Titel: Ueber die Bereitung und Verfälschung der Hausenblase; von Evans und Letheby.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1851, Band 120/Miszelle 10 (S. 238–239)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj120/mi120mi03_10

Ueber die Bereitung und Verfälschung der Hausenblase; von Evans und Letheby.

Hr. Sugden Evans theilt folgende Details über das Verfahren mit, wornach man in Rußland den Fischleim bereitet. Man öffnet die Schwimmblase des Fisches (des Störs und des Hausens), wascht sie sorgfältig in kaltem Wasser, nagelt sie dann auf ein Brett, und setzt sie der Sonne aus um sie zu trocknen. Bevor sie gänzlich trocken ist, zieht man die äußere Haut ab und läßt die innere glänzendweiße dann vollends trocknen. Im Winter gräbt man die Fischblasen in dem Maaße als man sie erhält, in Schnee ein, ohne sie zu waschen; wenn der Frühling eintritt und die Witerung warm genug ist um sie an der Sonne trocknen zu können, behandelt man sie |239| dann auf angegebene Weise. Nöthigenfalls trocknet man sie am Feuer, und in diesem Falle tritt bisweilen eine klare Flüssigkeit heraus, welche erhärtet und die sogenannten Fischleim-Thränen bildet. Diese Art die Blasen zu trocknen, ist aber bei weitem nicht so gut wie das Trocknen im Freien.

Mit dem aus Rußland ausgeführten Fischleim werden mehrere Operationen vorgenommen, um ihn zu den verschiedenen Zwecken vorzubereiten. Er wird sofort gewaschen, zu dünnen Blättern gerollt und in kleine Streifen zerschnitten. In der letzten Zeit kam eine Verfälschung in Gebrauch, welche darin besteht, Blätter von Fischleim und Gallerte zusammenzurollen, oder den Fischleim in eine Gallerte-Auflösung einzuweichen, bevor man ihn rollt und zerschneidet. Diese Verfälschung läßt sich durch das Einäschern erkennen: nach den Versuchen des englischen Chemikers Redwood hinterlassen nämlich 100 Gran Hausenblase bester Sorte 48 Gran Asche, während die Gallerte nur 4 Procent Asche gibt. Um beim Einäschern keinen Verlust zu erleiden, empfiehlt Redwood einen Tiegel mit weiter Oeffnung anzuwenden, und die Masse zu pulverisiren, nachdem sie die Schwammform angenommen hat.

Hr. Letheby, Professor der Chemie am medicinischen Collegium in London, hat ebenfalls eine vergleichende Untersuchung der reinen und der gallertehaltigen Hausenblase angestellt. Ein Muster von Hausenblase, welche ihm ein englischer Materialist als rein übergab, die aber verfälscht war, besaß folgende Eigenschaften:

1. Der Geruch dieser Hausenblase ist nicht gut, denn während die russische Hausenblase bloß einen schwachen Fisch- oder Meergras-Geruch hat, besitzt die verfälschte den charakteristischen Geruch in Zersetzung begriffener thierischer Substanz, und dieser Geruch wird noch merklicher, wenn man die Hausenblase in wenig Wasser kochen läßt.

2. Ihr Geschmack ist sehr unangenehm und ähnlich demjenigen des Leims.

3. Sie röthet das Lackmuspapier stark, was ächte Hausenblase niemals thut.

4. Wenn man russische Hausenblase mit kaltem Wasser behandelt, quillt sie kaum auf, wird undurchsichtig, und wenn sie in sehr kleine Stücke zerschnitten ist, erweichen die Fasern ein wenig, liefern aber nie eine große Menge abgesonderter Flocken, und das Wasser, worin man sie zwölf Stunden lang schüttelte, wird nie gallertartig. Die verfälschte Hausenblase verschwindet hingegen schnell im Wasser, die Fasern verwandeln sich in eine flockige Masse, und nach zwölsstündiger Berührung verliert das Wasser seinen flüssigen Zustand und gesteht zu einer Gallerte.

5.Eine Aetzkalilösung hinterläßt nach ihrer Einwirkung auf die verfälschte Hausenblase eine größere Menge Flocken unaufgelöst, als seyn sollte.

6. Eine starke Auflösung von Oralsäure hinterlaßt nach ihrer Einwirkung auf die verfälschte Hausenblase einen reichlicheren Bodensatz als mit der ächten russischen Hausenblase.

7. Gute russische Hausenblase gibt beim Einäschern eine dunkelrothe Asche, welche nur wenig kohlensauren kalk enthält, der nie über 0,9 auf 100 Hausenblase beträgt. Die Asche der verfälschten Hausenblase hat eine blässere Farbe, braust mit Säuren stärker auf und beträgt 1,42 Procent.

8. Betrachtet man reine Hausenblase unter dem Mikroskop, so zeigt sie in ihrer ganzen Masse eine organische, faserige, zellige oder häutige Structur, während die verfälschte Hausenblase außer diesen Kennzeichen eine deutliche Schicht von einer amorphen unorganisirten und durchsichtigen Schicht darbietet, welche alle Eigenschaften des gewöhnlichen Leims besitzt. (Aus dem Pharmaceutical Journal durch den Bulletin de la Société d'Encouragement, März 1851, S. 151.)

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