Titel: Die Bleistiften-Fabrik der HHrn. Banks und Forster in England.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1850, Band 118/Miszelle 3 (S. 431)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj118/mi118mi06_3

Die Bleistiften-Fabrik der HHrn. Banks und Forster in England.

Die Bleistiften-Fabrik der HHrn. Banks und Forster zu Keswig in Cumberland, Besitzer der einzigen Grube zu Seathwhite welche den so berühmten Graphit liefert, beschäftigt nur 48 Menschen und steht in jeder Hinsicht unserer Fabrication nach. Es bewährt sich auch hier wieder der Satz, daß selbst in England, ohne Concurrenz der menschliche Geist nicht raffinirt und das Monopol keineswegs die Mutter der Erfindungen ist. Die natürlichen Graphitstücke werden zuerst mit einer Handsäge in gehörig dünne Platten gesägt und diese, nachdem sie an der längsten Seite eine gerade Kante erhielten. mit dieser in die mit Leim bestrichene Fuge des Bleistiftes eingeschoben; dann wird mittelst eines spitzen Instrumentes die Graphitplatte so nahe als möglich am Holze eingeschnitten und abgebrochen; nachdem nun die Holzleiste aufgeleimt ist, wird die weitere Holzarbeit auf ganz gewöhnliche Art vollendet. Aus dem beim Sägen abfallenden Graphitstaube sowohl, als auch aus Graphit von anderer Gegend wurden auf eine geheim gehaltene Weise etwa 8 Zoll lange, 3 Zoll hohe und eben so breite Prismen geformt, welche, nachdem sie bei abgehaltener Luft längere Zeit im Glühen erhalten wurden, so wie der natürliche Graphit in Platten geschnitten werden. Selbst in der berühmten Fabrik der ever pointed pencil cases des Hrn. Mordan in London werden die feinen runden Graphitstifte, nicht wie dieß bei uns geschieht, verfertigt, indem man die durch Zusatz von etwas Thon plastisch gemachte Graphitmasse durch eine runde Oeffnung preßt und dann erst glüht, sondern es werden zuerst aus den auf die oben angegebene Art erzeugten Platten dünne Prismen geschnitten, und diesen wird in einer sehr sinnreich eingerichteten kleinen Hobelmaschine, wo die Schneiden aus Demantspitzen bestehen, die Cylinderform gegeben. Die aus dem natürlichen Graphit erzeugten Bleistifte bilden die feinste Sorte, und das Stück wird in der Fabrik zu Keswig zu 1 Shill. verkauft! Es war mir auch interessant die Graphitwerke, welche dieses kostbare Material liefern, zu sehen, ich machte daher den romantischen Weg von Keswig dahin, und dieser war wohl auch das einzige, was die Mühe und Zeit lohnte, denn in Seathwhite selbst ist wenig zu sehen. In den Gruben sind höchstens 8–10 Mann beschäftigt, und die größte Ausbeute, welche man je machte, betrug 500 Cntr. engl. im Jahre 1803 Die Art des Vorkommens des Graphits ist bekannt. Prof. Schrötter. (Aus dessen Bericht über seine Reise nach England, durch die Zeitschrift des niederösterr. Gewerbvereins, 1850 Nr. 48.)

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