Titel: Loomis, über die elektrischen Erscheinungen gewisser Häuser.
Autor: Loomis, Elias
Fundstelle: 1851, Band 120, Nr. X. (S. 40–42)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj120/ar120010

X. Ueber die elektrischen Erscheinungen gewisser Häuser; von E. Loomis, Professor der Physik an der Universität in New-York.

Aus Silliman's american Journal of Science, Novbr. 1850, S. 321.

Innerhalb weniger Jahre haben mehrere Häuser in New-York elektrische Erscheinungen in bedeutendem Grade gezeigt. Monate hindurch gaben sie Funken, welche eine beträchtliche Intensität besaßen und von einem lauten Krachen begleitet waren. Ein Fremder, welcher in ein solches elektrisches Haus trat, erhielt einen sehr merklichen Schlag, als er den Bewohnern desselben die Hand reichte. Man nahm einen Funken wahr, sowie man die Hand nahe an den Knopf der Thür, an den vergoldeten Rahmen des Spiegels, an die Gasröhren, oder an irgend einen metallenen Körper brachte, besonders wenn solcher mit dem Boden in freier Verbindung stand. In einem Hause, welches ich zu untersuchen Gelegenheit hatte, erhielt ein Kind, das den Knopf der Thür mit der Hand faßte, einen so heftigen Schlag, daß es in großer Angst davon lief. Wenn die Frau des Hauses sich dem Sprachrohre näherte, um ihren Dienstboten Befehle zu ertheilen, so erhielt sie einen unangenehmen Schlag auf den Mund, bis sie einsah, daß sie die Röhre zuerst mit dem Finger berühren müsse. Ging sie von einem Zimmer in das andere und trat sie zufällig auf die Messingplatte der Flügelthüren, so erhielt sie einen Schlag an den Fuß. Brachte sie den Finger an den Armleuchter (das Zimmer wurde mit Gas durch einen Leuchter, der vom Plafond herabhing, erleuchtet), so erschien ein glänzender Funke in Begleitung eines Schlages, wie bei der Entladung einer stark geladenen Leidener Flasche. In vielen Häusern waren die Erscheinungen noch bedeutender, so daß sie allgemein Ueberraschung und Bestürzung erregten.

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Nach einer sorgfältigen Untersuchung aller derartigen Fälle bin ich zu dem Schlusse gekommen, daß durch die Reibung der Schuhe der Bewohner auf den Teppichen des Hauses Elektricität erregt wird. Ich habe durch einen directen Versuch bewiesen, daß sich Elektricität durch die Reibung von Leder an wollenen Stoffen entwickelt. Zu diesem Zweck stand ich auf den Isolirstuhl, breitete ein kleines Stück Teppichzeug auf dem Tische vor mir aus und rieb dasselbe mit einem Stück Leder heftig; hierauf brachte ich das Leder in die Nähe des Knopfes eines Goldblattelektrometers, dessen Blätter mit großer Heftigkeit aus einander fuhren. Die Elektricität des Leders war Harzelektricität. Es muß sich also nothwendig Elektricität erzeugen, wenn eine Person mit einer schlürfenden Bewegung auf dem Teppiche geht; aber wer würde erwarten, daß die Elektricität intensiv genug wäre, um einen glänzenden Funken zu geben? Um diese Wirkung hervorzubringen, muß eine Vereinigung günstiger Umstände stattfinden:

1) Der Teppich, oder wenigstens seine obere Fläche, muß ganz aus Wolle bestehen und sein Gewebe sehr dicht seyn, um Elektricität in Ueberfluß zu liefern. Soweit ich Gelegenheit hatte die Sache zu unter suchen, halte ich Teppiche von schwerem Sammet als die geeignetsten zu diesem Zweck. Ein doppelt zusammengelegter in der Wolle gefärbter Teppich liefert ebenfalls viel Elektricität; die größere Dicke begünstigt wohl die Isolirung des Teppichs.

2) Der Teppich, sowie der Fußboden des Zimmers, muß recht trocken seyn, damit das elektrische Fluidum nicht, sobald es sich entwickelt hat, wieder verschwindet. Dieß ist nicht immer der Fall, ausgenommen im Winter, und in Zimmern welche recht warm gehalten werden. Die merkwürdigsten Fälle, von denen ich in New-York gehört habe, kamen in geschlossenen, gut gebauten Häusern vor, welche durch Oefen recht erwärmt worden waren; die Elektricität war bei sehr kalter Witterung am reichlichsten vorhanden; bei warmer Witterung erhielt man nur schwache Anzeichen von Elektricität.

3) Das Reibzeug, d. h. der Schuh, muß wie der Teppich, ebenfalls recht trocken seyn und auf dem Teppich etwas heftig gerieben werden. Wenn eine Person ein- oder zweimal durch das Zimmer hüpft und dabei mit den Füßen den Teppich hart streift, wird sie stark geladen; naht sie sich hierauf mit dem Knöchel einem metallenen Körper, besonders wenn dieser mit dem Boden gut communicirt, so entladet sich ein starker Funke. In fast jedem Zimmer, das mit einem wollenen Teppiche versehen ist und mäßig warm gehalten wird, kann man im |42| Winter auf diese Weise einen Funken erhalten — aber in einigen Zimmern ist die Isolirung so gut und die Teppiche sind so elektrisch, baß es unmöglich ist über den Fußböden zu gehen, ohne hinreichend Elektricität zu entwickeln, um einen Funken zu geben.

In diesem Falle kann allerdings die Reibung zwischen dem Schuh und dem Teppich nur gering seyn; man muß aber bedenken, daß man das Reibzeug gegen den Teppich mit einer beträchtlichen Kraft, die durch das ganze Gewicht des Körpers unterstützt wird, anwendet, so daß ein leichtes Streifen der Füße mit großer Energie wirkt.

Im Philosophical Magazine, Februarheft 1849, wird angeführt, daß ein Riemen aus Leder, welcher zwei Trommeln einer Kammwollspinnmaschine verband, zwei Zoll lange Funken gab und in kurzer Zeit eine Batterie lud. Der Riemen war 24 Fuß lang, 6 Zoll breit und ⅛ Zoll dick. Er kreuzte sich in der Mitte zwischen den beiden Trommeln; hier war nun die Reibung beträchtlich, weil der Riemen hundert Umdrehungen in der Minute machte.

In Silliman's Journal, Juliheft 1840, wird ein Beispiel angeführt, daß ein lederner Riemen in einer Baumwollspinnerei starke elektrische Erregung zeigte.

In den Sitzungen der American Philosophical Society wurden verschiedene Fälle erzählt, wo Personen aus einem Ofen und einem gewöhnlichen Roste elektrische Funken zogen. Ich halte es für wahrscheinlich, daß in diesen Fällen der Experimentator der elektrisirte Körper war, und nicht der Ofen oder Rost. Wie ist es bei einem Roste, welcher brennende Kohlen enthält, möglich, daß er so isolirt werde, um eine elektrische Ladung zu erhalten? Es ist hingegen sehr wahrscheinlich daß der Experimentator dadurch isolirt war, daß er auf einem durch das Einheizen ganz trocken gewordenen Teppiche stand.

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