Titel: Goldschmidt's Instrument um die Brennweite der Brillengläser zu bestimmen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1850, Band 118/Miszelle 4 (S. 314)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj118/mi118mi04_4

Goldschmidt's Instrument um die Brennweite der Brillengläser zu bestimmen.

Hr. Optikus Goldschmidt zeigte in der polytechnischen Gesellschaft zu Königsberg ein Instrument, vermittelst dessen er die Brennweite der Brillengläser bestimmt, und erläuterte durch einen praktischen Versuch dessen Anwendung. Es besteht aus einer 8 Fuß langen, viereckigen, oben offenen hölzernen Röhre oder Rinne, die man auf einen Tisch setzt. In diese Rinne wird ein kleiner hinein passender Blechkasten gestellt, in dem unter 45° Neigung gegen die Horizontale ein Spiegel angebracht ist. Dieser Blechkasten ist auf einer Seite mit einer matten Glastafel verschlossen und die hölzerne Rinne hat an ihrem Ende ein rundes Loch vor welches man das zu untersuchende Brillenglas einsetzt. Wird nun die Rinne oben bis zum Spiegelkästchen bedeckt, so daß von anderwärts kein Licht auf den Spiegel fallen kann, so wird das Bild irgend eines in der Richtung der Rinne liegenden Gegenstandes durch die runde Oeffnung in derselben und durch das Brillenglas auf der matten Glastafel und somit auf dem Spiegel erscheinen. Dieser steht unter einem 45° geneigten Winkel, damit man von oben (und zur Deutlichmachung des Bildes ist noch ein Vergrößerungsglas angebracht) das auf den Spiegel geworfene Bild bequem betrachten könne. Der Spiegelkasten läßt sich nun in der Rinne beliebig weit verschieben dem Gegenstande nähern oder von ihm entfernen, bis das Bild deutlich wird. An ihm ist ein Stift befindlich, der auf dem Rande der Rinne die Zahl der Zolle bezeichnet und die Brennweite der convexen Linsen angibt. Hr. Optikus Goldschmidt untersucht nun die verschieden starken und schwachen convexen Gläser mit seinem Focusmesser, numerirt sie nach der Zollzahl ihrer Brennweite und hält sich von jeder Nummer ein Probeglas. Durch das Probeglas erfährt er dann leicht auch die negative Brennweite concaver Gläser. Hält man nämlich ein convexes Probeglas von bekannter Brennweite vor das Auge, so ist dasjenige Hohlglas von gleicher Brennweite, welches, wenn es über das convexe herüber gelegt wird, die Wirkung des ersteren vollständig aufhebt, so daß man durch eine bloße Glasscheibe oder durch Fensterglas zu sehen glaubt, daß also die Gegenstände für ein gesundes Auge in ihrer natürlichen Größe erscheinen. Hr. Goldschmidt probt auf diese Weise auch concave Brillengläser aus, und bestimmt dann wieder umgekehrt mit diesen die Nummern der convexen; so daß er die Focusmesser immer nur dann anwendet, wenn ihm eine Nummer der Probegläser fehlt. (Gewerbevereinsblatt der Provinz Preußen, IVter Jahrg., Lief. 9 u. 10.)

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