Titel: Ueber Fabrication von trockenem Eiergelb und Eiweiß.
Autor: Augier,
Robert,
Fundstelle: 1851, Band 120, Nr. XXXII. (S. 143–145)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj120/ar120032

XXXII. Ueber die gesonderte Aufbewahrung des Eiergelb und Eierweiß und verschiedene Anwendungen derselben; von Augier und Robert.

Aus dem Moniteur industriel, Nr. 1509.

Wir waren bestrebt, das Eiergelb und Eierweiß jedes für sich zu erhalten, um jedem Industriezweig den Theil liefern zu können, dessen er bedarf. Dieß gewährt den großen Vortheil, daß weniger Eier verbraucht, |144| dieselben also wohlfeiler werden, daß sich bei den Fabrikanten kein ihnen unnützes Material ansammelt, indem sie bloß dasjenige, dessen sie bedürfen, um sehr billigen Preis geliefert erhalten, ohne daß sie sich um das Steigen des Eierpreises je nach der Jahreszeit zu bekümmern brauchen, weil wir, während die Eier wohlfeil sind, unsern Vorrath einthun, und den Gewerben das Weiße oder Gelbe derselben nach Maaßgabe ihres Bedarfs liefern, und zwar in eben so gutem Zustande als wenn die Eier erst einen Tag vorher gelegt worden wären.

1) Aufbewahrung des Eiergelb zum Zurichten (Sämischgerben) des Handschuhleders.

Wir zerreiben 500 Gramme Eiergelb, mit 8 Grammen Kochsalz und 24 Grammen gepulvertem Stärkmehl versetzt, in einem Mörser oder auf einem Chocoladestein. Das Gemenge verdickt sich bald; man zertheilt es dann in kleine Formen und läßt diese in einem trockenen Luftstrom austrocknen. Auf diese Weise erhält man schön gelbe Täfelchen, welche sich sehr gut aufbewahren lassen und sich im Wasser sehr gut auflösen. Dieses Eiergelb hat ganz dieselben Eigenschaften wie das frische, und thut den Weißgerbern dieselben Dienste.

2) Eiergelb-Toiletteseife.

Die Tafelform des Eiergelb und seine Eigenschaft die Haut zart und geschmeidig zu machen, brachten uns auf den Gedanken, eine Toiletteseife daraus zu bereiten. Man verfährt dabei wie folgt:

Man bereitet Eieröl auf gewöhnliche Weise27 filtrirt es warm und verseift das Oel, wenn es recht klar ist, mit Kali.

Nun vermischt man Eiergelb mit einem Sechzehntel des so verseiften Eieröls; die Mischung verdickt sich sogleich bedeutend; man seht dann auf 30 Gr. Eiergelb 1 Gr. gepulvertes Stärkmehl zu, und nachdem der Teig die gehörige Dichtheit hat und parfumirt wurde, vertheilt man ihn in Formen.

Diese Seife hat eine schön gelbe Farbe, conservirt sich gut, löst sich leicht auf, und macht die Haut sehr zart und geschmeidig.

3) Aufbewahrung des Eierweiß und Anwendung desselben in diesem Zustande zum Klären von Wein, Spiritus, Syrup, Zucker etc.

Man zertheilt das Eiweiß in einer kleinen Menge Wassers, ungefähr dem Achtel seines Volums, schlägt es mit einem Weidenbesen, um die das ganze Eiweiß umgebende oder zu umgeben scheinende Hülle |145| zu durchbrechen. Der Zusammenhang und die Klebrigkeit werden dadurch vermindert; man läßt hierauf den entstandenen Schaum sich setzen und siltrirt dann durch einen wollenen Sack. Man erhält auf diese Weise das Eierweiß ohne alle Unreinigkeit und ohne das geringste Theilchen Eiergelb, in vollkommener Klarheit.

Diese Operation, durch welche wegen des Wasserzufatzes das Austrocknen anscheinend erschwert werden müßte, bewirkt im Gegentheil eine schnellere Verdunstung, weil sie in Folge der äußersten Zertheilung der Eiweiß-Molecüle die Bildung des Häutchens verhindert, welches sich sonst auf der ganzen Oberfläche der Flüssigkeit bildet, immer dicker wird und die vollständige Verdunstung der Feuchtigkeit aus den unteren Schichten sehr verlangsamt.

Hierauf schreitet man zum Austrocknen, wobei wir uns nicht genau an die Vorschriften der chemischen Lehrbücher halten, nach welchen das Eierweiß bloß der Sonne oder einer Wärme unter 48° R. ausgesetzt werden soll; denn wir fanden, daß es erst über dieser Temperatur sich zu zersetzen anfängt.

Um Schnelligkeit, Ersparung an Brennmaterial und Vollkommenheit des Products zu vereinigen, haben wir alle bisher bekannten Arten des Austrocknens versucht; es gelang uns sogar, das Eiweiß vermittelst eines kalten Luftstroms in festem Zustand zu erhalten; doch scheint uns das Austrocknen in einem Strom warmer, trockener Luft bei einer constanten Temperatur unter 24° R. das beste Verfahren zu seyn, um das schönste und auflöslichste Product zu erhalten.

Wir benutzen dazu Platten von glasirter Fayence, welche metallenen und andern, auf denen sich der Gesundheit schädliche Oxyde bilden können, vorzuziehen sind; sie behalten auch leichter eine gleiche Temperatur. Man erhält so, und zwar in ziemlich kurzer Zeit (statt wie bisher einer gelblichen Masse, die so schwer wie arabisches Gummi zu pulverisiren ist) das Eiweiß in kleinen unregelmäßigen Krystallen, welche sich zu mehr oder weniger regelmäßigen Bündeln vereinigen. Die Zertheilung dieser Krystalle und ihre Trennung ist durch Umrühren derselben mit der Hand auf einem Sieb leicht zu bewerkstelligen. Diese kleinen Krystalle verdienen bei weitem den Vorzug vor einem feinen Pulver, welches sich im Wasser klümpern und nur langsam auflösen würde, während die fast farblosen Krystalle sich äußerst leicht auflösen und sich zum Klären der oben genannten Flüssigkeiten höchst geeignet und bequem zeigen.

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Indem man aus dem Dotter der Hühnereier durch vorsichtiges Erwärmen unter beständigem Umrühren das Wasser verdampft, bis er, etwas zwischen den Fingern gedrückt, Oel von sich gibt, worauf man letzteres durch Auspressen gewinnt.

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