. Die Farbe dieses Messings ist wenig verschieden von der goldgelben des gewöhnlichen, vielleicht mit einem Stich ins Röthliche. (Gewerbevereinsblatt der Provinz Preußen, IVter Jahrg., Liefer. 9 und 10. – Wir verweisen auf Dr. L. Elsner's Versuche über schmiedbares Messing im polytechn. Journal Bd. CXIII S. 434.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: