Titel: Ueber die Veränderung, welche viele Spiralen beim längeren Gebrauche der Uhren erleiden.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1850, Band 118/Miszelle 3 (S. 313–314)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj118/mi118mi04_3

Ueber die Veränderung, welche viele Spiralen beim längeren Gebrauche der Uhren erleiden.

Hr. Uhrmacher Bäcker machte der polytechnischen Gesellschaft zu Königsberg eine interessante Mittheilung über die Veränderung, welche viele Spiralen beim längeren Gebrauch der Uhren erleiden, was natürlich den übelsten Einfluß auf die Gleichmäßigkeit des Ganges derselben ausüben muß; er hatte bemerkt, daß bei den Schweizer Spiralen mit der Zeit nicht selten eine Vergrößerung ihres Umfanges entstehe, wodurch die Unruhe in eine falsche Stellung komme, was zuletzt ein Stillstehen der Uhr zur Folge haben könne. Aus diesem Umstande, der bei den auf englische |314| Art gemachten Spiralen nicht einträte, sey er darauf hingeführt worden, in der Art und Weise der Fabrication der Schweizer Spiralen den Grund zu dieser Veränderung suchen zu müssen. Die Schweizer arbeiten ihre Spiralen, indem sie mehrere auf einmal auf eine Federwinde aufwickeln, sie in eine Kapsel bringen und zuletzt über Feuer blau anlaufen lassen. Die englischen Spiralen sind aber zwischen eine Klemme oder Zange, die man in der Hand hält, durchgezogen, wodurch sie sich zusammenrollen; eine Operation, die viel mühsamer ist als jene. Es wird hier ein bestimmter Druck auf alle Theilchen des Eisens ausgeübt; werden solche Federn dann auf einer Platte freiliegend über Feuer blau anlaufend gemacht, so verändern sie sich später nicht mehr. Die Schweizer aber lassen sie in einer Kapsel blau anlaufen, sie krümmen sich also in einem eingeschlossenen Raume, durch die Wärme sich ausdehnend, sehr stark. Nimmt man daher eine Schweizer Spirale und erwärmt sie auf einer Platte freiliegend, so dehnt sie sich aus und vergrößert ihren Umfang bedeutend. Ebenso verändert sie sich nun nach längerem Gebrauch der Uhr, in welcher sie freiliegend den Temperatureinflüssen ausgesetzt ist, und die Stellscheibe ist nicht immer im Stande sie genügend zu verkürzen. Hr. Bäcker hält es daher für räthlich, diese Spiralen zur Vorsicht gegen den bezeichneten Uebelstand vor dem Einsetzen in das Uhrwerk freiliegend auf einer Platte zu erwärmen, dann verändern sie sich nicht mehr und man kann mit größerer Sicherheit auf ein längeres Richtiggehen der Uhr rechnen. (Gewerbevereinsblatt der Provinz Preußen, IVter Jahrg., Liefer. 9 und 10.)

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