Titel: Mène, über künstliche Befruchtung der Fische.
Autor: Mène, Ch.
Fundstelle: 1851, Band 120, Nr. LI. (S. 231–233)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj120/ar120051

LI. Ueber künstliche Befruchtung der Fische; von Ch. Mène.

Aus dem Moniteur industriel, 1851, Nr. 1523.

Dem landwirthschaftlichen Centralverein in Paris wurden von Hrn. Milne Edwards die wichtigen Resultate der von zwei Fischern an der Loire angestellten Versuche hinsichtlich der künstlichen Befruchtung der Fische mitgetheilt. Frühere Versuche von Coste, Quatrefages etc.49 haben auf diesen neuen Industriezweig schon hingedeutet. Hr. Rémy, einer der beiden Fischer, theilte der Gesellschaft auf Verlangen seine Beobachtungen über die Fortpflanzung und sein Verfahren mit; folgendes ist der wesentliche Inhalt seines Vortrags.

Wenn die Zeit gekommen ist, wo die Weibchen der Fische ihre Eier abzusetzen suchen, nimmt man sie und entbindet sie künstlich, indem man den Fisch zwischen der Hand drückt und so die Eier zwingt aus der sie einschließenden Höhlung herauszutreten; diese blutrothen Gier läßt man in Zuber fallen, welche mit Wasser gefüllt sind, und darin einige Zeit verweilen. Andererseits wird in besondern, mit Wasser gefüllten Gefäßen die Milch der Männchen aufgesammelt, welche man aus diesen auf dieselbe Weise gewinnt. Nachdem man deren Milch in das Wasser gerührt und auf diese Weise eine weißliche Flüssigkeit |232| erhalten hat, schüttet man diese in die Zuber worin sich die Eier der Weibchen befinden, rührt mit der Hand um, damit diese mit der Milch vermischt werden, und überläßt sie zwei Tage lang sich selbst; nach dieser Zeit sind die Eier befruchtet und zur Erzeugung neuer Wesen geeignet.

Die gelungene Befruchtung läßt sich leicht daran erkennen, daß die Eier ihr Aussehen verändern; es bildet sich ein schwarzer Punkt auf ihnen, sie verlieren aber ihre Farbe nicht, während sie, wenn die Operation fehlschlug, weiß werden. Sehr merkwürdig ist, daß die männlichen und weiblichen Fische, welche so entbunden wurden, in das Wasser zurückgeworfen fortleben und im nächsten Jahr wieder Eier erzeugen können etc. Nachdem die Eier befruchtet sind, bringt man sie auf eine Schicht Kies in Büchsen von Weißblech, welche wie ein Schaumlöffel durchlöchert sind. Diese Büchsen taucht man in einen kleinen Bach, dessen Wasser lebendig und klar ist, aber wenig tief; man grabt sie darin etwas ein und sorgt überhaupt dafür, daß der Strom eine rasche Erneuerung des die Eier umgebenden Wassers bewirken kann; denn die Bewegung der Flüssigkeit ist nicht bloß nöthig um die Respiration dieser Embryos zu unterhalten, sondern auch um die Entwickelung von Wassermoos zu verhindern, welches bei stillstehendem Wasser die Eier bald einfädeln und den Tod der jungen Fischbrut veranlassen würde. Die Entwickelung dieser Embryos dauert ungefähr vier Monate, und in der Regel schlüpft der Fisch gegen Ende März oder April aus dem Ei; die neugebornen Forellen tragen noch sechs Wochen lang unter dem Bauch das Nabelbläschen welches die Ueberreste der nährenden Materie enthält; anfangs nährt sich die Brut auf Kosten dieser Substanz, nachdem aber deren Absorption bewirkt ist, läßt man den kleinen Fisch aus der Büchse heraus, welche ihm als Wiege diente, und frei in dem Bach oder Bassin, welche man bevölkern will, herumschwimmen.

Die Veranlassung dieses neuen Industriezweigs war folgende. Der Fischer Remy brachte mit seinem Cameraden viele Nächte damit zu, die Fische beim Legen ihrer Eier zu beobachten und zuzusehen wie Forellen,50 Barsche, Lachse und Karpfen ihre Nester bauen. Die beschriebene |233| künstliche Entbindung wird nach ihm ebenso von der Natur vorgenommen, denn der in Eierwehen (wenn dieser Ausdruck erlaubt ist) befindliche Fisch reibt sich, den Strom hinabschwimmend, an den Steinen, um seine Frucht aus sich herauszudrücken. Um ihr Nest zu bilden, schleppen die Lachsforellen Steine von der Größe eines Kindskopfs weit her; zu diesem Behufe vereinigen sie sich in großer Zahl, drücken mit dem Kopfende gegen den Stein und bringen mittelst ihrer Flossen und Schläge mit dem Schwanz den Stein nach und nach an den Ort, wo sie ihn brauchen. Die in das Bassin eingesetzten Fische leben übrigens ebenso gut im fließenden als im stehenden Wasser.

Beim Ausschlüpfen des Fisches aus dem Ei zeigt sich zuerst der Schwanz, dann der Kopf und endlich dient das Ei dem Thier als Körper.

Auf diese Weise können wir also in Zukunft Fische im Wasser säen, wie man das Korn in die Erde säet, um uns jene als Nahrungsmittel zu verschaffen.

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Polytechn. Journal Bd. CX S. 387 und Bd. CXIII S. 72.

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Die Laichzeit der Forellen fällt nach Remy in die zweite Hälfte des Novembers und in den December. Hr. Caumont bemerkt dagegen (Comptes rendus 1850 2me. Sem. Nr. 26), daß nach seinen Beobachtungen und der Erfahrung der Fischer im Calvados-Departement und überhaupt in der ganzen Normandie, die Forellen erst um zwei Monate später, im Januar und Februar laichen.

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