Titel: Dalpiaz, über das Conserviren des Holzes.
Autor: Dalpiaz,
Fundstelle: 1851, Band 120, Nr. XXXI. (S. 140–143)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj120/ar120031

XXXI. Ueber das Conserviren des Holzes; vom Apotheker Dalpiaz in Paris.

Aus dem Moniteur industriel, 1851, Nr. 1518.

Seit fünf Jahren beschäftige ich mich mit Versuchen über die verschiedenen Verfahrungsweisen das Holz zu conserviren, um deren Werth kennen zu lernen. Die bis jetzt angewandten Verfahrungsweisen sind folgende:

1) Das bloße Tränken, welches darin besteht, das Holz fünf, sechs bis acht Tage lang in irgend eine conservirende Auflösung zu legen.

Dieses Verfahren, von allen das wohlfeilste, ist nur bei Geweben, nämlich Gitterwerk, Weidenhürden, oder allenfalls bei sehr dünnem Holz, wie Latten, Faßreifen etc. mit Nutzen anwendbar.

Weinpfähle können durch dieses Mittel schon nicht conservirt werden. Ich ließ solche 14 Tage lang in einer Metalllösung liegen, wo sie erst ⅔ Centimet. (3 4/10 Par. Linien) tief davon durchdrungen waren.

2) Eintauchen in heiße Flüssigkeiten.

Wenn man noch grünes Holz mit Flüssigkeiten behandelt, deren Siedepunkt höher ist als der des Wassers, so wird die in den Fasern enthaltene Feuchtigkeit verdrängt und durch die das Bad bildende Flüssigkeit ersetzt. Dieses Verfahren eignet sich vortrefflich zum Tränken mit Fetten, ist aber zu kostspielig.

Wendet man statt Fettstoffen Metalllösungen an, so ist die Durchdringung sehr unvollkommen, und nicht viel stärker als bei dem einfachen Tränken.

3) Tränken des Holzes durch Anwendung des luftleeren Raums und des Drucks.

Nur durch Vereinigung dieser zwei Mittel können sehr große Holzstücke, wie Balken und Eisenbahnschwellen, ganz durchdrungen werden. Selbst Weinpfähle können auf keine andere Weise gehörig zubereitet werden.

Die so behandelten Hölzer können je nach ihrer Natur, bis 139 Procente ihres Gewichtes von einer Flüssigkeit absorbiren, welche ziemlich die Dichtigkeit des Wassers hat.

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Textabbildung Bd. 120, S. 141

Mit Hülfe dieser Tabelle, welche auf den zahlreichen vom Capitän Piot und mir im Museum der Artillerie mit großer Genauigkeit angestellten Versuchen beruht, kann man den Werth der verschiedenen oben angeführten Verfahrungsweisen beurtheilen. Man braucht nämlich nur die Natur und den Zustand des Holzes zu kennen und es vor und nach der Operation zu wägen. Wenn z. B. trockenes Tannenholz 51,67 Proc. seines Gewichts Flüssigkeit absorbirt hat, so kann man sich versichert halten, daß es vollkommen durchdrungen ist. Absorbirte es hingegen nur 10, 15 oder 20 Procente (was der Fall ist, wenn man den luftleeren Raum und Druck nicht anwendet), so hat man die Gewißheit, daß die Flüssigkeit nicht über 1 bis 2 Centimet. (4 4/10 bis 8 8/10 Par. Linien) tief eingedrungen ist.

Das Vorstehende führt mich natürlich zur Erörterung des Werthes der verschiedenen fäulnißverhindernden Substanzen, welche jetzt in täglichem Gebrauche sind. Ich werde mich nicht bei den Fetten und solchen Substanzen, deren Anwendung zu kostspielig ist, aufhalten, sondern sogleich auf die Metallsalze übergehen, wobei ich vor Allem bemerken muß, daß gewisse Salze (namentlich in zu großer Menge angewandt) die Zersetzung des Holzes beschleunigen. Es ist dieß aber keine langsame Zersetzung mehr, sondern fast eine Selbstverbrennung. Holz, Leinwand, Tauwerk etc. in diesen Zustand versetzt, conserviren sich, selbst an feuchten Orten, 2, 3 bis 4 Jahre ganz gut, dann verderben sie ungemein schnell.

Mehrere Ursachen können diesen unangenehmen Erfolg herbeiführen, z. B. die Bilduug eines höher oxydirten Salzes, wenn das angewandte |142| eine Base hat, die auf eine höhere Oxydationsstufe übergehen kann, wie z. B. das schwefelsaure Eisenoxydul (Eisenvitriol), welches sich auf Kosten des Sauerstoffs der organischen Materie, womit es in Berührung ist, in das Oxydsalz verwandelt. Wir sehen dieß täglich, wenn Tintenflecke auf Leinwand kommen.

Andere Salze, namentlich die Kupfersalze, werden, in Berührung mit gewissen organischen Substanzen, reducirt; der Sauerstoff ihrer Base absorbirt den Wasserstoff der organischen Materie (wie z. B. bei der Reduction der Kupfersalze durch Zuckerlösungen), wo dann ihre in Freiheit gesetzte Säure alles, was sie umgibt, angreift und verdirbt. In diesem Fall hat man also zwei Ursachen der Zerstörung: 1) die Zersetzung der organischen Materie, welche einen Theil ihres Wasserstoffs an das Kupferoxyd abtritt, und 2) die ätzende Wirkung der frei gewordenen Säure.

Eine hiemit in Beziehung stehende merkwürdige Thatsache hat sich unlängst an der Manoir-Brücke auf der Eisenbahn von Paris nach Rouen ergeben. Vor etwa zwei Monaten beobachtete man nämlich, daß eine beträchtliche Menge Tannenholz, welche im Jahr 1842 bloß durch kaltes Einweichen in einer Kupfervitriol-Lösung zubereitet worden war, sich im Zustand gänzlicher Zerstörung befand, und gegenwärtig ist man beschäftiget, dieses so plötzlich verdorbene Holz durch anderes zu ersetzen. Indessen beschränkt man sich darauf, die neuen Balken wieder nur mit Kupfervitriol (jedoch dießmal in der Wärme) zu präpariren.

Ich besitze ein Muster des so präparirten Fichtenholzes; obgleich das Holz 3–4 Stunden in der fast kochenden Lösung gelegen hatte, ist dieselbe nicht 1½ Centimet. tief eingedrungen. Ich würde für besser halten, minder concentrirte Auflösungen anzuwenden. Wahrscheinlich glaubten die Unternehmer, weil sie ein sehr tiefes Eindringen der Flüssigkeit nicht bewirken konnten, dieselbe um so concentrirter anwenden zu müssen, was aber ein großer Irrthum ist, denn falls eine Zersetzung des Salzes einträte, wäre die Einwirkung eine um so stärkere an allen Stellen, wo sich das Salz in größerer Menge angehäuft hatte.

Nach meiner Ansicht eignen sich also nicht alle Metallsalze zum Conserviren des Holzes etc., und mit jenen, welche den Vorzug dazu verdienen, wird man den Zweck um so vollkommener erreichen, wenn man sie nur in geringem Verhältniß anwendet und ihre Lösungen die zu conservirende Substanz ganz durchdringen.

Die sauerstofflosen oder Haloidsalze, besonders aber die Salze mit unlöslicher Base und solche deren Base sich nicht höher oxydiren, auch |143| in Berührung mit organischen Körpern sich nicht reduciren, hingegen sich mit diesen Substanzen verbinden kann, verdienen stets den Vorzug. Solche sind der Quecksilbersublimat, das salzsaure Zink und die salzsaure Thonerde, ferner die Arseniklösungen; sie sind alle hierzu auch wohlfeil genug.

Die Wirksamkeit des Quecksilbersublimats ist vollkommen erwiesen; die Thonerdesalze sind seit undenklichen Zeiten bekannte fäulnißwidrige Mittel, und des Chlorzinks (salzsauren Zinks) bedient man sich seit etwa 12Jahren in England unter der Benennung Burnett's Lösung.“ Es ist dieses Präparat ein basisches Salz, in welchem ich 45 Proc. Chlor und 55 Zink fand, was nahezu 14 Proc. Zink mehr als im gewöhnlichen Chlorzink ist. Die englische Admiralität hat dieses Conservirverfahren mit Chlorzink eingeführt und ließ im Jahr 1845 auf ihre Kosten ungeheure Kufen zum Präpariren der Mastbäume und anderer großen Holzstücke für den Seedienst anfertigen.

Dr. Sucquet hat das Chlorzink mit dem besten Erfolg zum Conserviren der Leichen angewandt.26

Das Imprägniren des Holzes mit Chlorzink mittelst des luftleeren Raums und eines Drucks von 8–10 Atmosphären wird in Frankreich seit 1846 betrieben. Gegenwärtig wird dieses Verfahren bei den Schwellen der Eisenbahn von Orleans nach Bordeaux angewandt und kostet für jede Schwelle nur 50 Centimes. Im Jahr 1847 kam es auf der Eisenbahn von Tours nach Nantes in Gebrauch.

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Sein Verfahren ist im polytechn. Journal B. C S. 216 beschrieben.

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