Titel: Das Gebäude für die große Londoner Gewerbeausstellung von 1851.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1850, Band 118/Miszelle 1 (S. 429–430)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj118/mi118mi06_1

Das Gebäude für die große Londoner Gewerbeausstellung von 1851.

Das Gebäude wird 1848 Fuß lang seyn, 408 Fuß breit und 66 Fuß hoch. Eine andere seiner besonderen Eigenschaften besteht darin, daß alles von der Baustelle entfernt zugerichtet werden kann, und daß es nur des Zusammenfügens auf dem Grund und Boden bedarf. Die lange Linie wird durch einen Kreuzflügel von der Höhe von 108 Fuß durchschnitten, welcher eine Reihe von Ulmenbäumen einschließen wird, die so nahe in der Mitte stehen, daß sie die Länge in 948 Fuß auf der einen Seite und |430| 900 Fuß auf der anderen theilen. Außer dem Holzwerke für Querbalken, Fußböden etc., bilden Glas- und eiserne Stützen das ganze Bauwerk. Die Pfeiler sind durchgehends von derselben Form. Gleiches läßt sich von einem jeden Fensterrahmen und jeder Glasscheibe sagen. Die Zahl der Pfeiler, welche in der Länge von 14 Fuß 6 Zoll bis 20 Fuß verschieden sind, ist 3230. An gußeisernen Bindebalken zum Tragen der Galerien und Dächer gibt es 2244, außer 1128 Zwischenträgern oder Verbindungen; 358 Balken von gezogenem Eisen zum Tragen des Daches, 34 Meilen Rinnen, um das Wasser nach den Pfeilern zu leiten, 202 Meilen Fensterrahmen und 900,000 Quadratfuß Glas. Das Gebäude wird ungefähr 18 englische Acker Boden einnehmen und mit den Galerien eine Oberfläche zum Ausstellen von 21 Ackern darbieten; jedoch werden zu einer großen Vermehrung der Galerien für den Nothfall Vorkehrungen getroffen. Die Galerie wird 24 Fuß breit seyn und beinahe eine Meile Ausdehnung haben. Die Länge der Tische oder des Tischraumes zum Ausstellen wird ungefähr 8 Meilen betragen. Eine Idee von der beispiellosen Menge des Materials, welches zu diesem Gebäude wird verwendet werden, gibt die Thatsache. daß das Glas allein nahe an 400 Tonnen wiegen wird.

Wie bereits gesagt, wird die Oberfläche zum Ausstellen einen Raum von ungefähr 21 englischen Ackers einnehmen. Der Totalkubikinhalt des Gebäudes wird 33 Millionen Kubikfuß seyn Die Gesammtsumme des Unternehmungsvertrags für die Benutzung, Abnutzung und Erhaltung ist 79,800 Pfd. St., oder sehr wenig mehr als 9/16 eines Pennys per Kubikfuß. Der Gesammtwerth des Gebäudes, wollte man es dauernd beibehalten, würde 150,000 Pfd. St. seyn, oder etwas weniger als 1 1/12 Penny per Kubikfuß. Es sind von Vielen gegen den Plan des Gebäudes wegen des Regens von außen und des verdickten Dunstes im Innern Einwürfe gemacht und behauptet worden, daß der Boden zu einem Moraste und die Atmosphäre zu einem Nebel gemacht werden würde; es ist daher einer sinnreichen Methode zu gedenken, durch welche Hr. Paxton einer jeden Gefahr vorbeugt, daß die Ausstellung aus eine solche Weise überschwemmt werde. Das Glasdach besteht aus einer Reihe von „Hügeln und Thälern“, genau 8 Fuß breit. Längs der Abdachung von außen und innen wird das Wasser in Rinnen geleitet, welche an dem obern Theile eines jeden Pfeilers befestigt sind, wo es dann durch diese Pfeiler selbst entrinnt. Nirgends läuft das Wasser weiter als 12 Fuß, ehe es die Einsenkungen erreicht. – Die Vorkehrung zur Lüftung ist, nach der Versicherung des Hrn. Paxton, ein ganz besonderer Theil seines Planes. Er sagt, das Gebäude werde mit Luft- oder Ventilationsbrettern versehen werden, die so angebracht sind, daß sie die Luft zulassen, aber den Regen ausschließen. Das Dach und die Südseite des Gebäudes wird mit Kannevas bedeckt werden, und bei sehr heißem Wetter kann dieser begossen und so das Innere kühl erhalten werden. In dem Kreuzflügel allein werden mehr als 5000 Fuß Oberfläche Ventilatoren angebracht werden, und es wird sich ausweisen, daß, wenn Hr. Paxton sich überhaupt in Bezug auf die Lüftungsmittel geirrt haben sollte, deren eher zu viel als zu wenig seyn werden. Dadurch, daß die Südseite und das Dach des Gebäudes mit Kannevas bedeckt wird, wird ein sanftes Licht über das ganze Gebäude verbreitet, und wird die ganze Glasfläche der nördlichen Seite des Gebäudes dem Innern ein unmittelbares Licht zuwenden. (Nach d. preuß. Staatsanzeiger, Nr. 254.)

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