Titel: Ueber einen wohlfeilen Anstrich für hölzerne Fußböden; von J. Thorr, Inspector des städtischen allgemeinen Krankenhauses in München.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1851, Band 120/Miszelle 10 (S. 78–80)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj120/mi120mi01_10

Ueber einen wohlfeilen Anstrich für hölzerne Fußböden; von J. Thorr, Inspector des städtischen allgemeinen Krankenhauses in München.

Die leichte Handhabung der Reinlichkeit in öffentlichen Anstalten, besonders in Krankenhäusern, ist von solcher Wichtigkeit, daß sie alle Aufmerksamkeit verdient. Da aber die Beschaffenheit der Fußböden in Zimmern und Krankensälen die Reinlichhaltung derselben entweder sehr erleichtern oder erschweren kann, so war seit mehreren Jahren meine angestrengte Sorge darauf gerichtet, ein wohlfeiles Verfahren ausfindig zu machen, wodurch sowohl die Dauerhaftigkeit der Fußböden vermehrt, als ihre Reinlichhaltung erleichtert werden könnte. Mit der Vermehrung der Reinlichkeit steigt aber auch die Salubrität eines bewohnten Raumes und somit wäre gesteigerte Salubrität der dritte, oder, wenn man lieber will, der erste Zweck unseres Verfahrens.

Steinerne Fußböden, welche früher in den Sälen des hiesigen allgemeinen Krankenhauses bestanden, sind allerdings leicht zu reinigen, allein ihre anderweitigen Nachtheile sind nach dem Ausspruche der Spitalärzte so groß und so zahlreich, daß sie diesen Vortheil weit überwiegen, deßwegen sie auch nach und nach alle entfernt und hölzerne eingeführt wurden.

Wir haben es also bloß mit hölzernen Fußböden zu thun; allein gerade diese find es, welche die Aufgabe, die wir uns gestellt haben, sehr erschweren.

Es ist eine besondere Eigenschaft des ausgetrockneten Holzes, Feuchtigkeiten aller Art begierig in sich aufzunehmen, und sogar nach Beschaffenheit der aufgenommenen Feuchtigkeiten übelriechend zu werden. Diese Eigenschaft des Holzes vermehrt sich noch mit dem Alter, und es kommt dann hinzu, daß alte hölzerne Fußböden auch noch schiefrig werden, oder Risse und Klüfte bekommen, welche dem Ungeziefer zum Aufenthalte dienen. Je älter nun die hölzernen Fußböden werden, desto leichter saugen sie Flüssigkeiten aller Art ein, desto langsamer trocknen sie, desto schwerer sind sie überhaupt zu reinigen, folglich desto mehr gefährden sie die Salubrität durch ihr Feuchtbleiben und durch die übelriechenden Ausdünstungen. Es ist also keinem Zweifel unterworfen, daß den hölzernen Fußböden vieles, recht vieles entgegensteht.

Dieses gilt aber besonders für Krankenhäuser und andere öffentliche Anstalten, weil diese einestheils die größte Reinlichkeit erheischen, anderntheils der größten Verunreinigung ausgesetzt sind. Denn wer wird in öffentlichen Anstalten das Ausspeien auf den Fußboden, das Verschütten verschiedener Flüssigkeiten ganz verhüten können? Welche Verunreinigung erleiden die Fußböden an öffentlichen Besuchtagen durch das Publicum, besonders bei schlechtem Wetter! Will man nun die gehörige Reinlichkeit erhalten, so bleibt nichts anders übrig, als die Fußböden täglich naß aufzufegen, was aber kostspielig ist, den Hausdienst erschwert und auch nicht ohne Unbequemlichkeit oder Nachtheil der Bewohner geschehen kann.

Ein hölzerner Fußboden muß daher fest, glatt und wasserdicht seyn, und diese Eigenschaften kann er nur durch einen künstlichen Anstrich erlangen, wovon ich im Nachfolgenden zwei, welche vollkommen entsprechen, aufführen will.

1) Der eine wurde in dem Spitale zu Frankfurt am Main versuchsweise angewendet, und weil der Erfolg entsprach, in mehreren Wohlthätigkeitsanstalten eingeführt.

Auf Ansuchen wurde uns das technische Verfahren von dort aus mitgetheilt und lautet, wie folgt:

Der Fußboden muß dreimal mit heißem Leinölfirniß angestrichen werden. Das Leinöl (wo möglich abgelagertes holländisches) muß so lange gekocht und abgeschäumt |79| werden, bis ein hineingeworfenes Stückchen Schwarzbrod, ½ Zoll dick, hart gebraten ist.

Bei dem letzten Kochen des Oels in einem kupfernen oder eisernen Topfe muß in circa 4 Maaß ¼ Pfund feingeriebene Bleiglätte mit eingeschüttet und öfter in dem Oel um- und aufgerührt werden. Das Oel darf natürlich nicht anbrennen, weil es sonst auf dem Holzboden statt einer braungelben, eine schwarzbraune Farbe hervorbringen würde; auch muß der Fußboden selbst zuvor rein aufgewaschen werden und wieder gehörig trocken seyn, ehe man den ersten Anstrich macht.

Ist das Oel von allen unreinen und wässerigen Theilen befreit und zu Firniß gekocht, dann muß solches kochend aufgetragen und nach 24 Stunden in etwaige Lücken verstrichen werden.

Sobald der erste Anstrich ganz trocken ist (was, in der Regel, am dritten Tage, oder früher, statt haben wird), so zwar, daß er nicht mehr klebt, so wird der zweite Anstrich ebenfalls kochend ausgetragen und mit dem Gleichstreichen, wie bei dem ersten Anstrich, verfahren.

Der dritte Anstrich kann erst vorgenommen werden, wenn das aufgetragene Oel nicht mehr, gleichsam wie ein Häutchen, sich abziehen läßt, was hauptsächlich durch das sorgfältige Gleichstreichen vermieden wird, und geschieht dann ebenfalls mit kochendem Oel, jedoch darf bei diesem letzten Anstriche das Oel nicht so lange gekocht werden, daß es zähe wird, sondern es muß ganz flüssig seyn. Ist dieser dritte Anstrich gehörig aufgetragen und nach 24 Stunden gleichgestrichen, so läßt man den Fußboden bei geöffneten Fenstern vierzehn Tage lang austrocknen und wäscht ihn, wenn er alsdann noch klebrig seyn sollte, mit lauem Seifenwasser ab.

Seit zwei Jahren besteht dieser Fußbodenanstrich in mehreren Krankenhäusern dahier mit dem erwünschten Erfolg, und es ist somit die vorgesteckte Aufgabe gelöst, indem die Dauerhaftigkeit des Bodens dadurch erhöht und die Reinigung desselben erleichtert ist, weil er keine Feuchtigkeit mehr einsaugt.

Wenn der Fußboden im Verlaufe von einem Jahre wieder abgenutzt ist, so bedarf es uur eines einzigen Anstrichs, jedoch stets mit einem heißen Leinölfirniß. Bis der Anstrich gehörig trocken ist, verursacht er zwar einen unangenehmen Geruch, jedoch verliert sich dieser bald. Da die Kosten für diesen Anstrich mit Material und Arbeitslohn auf den Quadratschuh nur beiläufig 3 Pf. betragen, so ist auch hiermit der Wohlfeilheit Genüge geleistet.

Wenn der Fußboden, welcher mit einem heißen Oelfirnisse versehen werden soll, schon sehr abgenutzt, schiefrig und rissig ist, so muß derselbe zuvor ausgespänt und mit einem festen Kitt, welcher aus Gyps und Leimwasser bereitet wird, ausgekittet werden.

2) Der zweite Anstrich besteht darin, daß der auf die voranstehende Art gereinigte, geebnete und ausgespänte, vollkommen trockne Fußboden zuerst mit kaltem Leinöl eingelassen und dann mit in Weingeist aufgelöstem Schellack angestrichen wird. Der Schellackfirniß besteht aus 3 Pfund Schellack und 4 Maaß gutem Weingeist von 40 bis 44° Cart.

Der Schellackfirniß soll ausgetragen werden, wenn das Leinöl nicht ganz eingetrocknet ist, damit sich das Leinöl mit dem Fußboden desto besser verbinde. Nach gänzlicher Trocknung des Anstrichs, welches in Zeit von einer Stunde geschieht, wiederholt man das Einlassen noch zweimal mit Leinöl und Schellack in immer abgesetzten Zwischenräumen von 3 bis 4 Stunden und immer nur nach vollkommener Trockenheit des vorhergehenden.

Bei Anwendung dieses Firnisses darf nie mehr, als höchstens 1 Maaß in den Topf gegossen werden, weil derselbe sonft durch die Verdunstung des Weingeistes zähe und unbrauchbar werden würde. Nach 24 Stunden ist der Fußboden so getrocknet, daß er schon betreten werden kann und gar keinen üblen Geruch mehr verbreitet. Die Anwendung dieses Anstrichs unterliegt somit keiner Schwierigkeit; jede Ausbesserung ist leicht vorzunehmen, und die Auslagen belaufen sich auch nicht höher, als der Quadratschuh beiläufig zu 3 Pfen. Dieser Anstrich erhöht die Dauerhaftigkeit des Holzes, macht den Boden glatt und wasserdicht und erleichtert dessen Reinigung ungemein, indem man ihn bloß mit kaltem Wasser aufzuwischen braucht.

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Wir hätten also zwei Fußbodenanstriche, welche unserem Zweck entsprechen, und es handelt sich nun darum, welcher den Vorzug verdiene.

Hier ist nun zu bemerken, daß bei Fußböden, welche durch das Betreten von vielen Menschen viel aushalten müssen, z. B. in Krankensälen, das erstere Verfahren den Vorzug verdient, weil das heiße Leinöl in das Holz eindringt und dadurch die Fußböden noch dauerhafter werden, als durch das letztere Verfahren, und sie sich nicht so leicht abnutzeu, als dieß bei den Farben und Schellackanstrichen der Fall ist.

Bei gewöhnlichen Zimmern möchten aber durch das zweite Verfahren die Böden schneller trocknen und also die Zimmer früher wieder bewohnbar werden. Da man bei diesem Verfahren auch verschiedene Farben mit dem Oele verbinden kann, so dürfte auch die Eleganz größer seyn, was bei Wohnzimmern ebenfalls sehr zu beachten ist. (Gewerbevereins-Blatt der Stadt Fürth.)

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