Titel: Verfahren zur Entdeckung des Chloroforms in Leichnamen; von Dr. Snow.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1850, Band 118/Miszelle 5 (S. 432–433)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj118/mi118mi06_5

Verfahren zur Entdeckung des Chloroforms in Leichnamen; von Dr. Snow.

Folgenden Verfahrens bediente sich der Verfasser zur Entdeckung des Chloroforms in einem Leichnam. Man brachte das Blut oder sonst einen Theil des Körpers in eine Flasche, aus der eine Röhre trat, welche an einer Stelle rothglühend gemacht wurde; eine andere, am Ende der letztern befestigte Glasröhre war innerlich mit einer Auflösung von salpetersaurem Silber befeuchtet und endigte in einer innerhalb ebenfalls mit solcher Lösung befeuchteten Woulfe'schen Flasche. Die erste Flasche wurde im Chlorcalciumbad erhitzt, und der dadurch entwickelte Dampf mußte durch die rothglühende Röhre gehen, wodurch alles etwa vorhandene Chloroform zersetzt wurde; das Chlor und die Salzsäure, welche dadurch frei geworden waren, |433| wurden in der nächsten Röhre aufgehalten, wo sie einen Weißen Niederschlag von Chlorsilber bildeten, welcher am Licht bald eine dunkle Farbe annahm. Die Natur des Niederschlags konnte noch weiters dadurch dargethan werden, daß man die Röhre mittelst einer Feile zerschnitt, in das eine Stück ein paar Tropfen Salpetersäure, und in das andere Ammoniakflüssigkeit brachte.

Das Vorhandenseyn von Chloroform wurde auf diese Weise bei zwei durch Einathmen von Chloroform-Dampf getödteten jungen Katzen sechs Tage nach ihrem Tode nachgewiesen, obwohl keine Vorkehrungen getroffen waren; ihre Leichname vor dem Zutritt der Luft zu schützen, und jede nicht einmal einen Tropfen Chloroform bekommen hatte Die untersuchten Theile der Thiere waren die Eingeweide der Brust und des Unterleibs, das Gehirn und verschiedene Muskeln Auch an dem Leichnam eines amputirten Kindes zeigte sich das Verfahren ganz zweckentsprechend. 1/100 Gran Chloroform in 1000 Gran Wasser aufgelöst, kann auf diese Weise noch entdeckt werden. Nur das Oel des ölbildenden Gases, das Chloräthyl (leichter Salzäther) und einige ähnliche Körper könnten bei dieser Probe ebenfalls Chlorsilber geben; sie sind aber nicht im Gebrauche und kommen im Handel nicht vor. Es befinden sich zwar salzsaure Salze im menschlichen Körper; dieselben können aber unter obigen Umständen und ohne vorheriges Trocknen der Theile nicht zersetzt werden. Die Eingeweide eines weiblichen Leichnams, welche man 2–3 Stunden in ihrem eigenen Blutwasser hatte kochen lassen, gaben nicht die geringste Spur Chlorsilber, während in Fällen, wo der Tod durch Chloroform erfolgte, der Niederschlag sich schon bildete, wenn der behandelte Theil die Temperatur von 80° R. erreichte. (Chemical Gazette, 1850, Nr. 184.)

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