Titel: Wedding, über Schenk's Flachsröst-Verfahren.
Autor: Wedding,
Fundstelle: 1851, Band 120, Nr. XLVII. (S. 208–225)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj120/ar120047

XLVII. Das Flachsröst-Verfahren des Hrn. R. B Schenk. Mitgetheilt von Hrn. Wedding.

Aus den Verhandlungen des Vereins zur Beförderung des Gewerbfl. in Preußen, Decbr. 1850, S. 238.

Vor acht Jahren wurde in Irland durch die angesehensten Grundbesitzer und Gewerbetreibenden eine Gesellschaft zur Beförderung und Verbesserung des Flachsbaues gegründet, welche durch Unterstützungen, durch Rath und That einen für die Landescultur und die Beschaffung von gutem Flachs für die in und bei Belfast und Londonderry vorhandenen und an Umfang zunehmenden Spinnereien einen sehr beachtenswerthen Erfolg erzielt hat. Die alljährlich in den Haupt-Versammlungen abgestatteten Berichte, und namentlich der letzte für das Jahr 1848, enthalten schätzbare Mittheilungen, unter denen diejenige über das neue, aus den Vereinigten Staaten von Nordamerika durch einen Hrn. R. B. Schenk eingeführte Röstverfahren um so mehr alle Beachtung verdient, als es sich bestätigt haben soll, daß durch dasselbe nicht nur ein besseres und gleichmäßigeres, sondern auch mehr Spinnmaterial erzielt wird, als durch das alte Verfahren.

Durch Vertheilung von gutem Samen, durch Anweisung in der Vorbereitung und Bearbeitung des Ackers, des Säens, Reinigens und Erntens der Flachsstengel, durch eine zweckmäßige und richtig geleitete, weitere Behandlung der gewonnenen Flachsstengel, und durch den Gewinn, welcher sich durch den Verkauf des Flachses an die Spinner ergab, hat diese Cultur einen solchen Umfang im nördlichen und westlichen Theile von Irland gewonnen, daß nach den angestellten Ermittelungen im Jahre 1848 an 42000 Acres oder 64188,85 preußische Morgen besäet wurden, welche eine Ernte von 17494 Tons oder 349880 Cntr. |209| Flachs lieferten. Da mehrere Partien dieser Flachse zu einem Preise von Lstr. 90 bis 100 pro Tonne verkauft wurden, der Samen selbst durch den Gewinn an Oel und Kuchen, von welchen nach den Einfuhrlisten früher bis zu dem Betrage von 1½ bis 2 Millionen Lstr. eingeführt wurden, auch noch in Betracht kommt, so ergibt sich schon hieraus, welch hohes Ziel die Gesellschaft sich gesteckt, und wie sehr erwünscht es wäre, wenn auch hier bei uns zu gleichen Zwecken Verbände entstünden.

Die in dem achten Jahresbericht der Gesellschaft mitgetheilten, auf Erfahrungen gegründeten Vorschriften lauten in Bezug:

a) Auf Bodenbearbeitung und Fruchtfolge. Bei Aufmerksamkeit und sorgfältiger Bodenbearbeitung dürfte Flachs in verschiedenem Boden gezogen werden; doch ist mancher besser dazu geeignet als anderer. Allgemein ist ein kräftiger, trockener Lehmboden, mit Thonuntergrund der beste. Unumgänglich nothwendig ist es, daß das Land gut trocken gelegt und rajolt ist, da guter Flachs nicht gezogen werden kann, wenn das Land mit Grund- oder Oberwasser angefüllt ist.

Ohne Berücksichtigung aller Verhältnisse ist ein Erfolg nicht zu erzielen — verschiedener Boden erheischt auch abweichende Bearbeitung und Fruchtfolge. Im besten Boden Flanderns wird Flachs im dritten Jahre bei Siebenfelder-Wirthschaft, oder im fünften bei Zehnfelder-Wirthschaft gezogen.

Im Allgemeinen gilt als Regel, Flachs innerhalb 10 Jahren nicht mehr als einmal zu bauen. In Belgien folgt ohne Unterschied Körnerfrucht, gewöhnlich Hafer; in hiesiger Gegend, in welcher Hafer eine Hauptfrucht bildet, dürfte dieselbe Folge zu empfehlen seyn; doch muß besonders bemerkt werden, daß nach Hafer eine grüne Frucht oder Hutung, nie aber zwei oder drei Haferbeschickungen einander folgen dürfen, wie dieß leider hier nur zu oft geschieht. Es ist unter den hiesigen Ackerwirthen ein sehr verbreiteter Irrthum, Flachs auf Kartoffeln folgen zu lassen. Ausgenommen in sehr magerem Lande wird nach Kornfrucht eine bessere Ernte an Körnern und Flachs gewonnen. Wenn alte Hutung aufgebrochen und mit Kartoffeln bestellt wird, so folgt hierauf Kornfrucht, und im darauf folgenden Jahre mit Erfolg Flachs.

b) Auf Bearbeitung des Bodens. Von ganz besonderem Werth für den Flachsbau ist das Abtrocknen des Landes und das sorgfältige und wiederholte Reinigen desselben vom Unkraut, so daß es in den feinsten, auf große Tiefe gehenden, und recht gereinigten Zustand |210| versetzt wird. Nur so können die Wurzeln, die oft bis zu einer Tiefe hinabgehen, welche die Hälfte des Stengels über Tage beträgt, gedeihen.

Nach Weizen ist in leichtem, bröcklichem Boden ein Durchackern oder Pflügen zureichend, ein zweifaches aber besser, und in schwerem Boden sogar ein dreifaches empfohlen — eins im Herbst, und zwei im Frühjahr, so daß das Land in der ersten oder zweiten Woche des Aprils für die Aufnahme des Samens eingerichtet ist. Natürlich hängt viel von der Art des Bodens und von der Kenntniß und Erfahrung des Grundbesitzers ab. Das Land sollte durch unterirdische Abzüge gut trocken gelegt seyn, so daß der Samen auf flache Beete gesäet werden kann, welche zu einer mehr gleichmäßigen und bessern Ernte beitragen. Bevor indessen die Trockenlegung durch unterirdische Abzüge allgemeiner in Anwendung kommt, dürfte es nothwendig seyn, nach Hafer so zeitig als möglich im Herbst zu pflügen. Das Land muß in Raine bearbeitet werden, damit es Frost und Luft erhält; demnächst Furchen erhalten, welche das Winterwasser abführen. Im Frühjahr wird es dann gepflügt und geeggt, ordentlich bestellt, und sorgfältig vom Unkraut gereinigt. Nach dem letzten Eggen wird es überwalzt, um eine ebene gleichmäßige Fläche zu erhalten, und hierauf wieder mit einer kurzzackigen Harke vor dem Einsäen aufgebrochen.

c) Auf das Säen. Der beste Samen ist überhaupt der von Riga, obgleich holländischer in mehreren Theilen des Landes seit einer Reihe von Jahren mit vollkommenem Erfolg verwendet worden ist. Amerikanischer Samen ist im Allgemeinen nicht empfehlenswerth, da er nur zu leicht einen kurzen, ästigen Stengel liefert. Wird er verwendet, so sollte dieß nur in tiefem, lehmigem Boden geschehen. Beim Ankauf von Samen ist darauf zu achten, daß er voll, glänzend und schwer, und von einem achtungswerthen Kaufmannshause ist. Er muß dann von allem fremden Samen, von Unkraut gesichtet werden, da nur dadurch eine erhebliche Mühe vermieden wird, wenn der Samen aufgegangen ist. Man thut dieß mit Fegemaschinen und Sieben aus Draht, 12 Fäden auf den Zoll. Selbst geernteter Samen hat neuerlich so vortreffliche Saat geliefert, daß jedem Ackerwirthe nur empfohlen werden kann, jedes Jahr nur so viel fremden Samen auszusäen, als für die nächstjährige Flachs-Aussaat erforderlich ist.42 Die dünneren Saaten |211| würden sich für diesen Zweck am besten eignen, da Flachs, welcher dünn steht, auch vielen Samen liefert. Ein solches Verfahren würde, abgesehen von dem Gewinn am Preise von fremdem Samen, auch noch den Ackerwirth gegen die Gefahr sichern, an betrüglich behandeltem Samen Verlust zu erleiden. — In den meisten Fällen wird es am besten seyn, den so gewonnenen Samen im folgenden Jahre zur Mästung oder an Oelmühlen zu verkaufen, wenngleich er oft gute Saaten liefert. Die Samenmenge kann zu 3½ Bushel auf den irischen Acre (= 1,62 engl.) und in demselben Verhältniß auf den schottischen und englischen Acre angenommen werden. Es ist immer besser zu dick als zu dünn auszusäen, da nach dicker Aussaat die Stengel größer und gerader, mit nur einer oder zwei Samenkapseln ohne Kopfende aufwachsen; und da die Fasern um vieles besser in Feinheit und Länge ausfallen, als von Flachsstengeln, wozu der Samen dünn ausgesäet ist, die gewöhnlich kurz, dick und ästig sind, vielen Samen, aber schlechtere Fasern liefern.

Ist der Boden gut durchgearbeitet, locker, und mit Sorgsamkeit gereinigt, so wird er überwalzt und besäet. Wenn derselbe nicht in Beete eingetheilt ist, so sollten doch Abtheilungen von 8 bis 10 Fuß Breite angezeichnet werden, um gleiche Samenmengen ausstreuen zu können. Nach dem Säen wird mit einer feinen Egge geeggt, und zwar zweimal — einmal auf und ab, und das anderemal kreuzend oder in schräger Richtung; es erfolgt dadurch eine bessere und gleichmäßigere Vertheilung, und das Vermeiden von kleinen Furchen durch die Zähne der Egge. Es folgt jetzt wieder die Walze, die den Samen etwa 1 Zoll tief bedeckt, was gerade angemessen ist. Bei Beeten sollte die Mitte nur sehr wenig gewölbt seyn, da im entgegengesetzten Falle die Saat nicht gleichmäßig reif wird; wenn aber der Acker gut mit unterirdischen Abzügen versehen und trocken gelegt ist, so bedarf es gar keiner gewölbten Beete. Das gleichzeitige Einsäen von Klee und Gras mit Flachssamen ist in allen Fällen nicht empfehlenswerth, da diese Pflanzen die Wurzelenden der Flachsstengel beschädigen. Indessen können in geeignetem Boden Mohrrüben in Furchen gesäet werden, so daß die Personen, welche den Flachs raufen, über die Reihen schreiten können, die dann später behackt und gereinigt werden, und immer etwas flüssige Düngung erhalten müssen. Eine nachträgliche Saat von Rüben oder Winter-Wicken kann auf den Flachs folgen. Das Ueberwalzen des Bodens nach dem Einsäen des Flachssamens ist dringend nothwendig, doch darf dieß nicht geschehen, wenn er so naß ist, daß die Erde an die Walze anhängt.

d) Auf Düngung für Flachssaat. Neuerdings angestellte Untersuchungen haben ergeben, daß die Faser oder der Bast des Flachses |212| von dem Boden gewisse Bestandtheile ansaugen, wenngleich nicht in so hohem Grade als andere allgemein gebaute Saaten. Diese zu beschaffen, ist nachfolgende Düngung empfohlen, welche auf das Land vor dem letzten Eggen und vor dem Eintragen des Flachssamens breit gesäet wird.

Auf dem Acre Land:

30 Pfd. salzsaures Kali, im Werthe etwa = 2 Sh. 6 Penc.
28 Pfd. Kochsalz = Sh. 3 Penc.
34 Pfd. gebrannter und gepulverter Gyps = Sh. 6 Penc.
54 Pfd. Knochenspäne = 3 Sh. 3 Penc.
56 Pfd. schwefelsaure Magnesia = 4 Sh. Penc.
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= 10 Sh. 6 Penc.

e) Auf Jäten. Ist Sorgfalt auf Reinigung des Samens und des Ackers verwendet, so wird wenig Unkraut zum Vorschein kommen; zeigt sich letzteres dennoch, so muß es vorsichtig ausgejätet werden. In Belgien geschieht dieß durch Frauen und Kinder, welche mit aufgeschürzten Kleidern auf allen Vieren vorwärts kriechen. Dieß beschädigt die junge Saat weniger, als wenn man darauf geht (was, wenn es geschieht, nur von Personen gethan werden sollte, deren Schuhe nicht mit Nägeln versehen sind). Die Arbeit sollte gegen den Wind erfolgen, so daß die niedergedrückte Saat wieder aufgeweht, oder doch wenigstens darin unterstützt wird, ihre aufrechte Stellung wiederzugewinnen. Die schwachen Pflanzen, nach einer Richtung niedergedrückt, erheben sich bald; wenn sie aber gebrochen oder zu sehr niedergedrückt sind, was nur nachlässige Jäter thun, so richten sie sich selten wieder auf.

f) Auf Raufen. Die Zeit des Raufens ist schwer genau festzustellen. Die Faser oder der Bast ist am besten, ehe der Samen ganz reif ist. Obgleich die Faser fein ist, wenn etwas früh gerauft wird, so ist dieß doch wegen des bedeutenden Abganges beim Brechen und Hecheln nicht rathsam; dagegen gleicht das vermehrte Gewicht, wenn später gerauft wird, nicht den Nachtheil aus, den eine grobe Faser verursacht. Allgemein möchte die beste Zeit zum Raufen seyn, wenn die Samenkapseln anfangen aus einer grünen Farbe in eine gelblichbraune überzugehen, die Stengel dagegen auf ⅔theil ihrer Länge vom Boden ab gelb werden. Lagert irgend ein Theil der Stengel auf dem Boden und leidet von Nässe, so sollte er so schnell als möglich gerauft, und getrennt von dem Rest gehalten werden. So lange als der Acker nicht gut trocken gelegt, und nicht vollständig vor dem Einsäen geebnet ist, wird man stets Flachs von verschiedener Länge ernten. In solchen Fällen ist es zweckmäßig, jede Länge für sich zu raufen, und in besonderen |213| Gruben zu rösten, oder doch abgesondert von andern zu behandeln. Der Flachs sollte von den Raufern stets unterhalb der Samenkapseln gefaßt werden, so daß die kürzern Stengel zurückbleiben. Sind von den letzteren nur wenige, so ist es am besten, sie gar nicht zu raufen, da der Verlust durch Vermengen und durch Mischen mit Unkraut den Gewinn aufheben würde. Ist der Acker gut trocken gelegt, eben so geebnet, so wird der Flachs von gleicher Länge ausfallen. Es kommt ferner wesentlich darauf an, die Arbeit nicht zu beeilen, und die Wurzelenden wie eine Bürste geordnet zu halten. Dieß erhöht den Werth für den Spinner, und natürlich auch für den Erbauer, der reichlich durch einen erhöhten Preis für diese besondere Mühe belohnt wird. Der geraufte Flachs wird zur Erleichterung der folgenden Arbeit kreuzweise und in den Mengen, die die Hand erfaßt, über einander gelagert.

g) Auf das Abstreifen des Samens. Dieß sollte zu derselben Zeit und auf demselben Felde mit dem Raufen geschehen. Bestände der Vortheil auch nur darin, daß der Flachs von dem Samen in dieser Weise am leichtesten befreit wird, so sollte schon aus diesem Grunde die Arbeit so wie angegeben, vollzogen werden; es kommt aber noch außerdem hinzu, daß der Same ein sehr werthvoller Theil der Ernte ist, der an Oelmühlen abgesetzt, den Gewinn pro Acre 3, und für die Mastung verwendet, mindestens 4 Lstr. beträgt. Der Apparat hierzu ist sehr einfach. Er besteht aus einer Art Harke mit eisernen Spitzen, welche in Holz eingesetzt sind. Man erhält denselben in Belfast, oder bei jedem einigermaßen geschickten Grobschmied.43 Man bringt ihn aufs Feld, wo der Flachs gerauft wird, und befestigt ihn auf einer 9füßigen Bohle, die auf zwei Füßen ruht. Die Arbeiter stehen oder sitzen mit gespreizten Beinen einander gegenüber auf beiden Seiten, und zwar in solcher Entfernung von dem Apparate, daß sie sorgfältig und nacheinander die Flachsstengel durchziehen können. Unter ihnen und dem Apparate ist ein Tuch ausgebreitet, auf welches die Samenkapseln fallen; der Flachs wird ihnen nach dem Raufen in sich kreuzenden Lagen und in ein Bündel gebunden zugetragen. Ein solches Bündel wird dem Arbeiter rechts niedergelegt und aufgebunden. Er faßt nun eine Handvoll mit der einen Hand oben 6 Zoll von den Wurzelenden, mit der |214| andern etwas näher den Kopfenden, spreizt letztere wie einen Fächer auseinander, und zieht die eine Hälfte durch die Harke, während die andere darüber gleitet; macht dann eine halbe Wendung und wiederholt dieselbe Operation mit dem Rest. Einige ziehen es auch wohl vor, nach Maaßgabe der Zahl der Samenkapseln und ohne Wendung der Hand den Flachs durch ein- oder zweimaliges Durchziehen von denselben zu befreien. Sehr häufig ist ein einmaliges Durchziehen zureichend. Der Arbeiter legt dann die Hände voll links vor sich nieder, kreuzt die einzelnen Lagen, worauf das Bündel geschnürt und beseitigt wird. Der Grund zu dem sorgfältigen Kreuzen der einzelnen Lagen nach dem Samen-Abstreifen und Zusammenbinden für das Rösten besteht darin, daß dieselben sich leichter trennen lassen, sich nicht verschlingen, wenn sie auf Grasland ausgebreitet werden, was im entgegengesetzten Falle vorkommt. Ist das Wetter trocken, so beläßt man die Samenkapseln auf dem Felde, indem man sie auf einem Tuche oder auf sonstige Unterlagen ausbreitet und von Zeit zu Zeit wendet. Läßt man die Kapseln zuerst über ein grobes Sieb laufen, und unterwirft sie dann einer Fege-Maschine, um Stroh und Blätter abzuscheiden, so wird das Trocknen erleichtert. Ist das Wetter dagegen feucht, so sollten sie unter Dach gebracht, und möglichst dünn und gleichmäßig auf einer Scheunentenne oder einem Flur ausgebreitet werden; dabei müssen Thür und Fenster offen gehalten werden, damit die Luft darüber streichen kann, wobei man sie zweimal des Tages wendet. Wenn sie beinahe trocken sind, so kann man sie auf eine Darre bringen, die indessen nur zur Sommerwärme getrieben wird, wendet sie hierauf fleißig um, bis keine Feuchtigkeit zu spüren. Bei langsamem Abtrocknen hat der Same Zeit den Saft aus den Hülsen anzusaugen und vollkommen zu reifen. Nimmt man sie dagegen gleich vom Felde, und unterwirft sie einem schnellen Abtrocknen, so wird der Saft ausgetrocknet und der Same schrumpft zusammen, so daß nur wenig Nahrungsstoff zurückbleibt. Bei schönem Wetter sollten die Kapseln an freier Luft getrocknet, der Same ausgedroschen, und der schwerste und vollste zum Aussäen oder Oelschlagen verwendet werden. Der leichte Same und die Spreu geben ein gesundes und nahrhaftes Futter für Vieh. Wo möglich darf der Flachs selbst nicht den solgenden Tag auf dem Felde verbleiben; er muß so schnell als möglich von den Kapseln befreit, und nach dem Wasser befördert werden, so daß er nicht hart werden kann.

h) Auf Rösten. Dieser Proceß erheischt die größte Aufmerksamkeit und Sorgfalt. Flußwasser ist hierzu am geeignetsten. Muß Brunnenwasser benutzt werden, so ist es gut, die Grube einige Wochen oder |215| Monate vorher womöglich damit zu füllen, ehe der Flachs hineingebracht wird, so daß Sonne und Luft das Wasser weich machen kann. Wasser, welches Eisen oder andere mineralische Bestandtheile enthält, sollte nie hierzu benutzt werden. Hat man Flußwasser, so braucht die Füllung der Grube erst an dem Tage zu geschehen, an welchem der Flachs zum Rösten eingelegt wird. Die besten Abmessungen für eine Grube sind 12 bis 18 Fuß Breite und 3¼ bis 4 Fuß Tiefe. Der Flachs wird in einer und zwar in geneigter Lage und in regelmäßigen Reihen eingelegt, die Wurzelenden nach unten. Man bedeckt dieselben dann mit Moos, oder fettem und altem Koppelrasen, der dünn gestochen und möglichst dicht neben einander gelegt wird, so daß die Stoßenden neben einander schließen. Vor dem Aufbringen dieser Rasensoden ist es räthlich, eine Lage von Schilf oder Quecken auf den Flachs auszubreiten, namentlich in neuen Gruben. Da Soden nicht immer zur Hand sind, so kann man auch Stroh nehmen, auf welches man gerade so viele Steine packt, um den Flachs unter Wasser zu behaupten; und vermehrt das Gewicht beim Fortschreiten der Fermentation. Auf diese Art bedeckt, sinkt er weder zu Boden, noch wird er von Luft und Licht berührt. Eine kleine Wassermenge, durch die Grube geleitet, soll die Farbe des Flachses verbessern. In diesem Falle sollte die Richtung, die man dem Wasser gibt, an einer Seite der Grube entlang erfolgen, und zwar in jeder Grube für sich dergestalt, daß in der zweiten die Richtung des Wassers gerade der in der anderen entgegengesetzt ist und nie in einer Richtung. Im Durchschnitt wird eine Zeit von 8 bis 14 Tagen, nach Maaßgabe der Wärme des Wetters und der Beschaffenheit des Wassers zum Rösten hinlänglich seyn. Jeder Flachsbauer muß sich übrigens damit bekannt machen, wenn der Flachs Wasser genug hat, da schon wenige Stunden ihn beschädigen können. In der Regel hat er zu lange und selten zu kurz im Wasser gelegen. Die beste Probe ist folgende: man versucht einige Stengel von ziemlich gleicher Dicke dadurch, daß man das Mark oder den holzigen Theil an zwei Stellen der Mitte in 6 bis 8 Zoll Entfernung von einander durchbricht, den holzigen Theil faßt, und ihn abzustreifen versucht. Geschieht dieß abwärts mit Leichtigkeit auf diese Länge, ohne daß die Faser oder der Bast bricht oder reißt, und ohne daß dieselbe anhängt, so ist es Zeit die Herausnahme zu bewirken. Man macht diesen Versuch alle sechs Stunden, sobald die Fermentation nachläßt, da der Wechsel dann sehr rasch folgt. Aus der Grube darf der Flachs nie mit Gabeln oder Harken in roher Weise genommen werden, dieß muß vielmehr sorgfältig mit den Händen geschehen, wobei die Arbeiter im Wasser stehen. Vortheilhaft ist es, |216| den Flachs etwa 12 bis 24 Stunden ablaufen zu lassen, wenn er aus der Grube genommen ist, wobei die Bündel auf die Wurzelenden, und dicht neben einander, oder flach, mit geringer Neigung gelagert werden; indessen dürfen die Haufen nicht zu groß seyn, weil der Flachs sich sonst erhitzen und beschädigt werden könnte.

Seit etwa einem Jahre ist nach Irland ein Röstverfahren verpflanzt worden, welches wahrscheinlich das gewöhnliche überflügeln und verdrängen wird. Es besteht, wie weiter hin noch ausführlicher mitgetheilt werden soll, darin, daß der Flachs nach dem Raufen, Trocknen und Ausdreschen (wie dieß in Courtrai der Fall) in Gefäße mit Wasser gebracht wird, welches man mit Dämpfen zu einer Mittel-Temperatur von 90 Graden F. = 26 7/9° R. erwärmt. Durch dieses Verfahren wird die Faser mehr und gleichförmig vom Wasser durchdrungen, ohne auch nur im Geringsten an Festigkeit zu verlieren. Die Güte hat sich in allen Fällen, in welchen vergleichende Versuche angestellt wurden, zum Vortheil desselben im Vergleich zu dem älteren herausgestellt. Dieses Verfahren ist in Irland patentirt.44

i) Auf das Auslegen. Für diesen Zweck wählt man wo möglich ein reines mit kurzem aber dichtem Grase bewachsenes Hutungsland, welches man mäht und von allem Unkraut reinigt, das über die Fläche emporschießt. Der Flachs wird hierauf ganz gleichmäßig und möglichst dünn ausgebreitet. Sind die für das Raufen gegebenen Vorschristen befolgt, so vertheilen sich die Handvoll Flachsstengel sehr leicht, ohne zusammenzuhängen. Man wendet ihn zwei- oder dreimal, während er auf dem Rasen liegt (mit einem etwa 8 Fuß langen und 1½ Zoll dicken Stock), so daß er nicht verschiedene Farben von der Einwirkung der Sonne empfängt, was nur zu leicht geschieht, wenn man nicht aufmerksam ist. Eben so wendet man ihn, wenn Regen in Aussicht steht, welcher ihn dann etwas niederschlägt und das Wegwehen verhindert.

k) Auf Einholen. Sechs bis zwölf Tage sind für das Auslegen auf Rasen zureichend. Ist das Wetter regnerisch, so ist ein kürzerer Zeitraum zureichend. Eine gute Probe zur Bestimmung der Zeit seines Einholens ist, einige Stengel der ganzen Länge entlang zu reiben; bricht hierbei das Mark oder Holz leicht, lassen sich die Fasern hierbei trennen ohne beschädigt zu werden, so hat er lange genug auf dem Rasen ausgelegen. Auch findet man darin eine Anweisung dieß zu |217| thun, wenn ein Stengel unter Funfzigen einen Bogen und Sehne bildet, was von dem Zusammenziehen der Faser und ihrer Trennung vom Mark oder Holz geschieht. Die beste Probe bleibt aber die, eine kleine Menge mit der Handbreche oder in einer Flachsmühle zu versuchen. Beim Einholen müssen die Längen gerade, und die Enden oben erhalten werden, indem sonst beim Brechen und Schwingen großer Abgang stattfindet. Man bindet ihn in kleine Bündel, und verbessert ihn, wenn er nicht gleich geschwungen werden soll, dadurch, daß man ihn in kleinen Haufen zusammenstellt, welche lose aufgebaut und mit Steinen unterlegt werden, so daß er trocken bleibt, und der Luft freier Durchzug verstattet ist. Haufen auf Pfeilern würden am besten seyn.

l) Auf Darren. Dasselbe mit Feuer zu verrichten, ist stets sehr schädlich. Wenn der Flachs gut geröstet und auf Rasen ausgelegen hat, so ist ein solches Abtrocknen nicht nothwendig; um ihn zum Brechen und Schwingen vorzurichten, reicht das Sonnen vollkommen aus. In einigen Districten Irlands wird er noch feucht in einen Ofen gethan, hierdurch aber nicht nur verbrannt, ehe er noch trocken ist, auch der reiche Oel-Antheil vollständig verdorben. In dieser Beziehung kann die Gesellschaft nicht genug davon abrathen, da der Flachs dadurch entweder verdorben, oder so entwerthet wird, daß er kaum halb so viel gilt, als wenn er ordentlich getrocknet wird.

m) Auf Brechen und Schwingen. Geschieht dieß mit der Hand, so sollte es so wie in Belgien gemacht werden, was weniger Abgang verursacht als das irische Verfahren. Wird es dagegen in Mühlen vollzogen, so ist dem Ackerwirth zu empfehlen, sich an solche Mühlen zu wenden, die mit den verbesserten Maschinen versehen sind.45 Die Gesellschaft empfiehlt hierbei den Ackerwirthen, ihren Flachs von solchen Mühlenbesitzern schwingen zu lassen, die ihre Arbeiter nach dem Tage und nicht nach dem Gewicht bezahlen, auch selbst dann nicht, wenn ihm die Anerbietung im Verhältniß höher zu stehen kommt, indem der Gebrauch, das Schwingen nach dem Gewicht des geschwungenen Flachses zu bezahlen, dieselben mehr besorgt macht, eine größere Menge im Tage zu liefern als ein gutes Product.

Den hier vorstehend, so weit es irgend anging, wörtlich mitgetheilten allgemeinen Vorschriften fügt der Secretär der Gesellschaft bei |218| Abstattung seines Berichts über die Fortschritte des Flachsbaues in Irland noch diejenigen Beobachtungen hinzu, welche er in Bezug auf das vorhin erwähnte neue und patentirte Röstverfahren gemacht hat. Dieselben lauten wörtlich:

Gleichzeitig mit der Besichtigung der westlichen und südlichen Districte der Gesellschaft war ich von dem Comité beauftragt worden das neue, in Amerika patentirte und in hiesiger Gegend von dem Hrn. Schenk aus New-York eingeführte Röstverfahren zu untersuchen und darüber zu berichten.46 Das Comité wird sich erinnern, daß nach der ersten, vor etwa 18 Monaten gemachten Mittheilung des Patentträträgers einige Versuche über die Zweckmäßigkeit des neuen Verfahrens in Belfast nach einem kleinen Maaßstabe und unter Aufsicht des Secretärs und des Hrn. Haslett, Ackerbauverständigen der Gesellschaft, angestellt worden sind. Das vollständig befriedigende Resultat bestätigte die Richtigkeit der Angaben des Patentträgers, daß Flachs überhaupt in 60 Stunden dadurch geröstet werden könne, wenn man ihn in Gefäßen einlegt, deren Wasserinhalt auf eine Temperatur von 12½° R. erhalten wird, während nach dem gewöhnlichen Verfahren hierzu gewöhnlich sieben bis einundzwanzig Tage gehören. Nachträglich angestellte und vergleichende Versuche mit beiden Verfahrungsarten durch W. Davison, in der Grafschaft Monaghan, bestätigten jene Thatsache nicht nur, sondern lieferten auch den sehr wichtigen Beweis, daß das Ablösen der Faser vom Holz weit beträchtlicher nach dem neuen als nach dem älteren Verfahren ist; von 112 Pfd. Stengeln wurden nach jenem 24 Pfd., nach letzterem 20 Pfd. Flachs, mithin 20 Proc. zu Gunsten des amerikanischen Verfahrens mehr gewonnen. Aus Versuchen, die von HHrn. W. Nenshaw und Comp. in Manchester angestellt worden sind, ergibt sich ferner, daß aus ersterem 101 und aus letzterem 96 Lea Garn gesponnen wurden. Trotz der günstigen Erfolge dieser Versuche, nahm das Comité doch Anstand, diese Erfindung zu empfehlen, ehe und bevor es dieselbe nicht noch in größerem Maaßstabe versucht hätte, da in allen Fällen kleine und vereinzelte Versuche, sie mögen noch so gut geleitet werden, nicht zureichend und genügend sind. Es war vielmehr wünschenswerth, die Zweckmäßigkeit des neuen Verfahrens zu rösten und zu trocknen, in ausgedehnterem Maaßstabe in einer für einen solchen Zweck besonders eingerichteten Anstalt zu prüfen, und durch |219| Behandlung einer großen Flachsmenge nicht nur die Anwendung desselben, sondern auch die Kosten, welche dasselbe verursacht, festzustellen. Hr. Schenk, der Patentträger, war mittlerweile mit dem Baron Richard A. O'Donnell zu Newport, Majo, und außerdem mit den HHrn. Bernard und Koch zu Manchester in Verbindung getreten und hatte in jener Gegend seit einigen Monaten eine Anstalt zur Arbeit nach diesem Verfahren gegründet.

Es war mir daher von dem Comité der Auftrag ertheilt worden, einen Bericht über dieses Unternehmen abzustatten. Indem ich diesem Auftrage Folge gebe, fühle ich mich zugleich veranlaßt, demselben einige Beobachtungen mit Bezug auf den Hauptwerth und die Anwendbarkeit dieses Verfahrens beizufügen.

Die Gebäude, in welchen dieß Verfahren ausgeübt wird, liegen am Newportflusse, über ½ Meile vom Dorfe und eine kleine Strecke von einer guten Schwingemühle mit 12 Standpfosten, welche durch Wasserkraft betrieben wird, entfernt; letztere ist durch die Compagnie von dem Baron Richard O'Donnell gemiethet. Die Gebäude, welche die Gefäße und Trockenhorden enthalten, sind einfach von Holz als Schuppen in wohlfeiler Weise ausgeführt. An einem Ende desselben befinden sich vier Gefäße in paralleler Stellung gegen einander nach der Länge des Gebäudes. Sie sind aus zölligen Dielen, parallelopipedisch, 6 Fuß lang, 6 Fuß breit und 4 Fuß tief gemacht. Sie haben eingesetzte Boden, mit Löchern durchbohrt. Unterhalb derselben lagern Dampfröhren, welche die Gefäße kreuzen, mit Sperrhähnen am Eintritt, um den Dampf nach Belieben und Erforderniß absperren zu können. Der Dampf wird in einem kleinen Kessel entwickelt, der auch zum Betrieb von zwei Centrifugal-Trockenmaschinen dient, die ebenfalls patentirt sind und dazu dienen, das Wasser aus dem Flachs zu entfernen, sobald er aus den Gefäßen herausgenommen wird. Der Flachs wird in die leeren Gefäße, mit dem starken Ende nach unten, in einer halbgeneigten Lage eingebracht, gerade so wie dieß in einer Röstgrube geschieht, jedoch nur in einer Lage. Das Wasser wird dann hineingelassen, und ein Rahmen über dem Flachs gelagert, der hier die Steine und das Stroh, oder den Rasen in den Röstgruben vertritt, und das Aufsteigen des Flachses beim Eintritt der Gährung verhindern soll.

Die Dämpfe werden dann durch Oeffnung der Einlaßhähne eingeleitet, und das Wasser im Verlauf von 18 bis 20 Stunden zu 24 bis 26° R. erwärmt. Sobald die Gährung beginnt, werden die Dämpfe abgesperrt, da jene fortgesetzt erfolgt, bis der Flachs geröstet ist, was |220| in weiteren 40 Stunden erfolgt, so daß überhaupt 60 Stunden von dem Zeitpunkte ab, wo das Wasser eingelassen wurde, hierzu gehören. Bemerkt muß hierbei werden, daß, wenn das Wasser erwärmt wird, ehe der Flachs in die Gefäße eingelegt wird, oder wenn die Temperatur über 26° R. hinaus gesteigert wird, der Proceß auch nicht im mindesten gefördert, die Gährung vielmehr im Gegentheil verzögert wird. Am besten ist es, die Wärme des Wassers, den Naturgesetzen gemäß, nach und nach zu steigern; weil sonst ein gleichmäßiges Sättigen mit Wasser und das Erzielen einer guten Beschaffenheit und Farbe nicht erreicht werden kann. Mit Schluß der 60 Stunden wird der Flachs herausgenommen, das Wasser abgelassen, und dem Gefäße das Abkühlen gestattet. Man beginnt hierauf den Proceß durch Einlegen von frischem Flachs und Einlassen von frischem Wasser wieder. Sobald der Flachs herausgenommen ist, wird er in die Centrifugal-Maschine gesteckt, die aus einem runden Gefäße aus Eisen besteht, und mit großer Geschwindigkeit durch Dampfkraft in Bewegung gesetzt wird, wodurch vermittelst Centrifugalkraft das Wasser zum Ablaufen gelangt. Es werden etwa 30 Päckchen gleichzeitig in diese Maschine gelagert, und in Zeit von 3 bis 5 Minuten etc. 20 Pfd. Wasser daraus entfernt. Es gehören daher nur wenige Stunden dazu, um den Inhalt eines Gefäßes, welches etwa 2 Tonnen Flachs enthält, auf diese Weise zu entwässern. Die Centrifugal-Maschine beseitigt indessen nur einen Theil des Wassers, und es muß der Flachs daher noch nachträglich vollständig getrocknet werden. Im Sommer, oder eigentlich im Verlauf von 6 Monaten, kann dieß in gewöhnlicher Weise, durch Auslegen auf Grasland, an offener Luft geschehen, während des Winters müssen dagegen andere Mittel gewählt werden. Für diesen Zweck ist neben dem Rösthause ein Schuppen errichtet, durch Thüren mit jenem verbunden; hierin sind Horden aus Latten, in 5 bis 6 Etagen aufgestellt. Der Flachs wird durch Frauen auf diesen Horden möglichst dünn ausgebreitet, und der Raum mittelst Dampfröhren erwärmt. In diesem Schuppen kann täglich der Inhalt eines Gefäßes abgetrocknet werden. Abgetrocknet wird der Flachs in kleine Bündel aus Händevoll geschnürt, oder in solcher Größe, als passend für die Bearbeitung unter der Brechmaschine erscheint.

Es können etwa 10 Gefäße wöchentlich in dieser Anlage geröstet werden, oder 20 Tonnen, woraus 2½ bis 3 Tonnen Flachsfasern oder Flachs erfolgen. Im Jahre würde dieselbe daher 120 bis 150 Tonnen Flachs für den Markt liefern können, oder den Ertrag von 400 bis 500 Acres. Das Brennmaterial für den Dampfkessel besteht aus |221| Schäven, mit geringem Zusatz von Torf. — Hr. Bernard schätzt die Kosten des Röstens, Trocknens, Heizens und Schwingens des Flachses pro Tonne 10 bis 11 Lstr., oder 3 Lstr. pro Acre. Zieht man von diesem Betrage die Kosten für das Schwingen mit 10 P. pro Stein, oder 6 Sh. pro Centner ab, so betragen diejenigen für Rösten und Trocknen etwa 24 Sh. pro Acre — eine Summe, welche sicher niedriger ist, als der Betrag für dieselben Arbeiten, wenn sie in gewöhnlicher Weise von den Ackerwirthen verrichtet würden. Die Anzahl der beim Rösten und Trocknen beschäftigten Personen beträgt überhaupt in dieser Anstalt 40, von denen 10 Männer, der Rest Frauen sind. Die Schwingemühle enthält 12 Ständer, von denen jeder im Tage 3½, alle zusammen 42 Stein liefern. Die Mühle kann daher nicht allen Flachs schwingen, den die andere Anstalt zu rösten im Stande ist; es würden hierzu 18 Ständer gehören. In der Mühle sind 12 Männer und 11 Weiber beschäftigt; so daß für alle Zweige beider Anstalten 22 Männer und 41 Weiber, oder 126 Hände thätig sind. Es werden jährlich 1500 Lstr. an Lohn ausbezahlt.

Zur Zeit meines Besuches war die Gesellschaft ganz besonders damit beschäftigt, Flachs, welcher bereits im vorigen Jahre in gewöhnlicher Weise geröstet worden war, zu brechen und zu schwingen; da derselbe jedoch wegen einer verspäteten Ernte nicht genügend bearbeitet worden war, so war er nochmals in Gefäßen geröstet worden. Die Faser war zwar grob, jedoch fest, und hatte viel Natürliches an sich. Von dießjähriger Ernte, nach Courtraischer Weise getrocknet, war eine kleine Quantität geröstet und geschwungen. Die erzielten Proben waren von ausgezeichneter Beschaffenheit, einige davon vollkommen den feinsten Gattungen irischen Gewächses gleich. In der Anstalt selbst werden Hecheln gebraucht, um den Flachs nach dem Schwingen zu prüfen. Eine kleine Quantität ist bereits nach England verschifft worden. Der Flachs wird von den Ackerwirthen nach den Bezirken gebracht, sobald er gerauft und getrocknet ist, was nach dem Courtraischen oder doch wenigstens nach einem ähnlichen Verfahren geschieht. Der Same ist noch daran, und er wird in langen Schobern aufgestapelt, diese mit Flachs von geringerer Güte eingedeckt, und mit groben Stricken, die aus den Werg-Abgängen beim Schwingen gemacht werden, zusammengeschnürt. Eine Stein-Unterlage erhält den Schober trocken, welcher mit einem Graben zum Abführen des Regenwassers umgeben ist. Wenn ein Schober eingeholt wird, so wird zuvörderst der Same abgeschlagen und gereinigt, und der beste hiervon für die Aussaat reservirt, der Rest aber zum Futter oder zum Oelschlagen verwendet. Für ersteren Zweck sind die |222| Hülsen und Blätter ebenfalls werthvoll. — Hr. Bernard schätzt den mittleren Ertrag pro Acre auf 7 Bushels, ohne Rücksicht auf leichten Samen und Hülsen. Zu bemerken bleibt noch, daß Flachs nach der Courtraischen Methode getrocknet und nach dem patentirten Verfahren geröstet, eine Faser von außerordentlicher Güte liefert, während ein eben so behandelter, aber nach dem alten Verfahren gerösteter Flachs eine weit schlechtere Faser liefert, so daß kaum eine einzige Probe von feinerer Gattung darin zu ermitteln ist. Das Rösten macht er im Herbst desselben Jahres oder im Sommer des folgenden. Die Gesellschaft hat die Verschlechterung bis zu einem gewissen Grade bei dem Courtraischen Verfahren zugegeben, die Anwendung desselben aber nichtsdestoweniger mit Rücksicht auf die Ausbeute an Samen empfohlen.

Die Vortheile des neuen Röstverfahrens bestehen nun im Folgenden:

1) Alle Einwendungen, welche dagegen erhoben werden, daß der Same durch Abstreichen nicht gewonnen werden könne, sey es wegen ungünstigen Wetters zum Trocknen der Kapseln, wegen Mangels an Händen zum Abstreichen und Rösten in einem Tage, wegen unaufmerksamer Arbeiter an den Harken, durch welche die Flachsstengelenden beschädigt werden, oder wegen der Kosten des Abtrocknens der Kapseln u. s. w. sind beseitigt; jetzt ist nur nothwendig die ganze Pflanze zu trocknen., sobald sie gerauft ist, und den Samen auszudreschen. Wenn daher dieß Verfahren allgemein angewendet wird, so wird der Same der ganzen irischen Ernte jedes Jahr mit der größten Leichtigkeit gewonnen. Der Werth desselben kann dadurch abgeschätzt werden, wenn man den ganzen Ertrag einer Mittelernte in Betracht zieht. Nimmt man 75000 Acres im Mittel als mit Flachs bestellt, und nach Hrn. Bernard's Abschätzung 7 Bushels guten Samen per Acre an, so gibt dieß für die Ernte 525000 Bushels. — Von dieser Quantität werden zum Aussäen auf dieselbe Grundfläche im folgenden Jahre 187500 Bushels verwandt, und es verbleiben daher 337500 Bushels zum Futter und zum Oelschlagen. Der Werth von 187500 Bushels zur Aussaat mit 10 Sh. angenommen, gibt Lstr. 93750; von 337500 Bushels zum Futter und Oelschlagen mit 5 Sh. angesetzt dagegen Lstr. 84375; und endlich von leichtem Samen und Hülfen von 75000 Acres zu 10 Sh. = Lstr. 37500, so daß hiernach der ganze Jahresbetrag Lstr. 215605 beträgt.

Räumt man den Werth des amerikanischen Röst-Verfahrens in Bezug auf Gleichförmigkeit in Ausbeute und Oekonomie im Vergleich |223| mit dem gewöhnlichen Verfahren ein, so glaube ich auch die hohe Wichtigkeit für das Land durch obige Thatsachen bewiesen zu haben, das hierdurch zur allgemeinen Wohlfahrt so viel beitragen wird, während früher hierin in bedeutendem Umfange nur Nachlässigkeit und Verlust stattfand.

2) Eine Arbeit, welche in Folge der Schwankungen in der Luftund Wassertemperatur bisher in ihrem Erfolge zweifelhaft blieb, auch von der Umsicht der Ackerwirthe und von der Aufmerksamkeit der Arbeiter abhing, ist durch das neue Verfahren einem bestimmten und sicheren Ziele zugeführt. Es ist jedem, der Flachsbau getrieben, nur zu wohl bekannt, daß eine schwüle Nacht die Fermentation des Flachses, der dem Rösten unterworfen und beinahe abgeröstet ist, über die angemessene Gränze steigern und die Faser so schwächen kann, daß dadurch beim Schwingen ein erheblicher Abgang stattfindet. Dieß erregt auch in der Regel eine solche Besorgniß, daß meistens der Flachs zu wenig geröstet wird; und wenn gleich dieser Fehler durch Behandlung auf dem Graslande wieder auszugleichen versucht wird, so kommt doch immerhin eine große Menge solchen Flachses auf den Markt, dessen Fasern mit den holzigen Bestandtheilen noch verbunden sind. Die gleichbleibende Temperatur des durch Dämpfe erwärmten Wassers sichert das gleichförmige Rösten des Flachses, während die Hände immer geschickt genug sind, genau die Zeit abzumessen, wenn der Proceß eingestellt werden muß. In allen den von der Gesellschaft geleiteten Behandlungen ist nur ein Fall vorgekommen, daß ein Gefäß in Folge von Nachlässigkeit nicht gehörig geröstet worden ist.

3) Eine sich gleichbleibende Beschaffenheit des Flachses und eine sich gleichbleibende Behandlung kann nur von solchen Personen verlangt und erwartet werden, die Jahr aus Jahr ein damit beschäftigt sind, keineswegs aber von Landarbeitern, die alle 12 Monate nur einmal sich mit dem Rösten und Ausbreiten des Flachses auf Grasland abgeben. Es bedarf wohl kaum noch weiterer Beweise, daß eine so kritische und halb chemische Arbeit sich unmöglich als eine beiläufige für Landbebauer eignet.

4) Es ist oft genug anerkannt worden, daß Flachs weit häufiger gebaut werden würde, wenn ein Markt für gerauften vorhanden wäre, da die Landbauer eben nicht für die Mühe und das Risico, welches mit den nachfolgenden Arbeiten verbunden ist, eingenommen sind. Mit Rücksicht hierauf hatte die Gesellschaft 5 Jahre früher zu Verbindungen von Flachshändlern in Irland aufgemuntert. Dieser Handel hat indessen aufgegeben werden müssen, da zu viele Schwierigkeiten für die |224| Unternehmer sich herausstellten, eine so große Menge grün gerösteten Flachses zu behandeln. Dieselben bestehen bei dem amerikanischen Verfahren indessen nicht, da der Flachs, nachdem er auf dem Felde abgetrocknet und gestapelt ist, ohne die geringste Gefahr für die Güte desselben in diesem Zustande bis dahin erhalten werden kann, daß das Rösten erfolgen kann. Es besteht daher wirklich jetzt der größte Reiz für Capitalisten zu einem solchen Handel, bei welchem das Material, auf welches ihre Speculation sich gerichtet, einer Veränderung nicht unterworfen ist.

5) Wo Dämpfe für den Betrieb irgend einer Gattung von Maschinerie vorhanden sind, da können auch zu verhältnißmäßig geringen Kosten Gefäße aufgestellt, und die überflüssigen Dämpfe, ohne Errichtung eines besonderen Kessels oder sonstiger Apparate, benutzt werden. Das Verfahren ist fast in allen Theilen des Landes ausführbar, und ganz besonders dann zu empfehlen, wenn eine Schwingemühle durch Dampf betrieben wird; dient doch der Abgang beim Brechen und Schwingen als Brennmaterial. Die Mühle würde dann den in den Gefäßen gerösteten Flachs bearbeiten, während der durch die Abgänge erzeugte Dampf die Maschine zum Brechen und Schwingen der Flachsfasern in Gang setzt, und das Wasser zum Rösten erwärmt.

Dieß sind die Hauptpunkte, auf welche ich die Vortheile begründe, welche aus der Annahme dieses neuen Röstverfahrens erfolgen müssen. Es gibt noch andere von geringerem Betrage, jedoch von großem Interesse, wozu unter anderen die gehören, die Röstwasser zur Düngung des Landes zu benutzen, eine Menge Hände Jahr aus Jahr ein zu einer Arbeit verwenden zu können, die bisher bei dem gewöhnlichen Verfahren der üblichen Beschäftigung beim Landbau entzogen wurden; das Zuziehen derselben zu einer halb industriellen Beschäftigung, wodurch System und Industrie in Districte verpflanzt wird, in welchen der entmuthigende Erfolg von bloßem Ackerbau kein Resultat geliefert hat; die Gleichförmigkeit und der Vorzug der Handarbeit, wodurch die Eigenschaften des inländischen Flachses nur gewinnen, und die Continental-Spinner veranlaßt werden können, sich denselben zu beschaffen. Dieß sind noch einige der Vortheile, welche daraus hervorgehen müssen.

Dem Comité dürfte vielleicht scheinen, als hätte ich eine zu sanguinische Ansicht von den Vortheilen des neuen Verfahrens; ich spreche indessen nur aus der durch persönliche Beobachtungen gewonnenen Ueberzeugung, und nachdem ich, als einen Grad von Vorsicht, jedes durch einzelne und kleine Versuche veranlaßte Zeugniß und so lange zurückgewiesen |225| hatte, bis ich durch die Resultate überführt worden war, die ich bei den Arbeiten selbst gewonnen hatte, die zu Newport, Grafschaft Majo, gemacht wurden, einer Gegend, wo jede mögliche Schwierigkeit obwaltete, und wo noch vor 3 Jahren der Flachsbau, mit Ausnahme für häusliches Bedürfniß fast unbekannt war. Meiner Meinung nach bleibt jetzt nur noch festzustellen übrig, ob dieses neue Verfahren die Faser schwächt, und ob Leinen hieraus gemacht, sich eben so leicht und rein bleichen läßt, als solches aus Flachs in alter Weise bearbeitet; wenn aber durch competente Richter bestätigt wird, daß nach dem Verspinnen, Weben und Bleichen das Leinen eben so gut ist, als solches aus Flachs nach älterem Verfahren geröstet, so kann ich mich nur beeilen, dem Comité die Annahme desselben zu empfehlen, da ich glaube, daß es dann bestimmt ist, eine vollständige Revolution in dem Bau und der Behandlung des Flachses in Irland zu bewirken.

|210|

Die Samenernte beträgt durchschnittlich etwa 12 Bushels (à 10 Metzen 111,6 Kubikzoll preuß.) pro Acre (à 285,29 preuß. Quadratruthen), so daß der von einem Acre gewonnene Samen zu 5 dienen würde.

|213|

Die besten Streich-Harken werden aus ½zölligen Quadrateisen gemacht, die Kanten den Arbeitern zugewendet, also übereck, 3/16 Zoll unten, und oben ½ Zoll auseinanderstehend, und 18 Zoll lang, um hinlängliche Federung zu gestatten, und Abgang an Flachs zu vermeiden. Die Zuspitzung beginnt oben 3 Zoll von dem Spitzende ab.

|216|

Nähere Mittheilungen ertheilen die HHrn. Bernard und Koch in Newport, Majo, oder der Hr. R. B. Schenk, 3, Clarence Place, Belfast.

|217|

Im Jahrgang 1845 der Verhandlungen des preußischen Gewerbe-Vereins sind sowohl Abbildungen als Beschreibung von diesen verbesserten Flachsbrech- und Schwingemaschinen geliefert worden.

A. d Uebers.

|218|

Wir haben über dasselbe einen Bericht von Prof. Payen im polytechn. Journal Bd. CXIX S. 62 mitgetheilt.

A. d. R.

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