Titel: Ueber sogenannten ostindischen Krapp, Rubia Munjistha; von Professor Schumann in Eßlingen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1850, Band 118/Miszelle 5 (S. 314–316)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj118/mi118mi04_5
|315|

Ueber sogenannten ostindischen Krapp, Rubia Munjistha; von Professor Schumann in Eßlingen.

Vor etlichen Jahren brachte ein Handlungshaus ein rothes Pulver unter dem Namen ostindischer Krapp, Munjeet in den Handel. In Ostindien wächst eine Krappart wild, welche die Botaniker Rubia Munjistha Roxb. nennen, deren Wurzel in Ostindien zum Färben gebraucht werden soll. Nach Runge enthält sie dieselben Farbstoffe, wie unser Krapp, Rubia tinctorum; Runge hat auch Farbversuche im Kleinen mit ihr angestellt, und dieselben Resultate mit ihr erhalten. Bei Farbversuchen im Großen hat sich aber ihre Anwendbarkeit nicht bestätigt.

Der Pflanzentheil, welcher den sogenannten Krapp liefert, er mag von einer Krappart kommen von welcher er will – man kennt jetzt an 65 verschiedene Arten oder Species von Rubia – ist der unter der Erde fortkriechende und sich verbreitende Wurzelstock, gemeinhin Wurzel genannt, von der Dicke eines Federkiels, bisweilen, aber nur bei morgenländischen Arten, und auch bei diesen sehr selten von der Dicke eines Fingers, gewöhnlich 6–10 Zoll lang, auch langer vorkommend, gekrümmt, außen braunroth und mehrere Stengel treibend. Neben den färbenden und harzigen Bestandtheilen enthält unser hieländischer Krapp Salze, Zucker und Gummi. Wenn man seit jeher bei den Pflanzen eine gewisse Uebereinstimmung der Gestalt mit den Eigenschaften bemerkt, das heißt in den einander gleichenden Arten mehr oder minder dieselben chemischen Eigenschaften erkennt, wenn Gleichheit der Eigenschaften sich nur in ähnlichen Pflanzen oder Pflanzentheilen, Aehnlichkeit derselben in nahe verwandten Pflanzen und in gleichen oder sehr ähnlichen Pflanzentheilen sich findet, was die Pflanzenphysiologie und Chemie außer allen Zweifel setzt, so steht fest, daß die chemischen Bestandtheile unserer Krappwurzel, der Rubia tinctorum, wenn auch in unwesentlichen Abänderungen, in den Wurzeln aller Rubia-Arten der Hauptsache nach dieselben seyen, daß sie aber in andern Pflanzentheilen derselben Rubia-Arten nicht nothwendig vorkommen müssen und nicht vorkommen werden, so namentlich außer den Pigmenten Zucker, Gummi, Salze. Zwar kommt Zucker auch in noch andern, wie in der Rübe, vielleicht in allen Wurzeln vor, so z.B. in dem bittern Enzian neben dem Bitterstoff, aber bei der Krappwurzel gehören diese Bestandtheile zu ihrer besondern Eigenthümlichkeit, und diese enthalten die Ursache daß unsere gemahlenen Krappwurzeln, wenn sie auch als trockenstes Pulver in die Fässer eingestampft und diese fest verschlossen worden, nach Jahr und Tagen doch ziemliche Feuchtigkeit aus der Luft eingesogen haben, in der Art, daß meistens der Deckel des Fasses convex nach außen gebogen und der Krapp so fest zusammengebacken ist, daß man ihn oft mit Meißel und Hammer herausschlagen muß. Legt man frisch gemahlenen Krapp an einen feuchten Ort, z.B. in den Keller, so sieht er nach kurzer Zeit feucht aus, seine Farbe ist tiefer und röthlicher geworden und hat an Gewicht zugenommen.

Das Krapp-Pulver unserer Färberröthe, sowie das von morgenländischen Wurzeln, ist gelblich bis röthlichgelb, an feuchter Luft ändert sich diese Farbe mehr ins Röthliche, aus dessen Nüance die Güte des Krapps vom Kaufmann beurtheilt wird. Das in Rede stehende Pulver des ostindischen Krapps ist roth, trocken, nicht feuchtend in der Luft, backt im Faß nicht zusammen, und ist faserig.

Nach diesen äußeren Eigenschaften, namentlich der letzteren, könnte man schon vermuthen daß dieser Munjeet aus keiner Wurzel bereitet worden, sondern wenn auch vielleicht aus einer Krappart, aus einem anderen Pflanzentheile derselben. Bischoff in seinem Lehrbuch der Botanik Bd. III S. 554 sagt: Die Färberröthe wird wegen des Wurzelstocks, der in der Färberei dient, angebaut, und Descaines in seiner gekrönten Preisschrift über den Krapp Seite 22: En examinant le tissu cellulaire, on voit celui de la racine sécréter un liquide jaune, tandis que celui de la tigelle, qui n'en diffère nullement d'après l'observation, se remplit de matèrie verte. Cette difference si grande des sécrétions etc. d.h. wenn man das Zellgewebe untersucht, so findet man in dem der Wurzel einen gelben (später roth werdenden) Saft, während das Zellgewebe des Stengels, das Beobachtungen zufolge von dem der Wurzel nicht im mindesten verschieden ist, mit grünem Stoff sich anfüllt. Diese so große Verschiedenheit der abgesonderten Stoffe etc.

|316|

Diese Vermuthung wird auffallend bestätigt, wenn man diesen Pflanzenkörper ungemahlen zu Gesicht bekommt, denn angekommen ist er in – mit Meerrohr umschnürten Bündeln von 1–1 1/2 Fuß Länge und etwa 2 Pfd. Gewicht, und diese Bündel enthielten 4–5–6 Fuß lange, gerade, gegliederte und äußerlich aschgrau, nicht braunroth aussehende, man kann unmöglich sagen: Wurzeln, sondern Stengel, die überhaupt den Hanfstengeln sehr ähnlich waren; an ihnen hingen hie und da ein Blättchen und eine Wurzel. Hieraus ist nun ohne weitere Auseinandersetzung abzunehmen, daß diese ostindischen Krappe keine Wurzeln, sondern Stengel sind. Ob diese nach dem obigen zum Färben anstatt unseres Krappes taugen können, ist eine Frage, die sich von selbst und zwar mit Nein! beantwortet.

Ob aber diese Stengel von einer Krappart herkommen, ist schwer zu beantworten, vielleicht nicht einmal dieß!

Daraus, daß diese Stengel ein rothes Pulver geben, ist noch nicht erwiesen, daß man mit ihnen dauerhaft roth färben könne, oder gar daß sie für Krapp substituirt werden können, letzteres selbst nicht, wenn sie mit Thonerdebeizen roth färben. Denn andere Dinge, wie Fernambuc- und Sandelholz färben mit diesen Beizen auch roth.

Von diesem rothen Pflanzenpulver ist, zweifelsohne um einen alten Lagerhüter wegzubringen, von dem Hause unter andere Krappe gemengt worden; ob solche Beimengungen einem guten Krapp Nutzen oder Schaden bringen, ob ein solcher dadurch verbessert oder verschlechtert werden müsse, darüber hat man sich in einem jüngst in diesem Journale gegebenen Aufsatze ausgesprochen.

Nachdem dieser Aufsatz niedergeschrieben war, lesen wir in Geiger's Annalen der Pharmacie, Bd. VI, 1833, S. 335: „Das Munjeet ist eine Pflanze, deren Stengel mehr Farbstoff liefert als die Wurzel, in trockenem Zustande ist sie fast so reich wie guter Avignonkrapp, enthält aber so viele gelbe und saure Bestandtheile, daß es unmöglich ist solide Farben damit hervorzubringen. Die rothe Farbe, welche man damit auf geölte Baumwolle hervorbringt, ist selbst nach dem Aviviren am Lichte so flüchtig, daß sie, einige Tage demselben ausgesetzt, fast (!) verschwindet.“

Hienach könnte nun obiges Pulver doch von der Rubia Munjistha herkommen; aber wenn auch, so ist es eben nicht der Pflanzentheil, welchen man unter Krapp versteht und will: nämlich Wurzelstock oder Wurzel, daher ist dessen Verabreichen anders als unter dem wahren Namen nicht zu rechtfertigen, weil es den Verarbeiter oder Abnehmer in Schaden bringt. (Gewerbebl. aus Württemb., 1850, Nr. 32.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: